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Lokales Dresdner fühlen sich von Großvermietern abgezockt
Dresden Lokales Dresdner fühlen sich von Großvermietern abgezockt
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07:29 30.08.2018
Katrin Kroupová setzt sich als Juristin beim Mieterverein Dresden für die Rechte der Mieter ein. Quelle: Tomke Giedigkeit
Dresden

Bis zu 600 Euro für den Winterdienst – das fordert aktuell die Vonovia von ihren Mietern in den Wohnungen „An den Ruschewiesen“. Wer beispielsweise im Vorjahr noch 30 Euro für Schneeberäumung und ähnliches gezahlt hat, wird nun für den Winter 2016/2017 mit 470 Euro zur Kasse gebeten. Das ist kein Einzelfall. „Wir haben massive Probleme mit der Vonovia“, sagt Peter Bartels, Vorsitzender des Dresdner Mietervereins (MVD).

Eine bis zu 17-fache Steigerung der Winterdienstkosten betrifft auch Vonovia-Mieter in der Schillerstraße, Gartenstraße oder der Blochmannstraße. Auffällig für den Mieterverein: Die hohen Winterdienstkosten betreffen nur einige Objekte der rund 38 000 Vonovia-Wohnungen in Dresden. Die Umlage in Prohliser Mietwohnungen oder an der Schnorrstraße ist beispielsweise stabil geblieben.

Die unverhältnismäßigen Steigerungen betreffen auch andere Kosten bei der Garten- und Hauspflege. „Betriebskosten bleiben prinzipiell Geld des Mieters bis zur Prüfung der Abrechnung“, erklärt Juristin Katrin Kroupová. Der Vermieter müsse mit Erläuterungen und Belegen seine Ausgaben nachweisen und rechtfertigen. Genau das passiere bei der Vonovia aber nicht. Widersprüche gegen die erhöhten Abrechnungen liegen zum Teil seit dem vergangenem Oktober bei Deutschlands größtem Vermieter.

Das verärgert gerade viele Dresdner Mieter

Winterdienstkosten: Unter anderem in den Objekten „An den Ruschewiesen“ stiegen die Winterdienstkosten für 2016/2017 um das 17-fache. Statt, wie im Vorjahr 30 Euro, mussten Vonovia-Mieter hier nun 470 Euro zahlen. Das entspricht rund 0,40 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Auch betroffen: Wohnungen an der Schillerstraße, Gartenstraße oder Blochmannstraße mit rund 300 Euro Winterdienstkosten für eine 70-Quadratmeter-Wohnung

Mieterhöhungen: Allein 223 Vonovia-Mieter wandten sich nach der Veröffentlichung des Dresdner Mietspiegels 2017 an den Mieterbund, weil sich ihre Wohnlage verbessert haben soll, unter anderem in der Windmühlenstraße. In der folgenden Klagewelle zog die Vonovia den Kürzeren: Nur sechs Prozent der Erhöhungen wurden zugelassen

Modernisierungen: Durch Sanierungen soll die Monatsmiete von einigen Vonovia-Kunden um mehr als 100 Euro pro Monat steigen, so zum Beispiel in der Florian-Geyer-Straße, der Blasewitzer Straße oder der Hochschulstraße.

Energetische Sanierungen: Nach Defekten an Heizung und Warmwasser würden nach Aussage des Mieterbundes bei der Vonovia häufig „Modernisierungsarbeiten“ folgen, die auf die Mieter umgelegt werden. Allerdings handelt es sich bei der Behebung von Defekten um Instandsetzungsmaßnahmen, die der Vermieter tragen muss.

Mahnungen machen vielen Angst

Gleichzeitig flattern den Mietern Mahnungen zur Zahlung der Betriebs- und Winterdienstkosten ins Haus. Die gleichen Erfahrungen macht der MVD momentan mit dem Vermieter „Deutsche Wohnen“. Auch hier werden Rechnungen unvollständig vorgelegt oder die Einsicht in Verträge verweigert. „Als nächster Schritt bleibt für den Mieter nur der Schritt vor Gericht“, berichtet Kroupová. „Doch den Scheuen viele“.

Dahinter vermutet Kropová Kalkül. „Die Mieter zahlen einfach“, sagt sie, besonders wenn es um geringe Summen gehe. Dazu gehören nach Berichten des MVD auch Vorauszahlungsforderungen in unangemessener Höhe, etwa 20 Prozent Sicherungszuschlag bei den Heizkosten.

