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Lokales Dresdner will mit dem Geld-Pflaster durchstarten
Dresden Lokales Dresdner will mit dem Geld-Pflaster durchstarten
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19:03 12.06.2018
Auch als Werbegeschenk geeignet: das Bodywallet. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Eine laue Februarnacht vor zwei Jahren im nicaraguanischen San Juan del Sur. In den Clubs wurde ausgelassen gefeiert. Unter den tanzwütigen Partygästen war auch Christian Schranz – ein Dresdner auf Weltreise, immer auf der Suche nach den besten Surfspots. Auf einmal kippte die Stimmung des Globetrotters. Sein Geld war verschwunden. Geklaut. Und obwohl der Dieb ungestraft davonkam, blickt Schranz heute gern zurück. Denn in dieser lauen Februarnacht wurde eine Idee geboren, die ihr Schöpfer für eine Weltneuheit hält: das Bodywallet. Eine Geldbörse, die am Körper klebt.

Noch auf seiner mehrjährigen Reise baute Schranz erste Prototypen und feilte am Konzept. Seit einem halben Jahr ist er wieder zurückgekehrt – seine Geschäftsidee im Gepäck. „Das Body Wallet bietet die Möglichkeit, Geldscheine oder die Kreditkarte zu verstecken und sicher zu verstauen“, erklärt der Erfinder. „Das Täschchen wird wie ein Pflaster auf die Haut geklebt. So etwas gab es bisher noch nicht auf dem Markt.“

Schranz legt ein Bodywallet auf den Holztisch. Es hat ungefähr die Größe einer Spielkarte. „Viele kennen das: Man möchte ausgehen und etwas Geld mitnehmen. Gerade Frauen haben es in diesem Fall oft schwer, weil ihr Rock beispielsweise keine Taschen hat“, sagt Schranz und präsentiert sein Produkt als Lösung für das Problem. „Das Bodywallet ist leicht und atmungsaktiv. Es ist ideal für den Urlaub, die Joggingrunde, Konzerte und das Nightlife.“ Auch für den Strand eigne sich das Einweg-Portemonnaie, das bis zu drei Tage haftet.

Das Bodywallet besteht aus zwei Lagen Vliesstoff und einem Zipper-Verschluss, ähnlich dem von Gefrierbeuteln. Obwohl die Stückliste überschaubar ist, hat jedes fertige Bodywallet einen aufwendigen Produktionsprozess hinter sich gebracht. Um das nachvollziehen zu können, genügt ein Blick in die eigenen vier Wände von Christian Schranz. Sein Haus in Briesnitz ist zur Produktionsstätte umfunktioniert worden. Allerlei klobige Hightech-Maschinen stehen im Wohnbereich und im Schlafzimmer herum. Das hochmoderne Equipment, darunter mehrere Ultraschallschweißmaschinen und ein Latexdrucker, ließ sich Schranz rund 50 000 Euro kosten. Die Maschinerien prägen das Markenlogo auf den Fleecestoff und schneiden die Einzelteile zurecht, runden die Ecken ab und schweißen die Zipper-Verschlüsse ein.

Christian Schranz, der momentan sein Geld mit der Vermietung von Mehrfamilienhäusern macht, werkelte monatelang am Bodywallet. Das Geld-Pflaster wurde einem harten Test unterzogen. In der Sauna und beim Joggen ist der Erfinder ordentlich ins Schwitzen gekommen – doch die Geldbeutel blieben am Körper kleben. „Nach dem Selbsttest empfehle ich, das Bodywallet an eine Stelle zu heften, die nur wenig Bewegung ausgesetzt ist“, so der Urheber. „Die obere Brust, der Oberschenkel oder der Oberarm eignen sich. Und wenn man am Tresen sitzt und kurz dahin greift, merkt das keiner.“

Für seine haftende Geldbörse hat der Tüftler bereits Patent angemeldet, denn Schranz ist überzeugt von der Einzigartigkeit seiner Idee. Schon von der Straße aus erkennt man den Aufkleber mit der Aufschrift „I love Bodywallet“, der am Gartentor des Dresdners prangt. Schranz ist mittlerweile nicht mehr der einzige, der an dem Projekt arbeitet. Eine Freundin kümmert sich um die Administration. Auch einen befreundeten Werbegrafiker hat sich der 51-Jährige mit ins Boot geholt.

Einen riesigen Markt sieht Schranz auch im Merchandise-Bereich: „Das Bodywallet eignet sich gut als Giveaway“, meint der 51-Jährige und schüttet eine Sammlung an Geld-Pflastern auf dem Tisch aus. Sie sind mit den Logos großer Unternehmen bedruckt. Die Idee ist erst seit Kurzem spruchreif, doch erste Anfragen haben das kleine Team bereits erreicht. Einige Dresdner Firmen, darunter eine Immobiliengesellschaft und ein Surfshop, hat Schranz schon beliefert. Mit einem größeren Unternehmen laufen Preisverhandlungen.

Seit einigen Wochen sind die Bodywallets außerdem in Fünferpacks auf Amazon erhältlich. Die ersten 350 Päckchen sind bald ausverkauft. Der Preis ist mit 7,80 Euro relativ hoch, das weiß auch Schranz: „Die Materialien sind zwar recht günstig, im fertigen Produkt steckt aber einfach noch sehr viel Handarbeit.“ Schranz hat vor, sein Produktionsteam langfristig aufzustocken und weitere Maschinen anzuschaffen. „Ohne neue Maschinen würden wir schnell an die Kapazitätsgrenze stoßen. Mit zwei weiteren Helfern wäre es möglich, 3000 Bodywallets am Tag herzustellen“, weiß der Produktionsleiter.

Schranz arbeitet bereits an Weiterentwicklungen des Produkts – etwa an einer Geldbörse, die dank eines speziellen Klebstoffs in die Kleidung geklebt werden kann. „Manche Personen finden es angenehmer, das Täschchen an der Kleidung zu tragen, anstatt auf der Haut“, sagt Schranz. Das Produkt befindet sich momentan in der Testphase.

Wird das Bodywallet wider Erwarten kein bahnbrechender Erfolg, dann soll es wohl nicht sein, meint Schranz. Doch eins ist sicher: In diesem Fall wird die nächste ausgefallene Idee des einfallsreichen Dresdners nicht lange auf sich warten lassen.

www.bodywallet.de

Von Junes Semmoudi

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