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Lokales Dresdner Wohnprojekt „Alt werden in Gemeinschaft“ wird 20 Jahre alt
Dresden Lokales Dresdner Wohnprojekt „Alt werden in Gemeinschaft“ wird 20 Jahre alt
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12:17 09.08.2016
Barrierefreiheit in der Wohnung ist für viele Senioren unerlässlich. Noch wichtiger aber ist, ein Konzept gegen die Einsamkeit zu haben. Gemeinschaftswohnprojekte wie AWIG können helfen.  Quelle: Gutjahr
Dresden

 Wie wollen wir leben? Diese Frage beantworten immer mehr Menschen auch in Dresden mit: Gemeinsam statt einsam. Wohnen in Gemeinschaft boomt, es gibt viele Alternative zum trauten Heim.

Eine heißt „Alt werden in Gemeinschaft“ (AWIG). Der Verein wurde vor 20 Jahren gegründet und feiert das Jubiläum am 10. August im Ortsamt Altstadt (Theaterstraße 11, ab 15.30 Uhr). Öffentlichkeit, so Vereinsvorstand Ulrich Zell (59), ist ausdrücklich erwünscht, denn AWIG sucht Mitstreiter.

Der Verein mit seinen um die 70 Mitgliedern betreut sechs Wohnprojekte in Dresden und Coswig, in denen jede Partei ihre separate, möglichst barrierefreie Wohnung mit eigenem Mietvertrag hat, aber anteilig noch Gemeinschaftsräume mitfinanziert. „Darüber hat der Verein mit interessierten Hauseigentümern verhandelt, wir selber vermieten in der Regel nicht“, erklärt Zell. Und schränkt ein: Das Haus für das Projekt in Trachenberge habe er gemeinsam mit einem Architekten vor etwa 13 Jahren erworben und so umgebaut, dass es für die Vereinsidee taugt. Motto: „Alles kann, nichts muss“. Wer sich in sein Reich zurückziehen will, kann das tun, wer Kontakt sucht, findet rasch welchen.

In Dresden leben fast 549 000 Menschen. Ende 2015 waren fast 120 000 von ihnen 65 und älter. Mehr als 21  100 lebten in Heimen. Doch immer mehr Menschen wählen diese lange vom Staat bevorzugte Verwahrung für sich ab. Sie wollen in ihrer Umgebung alt werden, so lange wie möglich zu Hause leben.

Das ist nicht nur verständlich, sondern sogar preiswerter, wie der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) vorrechnet: Die Sozialsysteme können um jährlich etwa drei Milliarden Euro entlastet werden, schätzen die Fachleute, wenn allein bei 15 Prozent der Menschen, die pflegebedürftig werden, durch den altersgerechten Umbau der Wohnungen der Umzug in ein Heim vermieden werden kann.

AWIG – Alt werden in Gemeinschaft – bietet Hilfe für Menschen an, die zu Hause alt werden wollen. Und finanziert von der Stadt gibt es dort auch Beratung.

Zell ist studierter Psychologe und war viele Jahre lang Berater im Gesundheits- und Sozialbereich, sagt er. Er habe sich intensiv mit der Struktur von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern beschäftigt und seitdem darüber nachgedacht, wie er im Alter leben will. Damals sei er auf AWIG gestoßen, wurde Mitglied und erst 2012, als es um die Neuausrichtung des Vereins ging, dessen Vorstand.

2012 war eine Zäsur für den Verein, berichtet Zell, denn die Mitgliederzahl war im Sinkflug begriffen, weil die Finanzkrise neue Wohnprojekte am Markt quasi unmöglich geworden. Alle wollten kaufen und Geld retten, der soziale Gedanke fiel hinten runter. „Wir mussten umdenken.“ Heraus kam die weniger exotische, aber sinnvolle Idee, sich um all jene zu kümmern, die in ihren eigenen vier Wänden alt werden möchten. Zugegeben, so Zell, ein Markt, den viele besetzen, aber der Verein habe eben den Charme, dass man durch einen frühzeitigen Eintritt und aktive Mithilfe quasi ein Anrecht auf den späteren Einzug in eines der Gemeinschaftsprojekte erwirbt.

Heute bietet AWIG sogenannte niederschwellige haushaltsnahe Dienstleistungen an wie Einkaufen, Botengänge oder Begleitung bei Arztbesuchen und Behördengängen. Nach wie vor baut AWIG darauf, auch jüngere von einer Mitgliedschaft zu überzeugen, um der Idee von der generationsübergreifenden Hilfe Raum zu geben. Doch die Jüngeren tun sich schwer. Wer heute für den gemeinnützigen Verein unterwegs ist, rechnet in der Regel die steuerfreie Aufwandsentschädigung von 8,50 Euro je Stunde ab – davon gehen 1,50 Euro in die Vereinskasse. Der Vorteil dieser Art von Hilfe: „Wenn Mitglieder etwas für Mitglieder tun, sind sie komplett über die Berufsgenossenschaft versichert“, erklärt Ulrich Zell.

Dass mit diesen Einnahmen keine großen Sprünge zu machen sind, liegt auf der Hand. Dennoch ist der Verein in Dresden recht bekannt. Die Stadt hat ihn quasi zum Berater für alle Fragen rund ums Wohnen im Alter auserkoren, finanziert dafür auch einen Minijob (450 Euro) im Büro in der Ehrlichstraße 3 .

Von Barbara Stock

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