„Die Mieter haben das Recht bis zur Belegeinsicht nicht zu zahlen“, erklärt die Juristin. Das dies so lange dauert, begründet die Vonovia mit komplexen Sachverhalten. Innerhalb des Unternehmens gab es Umstrukturierungen, zudem „sind wir auch in vielen Fällen auf die Auskunft unserer Dienstleister angewiesen“, erklärt Vonovia-Sprecherin Bettina Benner.

Unzulässige Mieterhöhungen vor Gericht gekippt

Nicht nur die Nebenkostenabrechnungen sorgen aktuell für Ärger bei Dresdner Vonovia-Mietern, auch Mieterhöhungen auf Grund des neuen Mietspiegels von 2017. Von Mitgliedern hat der MVD 223 Fälle geprüft, in denen die Vonovia ohne weitere Ausführungen wegen einer angeblichen guten Wohnlage mehr Geld haben wollte. Zum Beispiel in der Windmühlenstraße, wo der Mieter plötzlich 30 Euro mehr pro Monat zahlen sollte.

„Nur in lediglich 47 Fällen legte die Vonovia die korrekte durch die Wohnlagenkarte ermittelte Wohnlage zu Grunde“, berichtet Kroupová. Weil die Wohnlagenkarte nicht straßenscharf trennt, sei es vertretbar, dass die Vonovia zu einer anderen Einschätzung gelange, erklärt Benner. „Genau aus diesem Grund haben wir mit dafür entschieden, diese Wohnlagekarte elektronisch straßenscharf im künftigen Mietspiegel auszuweisen“.

Zustimmung beeinflusst Mietspiegel von morgen

„Problematisch ist, dass durch die Zustimmung der Mieter zu Mieterhöhungen auch der nächste Mietspiegel steigen wird“, sagt Bartels. Deswegen sei es wichtig, Mieterhöhungen prüfen zu lassen. Und die Mieterhöhungen betreffen indirekt alle Steuerzahler. Denn auch die Mieten von Menschen mit Wohnberechtigungsschein steigen „Dann wird Steuergeld unberechtigt ausgegeben“, erklärt der MVD-Vorsitzende. Und er fürchtet durch Mieterhöhungen Einfluss auf das Dresdner Wirtschaftsklima: Wenn in den 350 000 Mietwohnungen der Landeshauptstadt die Miete auch nur um zehn Euro erhöht würde, fehlten rund 3,5 Millionen Euro Kaufkraft.

Das können Mieter tun

Die genaue Betriebskostenabrechnung mit Belegen und Erläuterungen zur Einsicht anfordern – und wenn nötig innerhalb von zwölf Monaten Widerspruch einlegen, das gilt auch für andere Kosten, wie Winterdienst

Während der Wintermonate überprüfen, welche Art von Diensten geleistet wurde

Wenn Widerspruch eingelegt wurde, nicht von Mahnungen irritieren lassen

Im Mietvertrag genau nachsehen, welche Betriebskosten dort überhaupt als umlagefähig ausgewiesen sind

Instandhaltungskosten, wie Reparaturarbeiten an Fenstern oder Dachrinne dürfen nicht umgelegt werden und sind vom Vermieter zu zahlen

Im Zweifel eine Beratung mit der Verbraucherzentrale vereinbaren

Auch wenn Wohnen immer anonymer wird gilt, bei Unklarheiten hilft oft der Austausch mit Nachbarn

Heizungsreparatur oder Modernisierung?

Streitigkeiten zwischen Großvermietern wie die „Deutsche Wohnen“ und „Vonovia“ gibt es auch beim Thema Modernisierung. „Auffällig ist, dass häufig der Modernisierungsankündigung eine Phase von Defekten und Ausfällen der Heizungs- und Warmwasseranlage vorausgingen“, sagt der MVD. Allerdings geben die Vermieter, wie bei einem Objekt der Vonovia in Dresden, die Investitionen für eine neue Heizungsanlage zum Großteil als umlagefähige Modernisierung aus – statt als Instandsetzung einer defekten Heizung. Denn diese Kosten müsste der Vermieter komplett tragen. Bei 60 000 Euro für eine neue Heizung kam so für den Dresdner Mieter einer 72-Quadratmeter-Wohnung eine monatliche Mietsteigerung von 75 Euro zu.

Aktuell darf der Vermieter elf Prozent der Investitionskosten von Modernisierungskosten auf die Miete umlegen. „Bei den aktuellen Niedrigzinsen führt das zu einem Modernisierungsboom“, sagt Bartels. Auch der Bund hat das Problem erkannt und will die Umlage auf einen geringeren Prozentsatz drosseln.

Von Tomke Giedigkeit

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