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Lokales Dresdner Zellkultur-Minifabriken sollen Weg zu innovative Therapien ebnen
Dresden Lokales Dresdner Zellkultur-Minifabriken sollen Weg zu innovative Therapien ebnen
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14:59 11.03.2018
Dr. Alvin Thomas von Denovomatrix stellt Biomaterialien im Labor her. Quelle: Magdalena Gonciarz
Dresden

Biotechnologen aus Dresden haben Mini-Versuchsfabriken für Zellkulturen entwickelt. Diese Kulturen sind wichtig, um neuartige Zelltherapien zum Beispiel gegen Krebs, Leberzirrhose oder Herzschwäche entwickeln zu können. Die ersten dieser „screenMatrix“ genannten Entwicklungsplattformen bringt die Vermarktungstochter der TU Dresden, die Tudag, auf den Markt. Die vier Forscher und Gründer wollen dann im Sommer die Firma „Denovomatrix“ gründen. Die soll die Zell-Fabriken weiterentwickeln und gemeinsam mit Laborausrüstern international vermarkten. „Wir wollen in einer Schale die Biologie des Menschen nachstellen“, erklärte „Denovomatrix“-Mitgründerin Nadine Schmieder-Galfe.

Die Nachfrage könnte groß sein. Denn weltweit versprechen sich Mediziner und Biotechnologen von Stammzelltherapien und anderen neuen zellbasierten Heilungsmethoden große Fortschritte im Kampf gegen Krebs und andere Krankheiten. „Recht bekannt sind schon die Therapien mit Zellen des Rückenmarks, die gegen Leukämie eingesetzt werden“, sagte die 34-jährige Schmieder-Galfe. „Aber in den nächsten Jahren werden noch viele andere Zelltherapien auf den Markt kommen.“

Was die Entwickler dafür brauchen, sind gute Experimentier-Umgebungen. Umgebungen, in denen zum Beispiel Leber- oder Herzzellen gut wachsen können oder in denen sie Stammzellen vor dem Versuch an Tier und Mensch zuverlässig testen können. Petrischalen aus Kunststoff oder Glas sind dafür wenig geeignet, weil sie sich mechanisch-physikalisch und biochemisch anders verhalten als die Umgebung der Zellen in einem lebenden Organismus.

Im Biotech-Zentrum „B-Cube“ der TU Dresden arbeiteten in den vergangenen Jahren zahlreiche Forscher daran, dieses Problem zu lösen. Der Forscher und „Denovomatrix“-Ideengeber Dr. Robert Wieduwild kam schließlich auf den richtigen Dreh: In einem bestimmten Biomaterial fühlen sich Versuchszellen ähnlich wohl wie in einem natürlichen Organismus. Dieses Material aus Kohlenhydraten und sogenannten „biometischen Peptiden“ (kurze, wandlungsfähige Proteine) simuliert die Zuckermoleküle, Proteine und Signalmoleküle, von denen biologische Zellen in natura ständig umgeben sind.

Um diesen Effekt für Labore im industriellen Maßstab nutzbar zu machen, tragen die „Denovomatrix“-Ingenieure eine wenige Mikrometer dünne Schicht aus diesen Stoffen auf Trägerplatten auf. Jede Platte enthält 96 kleine Löcher. Und jedes Loch bekommt eine leicht veränderte Mischung des Biomaterials ab. Dadurch vermag solch ein Träger in kürzester Zeit verschiedene biologische Umgebungen durchzutesten. Dadurch können etwa Zelltherapie-Forscher schnell erproben, in welcher synthetisch erzeugen Umgebung Leber- oder Herzzellen am Besten gedeihen. „Das ist eine Technologie, die kein anderer hat“, ist sich der 29-jährige Biotechnologe Dejan Husman vom „Denovomatrix“-Gründerteam sicher.

Und die jungen Forscher denken auch schon daran, den Effekt umzudrehen, um weitere Märkte für ihre Zell-Träger zu erschließen. „Wenn unsere Matrix Umgebungen simulieren kann, in denen Zellen besonders gut wachsen, können sie umgedreht auch zeigen, wo Bakterien besonders schlecht anhaften. Und das könnte sehr interessant beispielsweise für Zahnimplantat-Hersteller sein“, meint Schmieder-Galfe.

Biotech ist allerdings keine Billigtechnologie und daher werden die Gründer bald mehr Geld brauchen. Sie verhandeln derzeit mit Investoren, die Risikokapital bereitstellen wollen. Im Sommer wollen sie ihr Unternehmen „Denovomatrix“ dann offiziell gründen und ins städtische Biotechnologie-Gründerzentrum „BioZ“ am Tatzberg einziehen – dort werden durch den Auszug der Organikelektronik-Schmiede Novaled in diesem Jahr viele Labore frei. „Unser Plan ist, unsere Matrix-Produkte zusammen mit Partnern rasch auch international zu vermarkten“, betont Schmieder-Galfe.

Mehr Infos im Netz: denovomatrix.com

Von Heiko Weckbrodt

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