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Dresdner feiern Reformationsjubiläum auf dem Neumarkt

Mit Festpredigt eines Katholiken Dresdner feiern Reformationsjubiläum auf dem Neumarkt

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, zitierte Dienstagvormittag Dompfarrer Norbert Büchner den Reformator mit einem Augenzwinkern, weil er als Katholik ausgerechnet für die Festpredigt zur Reformationsjubiläum in die evangelischen Kreuzkirche eingeladen war.

Der katholische Pfarrer Norbert Büchner predigte beim ökumenischen Festgottesdienst zum Reformationstag.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. „Mitfeiern! Die Reformation wird 500“ war das Motto der Jubiläumsfeierlichkeiten am Dienstag auf der Bühne direkt an den Mauern der Frauenkirche auf dem Neumarkt. Die evangelische Kirche hatte eingeladen, 15 Uhr war der Platz voller Menschen. Beate Damm, Schulpfarrerin am Dresdner Kreuzgymnasium, interviewte das Martin-Luther-Denkmal. Die Luther-Statue, mit eindrucksvollen Kamerafahrten auf die große Leinwand neben der Bühne projiziert, sprach an diesem Nachmittag mit hörbarer Stimme über die Lautsprecher. Als Antworten erhielt die Schulpfarrerin original Martin- Luther-O-Ton in Form seiner Zitate.

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, hatte bereits am Vormittag Dompfarrer Norbert Büchner den Reformator mit einem Augenzwinkern zitiert, weil ausgerechnet er als Katholik für die Festpredigt zum Reformationsjubiläum in die evangelischen Kreuzkirche eingeladen war. Daher fügte er gleich noch hinzu: „Gott helfe mir!“ und erntete herzliche Lacher. Die Ökumene sei gut vorangekommen, so Büchner weiter, denn noch vor 20 Jahren wäre dies kaum möglich gewesen.

Besucher auf dem Neumarkt verfolgen das Geschehen auf der Bühne

Besucher auf dem Neumarkt verfolgen das Geschehen auf der Bühne.

Quelle: Dietrich Flechtner

Die Kirche war mit mehr als 600 Besuchern plus Kruzianer plus noch einmal über 100 Kinder im Kindergottesdienst gut besucht. „Ein feste Burg – Eine offene Tür“ war Thema des Gottesdienstes, daher zierte eine Tür auch das Zentrum des Kirchenraums. Das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“, Luthers bekanntester Choral und an diesem Tag einfach nicht wegzudenken, spielte in allen Veranstaltungen eine zentrale Rolle.

Nachdem es auch in der Frauenkirche am Vormittag bereits einen Festgottesdienst gab, setzten die Mitarbeiter am Nachmittag mit Kurz-Programmen, die alle 30 Minuten begannen, ihre Feierlichkeiten fort. Dieses Angebot wurde rege wahrgenommen.

Moderator Stephan Bischof, Superintendent Christian Behr, Obermeister Rico Uhlig und Superintendent Albrecht Nollau (vl) sehen zu, wie Oberbürge

Moderator Stephan Bischof, Superintendent Christian Behr, Obermeister Rico Uhlig und Superintendent Albrecht Nollau (v.l.) sehen zu, wie Oberbürgermeister Dirk Hilbert ein großes Reformationsbrot anschneidet.

Quelle: Dietrich Flechtner

Draußen auf der Bühne begrüßte Moderator Stephan Bischof vom MDR den Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Dieser beklagte, dass es in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft an Gemeinsinn und Gemeinschaft fehle. Dann schnitt Hilbert ein Reformationsbrot etwas größeren Formats an, das die Innungsbetriebe des Bäcker- und Konditorenhandwerks brachten. Das 130 cm große Riesenreformationsbrot jedoch, das von den zünftig gekleideten die Bäckern in einer geschmückten Kutsche gebracht wurde, war nicht zum Essen gedacht, da es aus Pappmaché bestand.

Bäckermeister Andreas Wippler verkauft Reformationsbrötchen

Bäckermeister Andreas Wippler verkauft Reformationsbrötchen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Die 1000 Brötchen aber, die Meister Thomas Heller und Kollegen gebacken hatten, verkauften die Bäcker innerhalb weniger Minuten restlos für einen guten Zweck des Gustav-Adolf-Werks Sachsen e. V.. Mit dem Spendenerlös baut eine kleine griechisch-evangelische Kirche in Serres im Nordosten Griechenlands eine Küche für die Essensausgabe an Flüchtlinge, denen sie seit 2015 hilft. Die Kirche selbst entstand nach dem griechisch-türkischen Krieg durch Umsiedlung griechischer Flüchtlinge aus der heutigen Türkei.

Schon in der Nacht zum 31. Oktober hatten sich Jugendliche aus Berlin und Brandenburg in 25 Teams auf den Weg gemacht, um 15 neue Thesen an etwa 300 Kirchentüren der landeskirchlichen Gemeinden anzubringen. Die Aktion geht auf eine Wette der Evangelischen Jugend zurück. Die Thesen klangen etwas anders als zu Luthers Zeiten und lassen sich wie folgt zusammenfassen: „Raum zum Zweifeln schaffen, aber auch Raum, um öffentlich über Gott zu reden. Sucht nach zeitgemäßen Gottesdienstformen und Austauschmöglichkeiten. Glaube darf auch Spaß machen. Die Kirche braucht eine neue Vision.“

Auf dem Neumarkt waren zudem fünf Themenzelte u.a. von der Studentengemeinde, der Diakonie-Stadtmission Dresden und der Krankenhausseelsorge aufgebaut, in denen man sich über christliche Hilfe informieren konnte. Paare des Tanzkreises 1-2-3Tanzstunden aus der Neustadt luden des Weiteren die Passanten ein, bei Schreittänzen der Reformationszeit mitzumachen. Es gab zunächst Gelächter und Durcheinander. Aber schon bald war „linkes Bein, rechtes Bein, zur Mitte gehen“ verstanden und viele machten vergnügt mit.

Gospelchor auf dem Neumarkt

Gospelchor auf dem Neumarkt.

Quelle: Dietrich Flechtner

Neben Bläsermusik gab es Gesang von gleich drei Gospelchören und Musik einer Projektband, die sich nur für diesen Tag zusammengefunden hatten. Sie sorgten mit Songs wie „This Little Light of Mine“ und „O Happy Day“ für gute Stimmung auf dem Neumarkt. Profi-Erzähler Jan Deicke erzählte wahre und erfundene Geschichten über Martin Luther und seine Zeit.

„Die Reformation geht weiter, was willst du als nächstes verändern?“ wurden die Besucher gefragt. Sie sollten ihre Antworten auf blaue Karten schreiben und öffentlich aufhängen. Neben dem üblichen Sammelsurium politischer Äußerungen gab es hier auch zu lesen: „Zurück zur Bibel ist immer noch Thema, wie es Luther ja auch schon wollte“, „Gott an die erste Stelle stellen, wie es im Glaubensbekenntnis steht“ und „Ich bin froh, dass Luther die Bibel nicht ins Englische übersetzt hat, sondern in Deutsche.“

Von Claudia Atts

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