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Dresdner auf Lebenszeit: Eine Zeitschrift als Brücke zur „alten Heimat“

Dresdner Monats-Blätter Dresdner auf Lebenszeit: Eine Zeitschrift als Brücke zur „alten Heimat“

Es ist ein Stück deutsch-deutscher Geschichte, mit der wir es hier zu tun haben: die „Dresdner Monats-Blätter“, eine „Zeitschrift der Dresdner Heimatfreunde in Westdeutschland“. Der Verlag Klaus Edgar Herfurth in Frankfurt/Main machte mit dieser Publikation den Eisernen Vorhang löchrig.

DNN-Leser Manfred Schindler stellte uns freundlicherweise die Ausgabe März des 18. Jahrgangs zur Verfügung. Sie erschien 1967.
 

Quelle: Manfred Schindler

Dresden.  Mit der Abbildung einer Elfenbeinfigur „Der Frühling“ von Balthasar Permoser wünscht die Redaktion des Heftchens ihrer Leserschaft frohe Ostern. Gleich anschließend im ersten Artikel, der die Geschichte des Minckwitzschen Weinberghauses in Kötzschenbroda erzählt, wird – hübsches Bonmot inmitten des derzeitigen Reformationsgedenkens – Martin Luther als Weinliebhaber erwähnt, der den hiesigen Rebensaft von „Kutschebroy“ gerühmt habe. Es ist ein Stück deutsch-deutscher Geschichte, mit der wir es hier zu tun haben: die „Dresdner Monats-Blätter“, eine „Zeitschrift der Dresdner Heimatfreunde in Westdeutschland“.

Vergilbt und leicht brüchig ruft das bescheidene Druckwerk im Oktavheft-Format Erinnerungen wach. DNN-Leser Manfred Schindler stellte uns freundlicherweise die Ausgabe März des 18. Jahrgangs zur Verfügung. Sie erschien 1967 und ist somit genau 50 Jahre alt. Der Verlag Klaus Edgar Herfurth in Frankfurt/Main machte mit dieser Publikation den Eisernen Vorhang löchrig, bediente ehemalige Dresdner mit für sie Wissenswertem und schuf eine Plattform für Vernetzungen.

So führt die vorliegende Ausgabe eine Textserie über die Handwerkskunst des Zinngießens (einschließlich der Abbildung bekannter Stadtmarken) fort und veröffentlicht neben Leserzuschriften auch einige wenige Meldungen aus jener Zeit: Das Kupferstichkabinett zeigt eine Ausstellung neu erforschter Zeichnungen, es werden 660 neue Wohnungen in der Stadt angekündigt, für das Musical „My Fair Lady“ liegen nach über einem Jahr Laufzeit noch immer 30000 Vorbestellungen vor, der damalige Sarrasani-Direktor Fritz Mey will mit dem Zirkus in Dresden gastieren.

Nicht zuletzt bringen die „Monats-Blätter“ Personalia wie Geburtstags- und Todesanzeigen, jeweils mit ehemaliger und neuer Adresse oder Termine für Treffen der Heimatfreunde im Westen. Viel ist von der „alten Heimat“ die Rede, die einen Ur-Dresdner (bis heute) nicht loslässt. Der politischen Situation geschuldet, lag Dresden damals natürlich in der Sowjetzone und man besuchte die Stadt, sofern das möglich war, mit Neugier. „Ich war in Dresden“ heißt ein mit H. F. unterschriebener Bericht. Hier einige kurze Auszüge:

