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Lokales Dresdner sind für die Ausstellung von Kunstwerken auf dem Neumarkt
Dresden Lokales Dresdner sind für die Ausstellung von Kunstwerken auf dem Neumarkt
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08:38 17.07.2017
Schon die „Wolfsmenschen“ von Rainer Opolka auf dem Neumarkt hatten für heftige Diskussionen gesorgt.   Quelle: Stephan Lohse
Dresden

 Die Dresdner haben nichts gegen Kunstwerke auf dem Neumarkt, sie wollen aber gern mitreden bei der Entscheidung, was gezeigt wird. Das ist das Ergebnis des 100. DNN-Barometers, für das vom Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden 515 repräsentativ ausgewählte Dresdner befragt worden sind.

Die „Wolfsmenschen“ von Rainer Opolka hatten in der jüngeren Vergangenheit den Anfang gemacht. Im März 2016 standen sie auf dem Neumarkt. Er wolle zeigen, was passiert, wenn Verbitterung, Hass und Gewalt sich in einer Gesellschaft wie ein Virus ausbreiten, erklärte der Künstler seine Idee. Opolka nahm seine zähnefletschenden und teils bewaffneten Wolfsmenschen als Symbol für eine Gesellschaft ohne Ordnung und Menschlichkeit. „Sie stehen auch für diejenigen, die Brandsätze werfen und Flüchtlinge schlagen“, sagte er. „Der Dreck muss weg“ sei ihm entgegen geschallt, im Internet sogar über „entartete Kunst“ gewütet worden, schilderte Opolka seine Erlebnisse.

Kontrovers ging es ein Jahr später auch bei der Skulptur „Monument“ des syrisch-deutschen Künstlers Manaf Halbouni zu, die einer Barrikade aus drei auf ihren Hecks stehenden Bussen im syrischen Aleppo nachempfunden war. Nicht nur Aufbau und Präsentation waren von lautstarken Protesten begleitet, in Diskussionsrunden war von „Schande für Dresden“ die Rede bis hin zum Vorwurf an den Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), er „spucke den Toten ins Grab“, die die Stadt bei den Bombardements im Februar 1945 zu beklagen hatte.

Das „Denkmal für den permanenten Neuanfang“ vom Hamburger Künstlerduo Heike Mutter und Ulrich Genth, das schließlich folgte, konnte das zwar nicht mehr überbieten. Nach dem Willen der Stadt soll es anregen, Geschichte zu hinterfragen. „Schande“, „Aufhören“, „hau ab“, schallte es wieder über den Platz. „Volksverräter“ bekamen wohlwollende Redner zu hören.

Laut Barometer hatten von den länger zurückliegenden „Wölfen“ 58 Prozent nichts gehört, 24 Prozent wussten davon aus den Medien, elf Prozent hatten es selbst gesehen. Beim „Monument“ ein ganz anderes Bild: nur fünf Prozent gaben an, nicht davon gehört zu haben. 43 Prozent hatten aus den Medien davon erfahren, 48 Prozent haben es ihren Angaben zu Folge selbst in Augenschein genommen.

Das aktuelle DNN-Barometer zeigt jetzt auch, was die Dresdner von Kunst am Neumarkt halten. Mehrheitlich sprechen sie sich für Präsentationen aus. Dem Satz „der Neumarkt sei kein geeigneter Ort für Kunstausstellungen“ stimmen nur 41 Prozent „voll und ganz“ oder zumindest „eher“ zu. 59 Prozent stimmen dem „überhaupt nicht“ oder „eher nicht“ zu. Dass die Kunstwerke dem Tourismus schaden könnten, bezweifeln 69 Prozent der Befragten. Und auch die Gegenprobe funktioniert: Der Aussage „der Neumarkt ist ein guter Ort, um Kunstwerke auszustellen“ stimmen 60 Prozent eher zu, 40 Prozent eher nicht.

Etwas knapper wird es schon, wenn die Dresdner gefragt werden, ob jeder das Recht haben sollte, Kunst im öffentlichen Raum auszustellen. Dem stimmen nur noch 53 Prozent voll und ganz (34 Prozent) oder eher (19 Prozent) zu. 47 Prozent tun das eher nicht (22) oder überhaupt nicht (25 Prozent).

Und so relativiert sich bei zwei weiteren Fragen die Offenheit gegenüber den Kunstpräsentationen weiter: Nach Ansicht der übergroßen Mehrheit sollte vorher geprüft werden, welche Kunstwerke auf dem Neumarkt ausgestellt werden. 70 Prozent stimmen dem „voll und ganz“, weitere 20 Prozent stimmen dem „eher“ zu. Dabei wollen die Dresdner dann auch mitreden: 65 Prozent sind dafür, dass die Bürger mitentscheiden, welche Kunstwerke auf dem Neumarkt ausgestellt werden. Das wäre dann wohl faktisch die Ausstellung vor der Ausstellung – und immer so weiter...

Von Ingolf Pleil

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