Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Dresdnerin freut sich nach Endometriose-OP über doppeltes Mutterglück
Dresden Lokales Dresdnerin freut sich nach Endometriose-OP über doppeltes Mutterglück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:09 20.10.2017
Glückliche Familie: Nach langwierigen Problemen verhalf eine Operation zur Erfüllung des Kinderwunsches.  Quelle: Anja Schneider

 Strahlend berichtet Maria Wackernagel von ihren sechs Monate alten Zwillingen Ben Charles und Leon Bruce. „Die beiden wachsen wirklich schnell und bekommen langsam ihre ersten Zähne!“, freut sich die Dresdnerin. Am 28. März dieses Jahres ist sie zum ersten Mal Mutter geworden – doch fast wäre es nicht dazu gekommen. Denn Maria Wackernagel ist eine von etwa 40 000 Frauen pro Jahr, die an Endometriose erkrankt sind und dadurch eine deutlich geringere Chance haben, schwanger zu werden.

Schon längere Zeit klagte die heute 29-Jährige über starke Periodenschmerzen. Bei ihrem Hausarzt blieben die rätselhaften Beschwerden lange Zeit ungeklärt. Er sah keinen Anlass für weitere Untersuchungen – stattdessen hakte er ihre Symptome als psychosomatische Ursachen ab. „Da viele Frauen an Periodenschmerzen leiden, werden Patienten mit einer tatsächlichen Endometriose oft nicht ernstgenommen. So kann es manchmal bis zu sieben Jahre lang dauern, bis die Krankheit erkannt wird“, erklärt die Klinikdirektorin Pauline Wimberger. Das Uniklinikum rät Frauen- und Hausärzten deshalb, aktiv auf ihre Patientinnen zuzugehen und nach Beschwerden zu fragen. Außerdem solle bei Verdacht auf eine Endometriose (siehe Kasten) ein Ultraschall der Nieren erfolgen.

Wissenswertes zur Krankheit

Erklärung: gutartige Gewebewucherungen der Gebärmutterschleimhaut, die sich im Körper ausbreiten

Symptome: starke Schmerzen vor oder während der Menstruation; Rückenschmerzen; Blutungsstörungen; Schmerzen bei Wasserlassen; Unfruchtbarkeit

Ursache: bislang ungeklärt

Diagnose: Tastuntersuchung/ Ultraschall; für gesicherte Diagnose Bauchspiegelung nötig

Behandlung: Entfernung der Endometrioseherde per operativem Eingriff, teilweise medikamentöse Behandlung

Heilung: chronische Krankheit, daher nicht vollständig heilbar; Verschwinden der Beschwerden durch Behandlung möglich.

Erst durch den Rat ihrer Schwiegermutter findet Wackernagel den Mut, sich an neue Ärzte zu wenden und die Sprechstunde des einzigen Endometriosezentrums in Sachsen, im Uniklinikum Dresden, wahrzunehmen. Im Dezember 2014 teilte man ihr dort erstmals den Verdacht der chronischen Krankheit mit. Da sich diese jedoch von Frau zu Frau anders auswirkt, obliegt es auch der Patientin, wann ein Therapiebeginn sinnvoll oder erwünscht ist. Wackernagel entschied sich gemeinsam mit ihrem Partner dafür, sich zunächst genauer über die Krankheit zu informieren und erst nach ihrer Hochzeit dagegen anzukämpfen. „Wir wollten erstmal wissen, woran wir sind“, erklärt die zweifache Mutter. Nach der Hochzeit war für die junge Familie klar, dass nun der Kinderwunsch erfüllt werden soll.

Im Juni 2016 wurde dann die nötige Bauchspiegelung bei Wackernagel durchgeführt. Dabei habe man endgültig die Diagnose stellen können, die Verwachsungen an den betroffenen Körperstellen gelöst und den Harnleiter freipräpariert. Bei der Operation der Patientin, die an einer schweren Form der Krankheit litt und ohne Behandlung bleibende Schäden davongetragen hätte, konnten alle Auffälligkeiten einer Endometriose entfernt werden. Nach einer abschließenden, hormoneller Stimulationsbehandlung war Wackernagel nun bereit für eine künstliche Befruchtung. Auf Wunsch wurde ihr der Embryo an ihrem Geburtstag eingesetzt. „Das war wirklich das schönste Geschenk!“, freute sie sich. Während ihrer Schwangerschaft sei sie vom Klinikum „sehr gut betreut“ worden. Besonders positiv erinnert sie sich an ihre Stunden im Kreißsaal: Dort habe sie viele bekannte Ärzte gesehen, die sich über die Geburt ihrer Kinder Ben Charles und Leon Bruce freuten.

Ebenfalls in Erinnerung habe sie eine Bettnachbarin, die auch an Endometriose erkankt war. Zunächst habe diese nicht mit ihr gesprochen, doch dann seien sich die beiden Frauen durch ihr gemeinsames Schicksal näher gekommen und hätten noch heute Kontakt. „Es ist wirklich wichtig, dass Betroffene über die Krankheit sprechen. Leider ist das Thema für viele Menschen tabu“, merkt Wimberger an.

Gerade die Endometriose-Infoveranstaltungen, die im Zwei-Wochen-Takt vom Klinikum veranstaltet werden, sollen dem Austausch Betroffener dienen. „Dass dort ehemalige Patientinnen sprechen, die jetzt Kinder haben, hat mir damals viel Mut und Hoffnung gemacht“, verrät Wackernagel. Heute hat die 29-Jährige mit ihren beiden Söhnen doppeltes Glück gehabt. „Frau Wackernagel hat wirklich einiges durchgemacht“, verdeutlicht ihre behandelnde Ärztin Maren Goeckenjan, „doch sie ist wirklich vorbildlich mit der Situation umgegangen und sehr daran gewachsen“.

Von Katharina Jakob

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Warum sehen sich Menschen des öffentlichen Lebens regelmäßig mit Hassnachrichten konfrontiert? Nur eines der Themen, die der neue Sonderforschungsbereich (SFB) 1285 an der TU Dresden beleuchten will. Am Dienstag wurde er im Deutschen Hygienemuseum mit der Veranstaltung „Das Gespenst des Populismus“ feierlich eröffnet.

19.10.2017

Bei der Dresdner Hilfsorganisation gibt es Grund zum Feiern: Nach 25 Jahren im weltweiten Katastropheneinsatz können die Helfer auf viele erfolgreiche Projekte zurückblicken. Das gibt Gelegenheit für eine Bilanz.

19.10.2017

Für die Sportfreunde an der Stuttgarter Straße gab es am Mittwoch Grund zum Feiern. Zur Eröffnung eines neuen Kunstrasenplatzes hatten sich sogar die Ehrengäste Dynamo-Sportdirektor Ralf Minge und Sportbürgermeister Peter Lames eingefunden. Ungetrübt ist die Freude aber nicht.

19.10.2017
Anzeige