„Durch die Bahnhofshalle steuerten wir hinaus zum Taxihalteplatz. Wir bemerkten bescheidene Versuche, den Wiener Platz zu erleuchten und zu beleben. Die Prager Straße, Dresdens einstmals elegante Geschäftsstraße, lag im Dunkeln. ...der Autoverkehr ist außerhalb des Stadtzentrums gering, man sieht Kraftfahrzeuge alter Bauart, die bei uns im Westen Deutschlands längst auf dem Schrottplatz gelandet wären… Die Ost-West-Achse quer durch Dresden bildet die neu erstandene frühere König-Johann-Straße, jetzt Thälmannstraße. Die Leute sprechen mit Witz und Stolz vom heutigen ,Boulevard de Thälmann‘. Sie haben Recht, diese neue und breitangelegte Straße im Zentrum trägt irgendwie beinahe weltstädtischen Charakter. Schön ist der Blick am Ende nach dem Pirnaischen Platz zu, wo ein großes Büro- und Wohnhaus den Abschluß bildet.“

DNN-Leser Manfred Schindler stellte uns freundlicherweise die Ausgabe März des 18. Jahrgangs zur Verfügung. Sie erschien 1967.

DNN-Leser Manfred Schindler stellte uns freundlicherweise die Ausgabe März des 18. Jahrgangs zur Verfügung. Sie erschien 1967.

Quelle: privat

Hiergebliebene können vergleichen, ob sie die gleichen Erinnerungen haben. Gelobt werden in dem Text auch Gaststätten wie das „Szeged“ und mit begeisternden Worten ein Besuch der Christmette in der Kreuzkirche. Auch das soll nicht unerwähnt bleiben: „Das Dresdner Opernhaus“, heißt es an anderer Stelle, „die Semper Oper, ist noch nicht wieder aufgebaut. Der Wiederaufbau bis zum Jahre 1970 ist aber in der Aufbauplanung als vordringlich bezeichnet.“ Das war im Jahre 1967 eine kühne und etwas vorschnelle Prognose. Bis zur Grundsteinlegung vergingen seinerzeit weitere zehn Jahre und die Eröffnung erfolgte erst 1985.

Das erste dieser Monatsblätter in der Bundesrepublik Deutschland erschien 1950 zunächst als Rundbrief und war eine Zeitschrift des so genannten „Heimatwerk Dresden“. Später übernahm die Reihe der „Dresdner Monats-Blätter“ der Verlag Karl Kaffei in Oberlahnstein (Rhein) und von diesem ab 1966 der genannte Verlag Klaus Edgar Herfurth. Hier erschien das Heft bis 1990 und endete mit dem 37. Jahrgang, zuletzt übrigens mit dem etwas weiter gefassten Untertitel „Zeitschrift der Freunde Dresdens“. Der Ursprung des Titels aber reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Schon im Januar 1869 wurden „Dresdner Monats-Blätter“ aus der Taufe gehoben und zwar als eine pädagogische Zeitschrift für Gebildete aller Stände.

Der gebürtige Leipziger Klaus Edgar Herfurth (1917 – 2000) lernte in München Buchhändler, bildete sich in einem Zeitungsverlag weiter und war von 1947 bis 1952 Verlagsleiter und Geschäftsführer in Saarbrücken bevor er nach Frankfurt/Main ging. Der Sohn des bekannten Zeitungsverlegers Julius Edgar Herfurth (1865 – 1950) gab zwischen 1954 und 1974 in Frankfurt auch die „Heimatzeitung für Mitteldeutschland“ heraus, eine Neuauflage der populären „Leipziger Neuesten Nachrichten“ seines Vaters. Das Blatt entwickelte sich um 1900 zur führenden Zeitung in Leipzig und Mitteldeutschland. Der Senior Julius Edgar Herfurth hat sich auch mit neuen Produktionsmethoden in seiner Druckerei und der Förderung des Journalismus einen Namen gemacht.

Sein Sohn hielt nicht nur mit den „Dresdner Monats-Blättern“ den Kontakt zum anderen Teil Deutschlands. Er war auch Vorsitzender der Leipziger Landsmannschaft in der BRD, Vorstandsmitglied des Verbandes der Mittel- und Ostdeutschen Zeitungsverleger und des Kuratoriums Unteilbares Deutschland.

Von Genia Bleier

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