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Lokales Dresdner Verwaltung zieht in Container
Dresden Lokales Dresdner Verwaltung zieht in Container
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18:37 04.12.2017
Auf dem Ferdinandplatz soll ein Neubau entstehen.   Quelle: Holz, Sabrina
Dresden

Das Neue Rathaus am Dr.-Külz-Ring wird später als geplant saniert, ein Teil der Stadtverwaltung muss in Container ziehen. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) legte am Montag sein Konzept für die Unterbringung der Stadtverwaltung vor, das auf drei Säulen steht: Neubau am Ferdinandplatz, Anbau an das Ortsamt Altstadt in der Theaterstraße und Sanierung des Neuen Rathauses. Bis 2028 soll alles fertig sein, auch wenn der Baubürgermeister seine Ideen „Zukunftskonzept 2030“ nennt.

Welche Umstände zwingen die Stadt zum Handeln?

Das Neue Rathaus wird immer baufälliger. Für die Sanierung müssen 650 Mitarbeiter neue Büros beziehen. Der Eigentümer wil das Bürogebäude an der Grunaer Straße/St. Petersburger Straße abreißen, weitere 650 Verwaltungsmitarbeiter brauchen ab Mitte 2019 neue Büros. Außerdem ist die Verwaltung über unzählige Standorte im gesamten Stadtgebiet verteilt. Teilweise sitzen die Abteilungen einzelner Ämter kilometerweit voneinander entfernt.

Warum will die Stadt selbst bauen, statt geeignete Objekte zu mieten?

Die Zinsen sind niedrig, jetzt lohnt es sich, Eigentum zu errichten. „Wir finden außerdem keine geeigneten zusammenhängenden Flächen“, erklärt Schmidt-Lamontain. Zwar stehen 218 000 Quadratmeter Bürofläche in Dresden leer. Aber 50 000 davon sind schon länger als fünf Jahre unvermietet, also schwer vermittelbar. Weitere 90 000 Quadratmeter betreffen kleinere Flächen, so dass nur 78 000 Quadratmeter für die Belange der Verwaltung in Frage kommen. Der Mangel wirkt auf den Preis. „Für neue Objekte, die wir anmieten, müssen wir anderthalb bis doppelt soviel zahlen wie für Flächen, die wir vor längerer Zeit angemietet haben“, so der Baubürgermeister.

Warum soll die Sanierung des Neuen Rathauses verschoben werden?

Eigentlich sollte es 2019 losgehen, aber dann müsste die Stadt für 1300 Beschäftigte neue Büros finden. Das ist nicht zu schaffen, meinte Heike Lutoschka, Abteilungsleiterin Bau- und Investitionsstrategie im Amt für Hochbau und Immobilienverwaltung. Deshalb soll erst ab 2024 umfassend an der Altbausubstanz gearbeitet werden.

Darf das Neue Rathaus mit seinen gravierenden baulichen Mängeln überhaupt noch genutzt werden?

Schmidt-Lamontain lässt gerade einen Bauantrag zur Verlängerung der Nutzungsgenehmigung erarbeiten. Ämter mit hoher Besucherfrequenz wie das Jugendamt oder der Eigenbetrieb Kindertagesstätten sollen ausziehen, weil Besucher im Brandfall zum unkalkulierbaren Faktor werden, während die Beschäftigen wissen, wohin sie laufen müssen. Zudem wird der Brandschutz verbessert, die Natursteinfassade und technische Anlagen sollen vor der Komplexsanierung erneuert werden.

Was soll am Ferdinandplatz entstehen?

Ein Verwaltungszentrum für 1600 Beschäftigte. Vor allem Ämter mit viel Publikumsverkehr sollen hier untergebracht werden, so Schmidt-Lamontain. Der Neubau biete die Chance, die einzelnen Gebäude bürgerfreundlich und offen zu konzipieren. Bei der Gestaltung will der Baubürgermeister die Bürger beteiligen. 2018 soll die Planungsphase beginnen, 2021 der eigentliche Bau. 2024 ist die Fertigstellung geplant, dann könnten die Mitarbeiter aus dem Neuen Rathaus in das neue Verwaltungszentrum ziehen. Vor Baubeginn sind noch viele Details zu klären. So gehören der Stadt nicht alle Grundstücke am Ferdinandplatz.

Was plant die Stadt mit dem Ortsamt Altstadt?

Dort soll bis 2023 eine Art Ordnungsrathaus mit Ausländerbehörde, Zentralem Bürgerbüro und Ordnungsamt entstehen. Der Altbau wird saniert, außerdem ist ein Neubau am Malergäßchen als Lückenschluss zum im Bau befindlichen Wohngebäude „Haus am Schauspielgarten“ geplant. Das Ordnungsrathaus könnte 400 bis 450 Mitarbeiter aufnehmen.

Was kosten die Pläne?

Schmidt-Lamontain rechnet mit 162 Millionen Euro für das neue Verwaltungszentrum, 12 Millionen Euro für den Anbau an das Ortsamt Altstadt und 97 Millionen Euro für die Sanierung des Neuen Rathauses. In den 97 Millionen sind bereits die Arbeiten eingepreist, die vor der Komplexsanierung ausgeführt werden.

Was passiert mit der Sozial- und der Kulturverwaltung?

Die Sozialverwaltung bleibt in der Junghansstraße, das Sozialamt soll mit 100 Mitarbeitern aber in ein angemietetes Objekt in einem anderen Stadtteil ziehen, so Lutoschka. Die Kulturverwaltung verbleibt im Kulturrathaus auf der Königstraße. Dort wird in Bälde ein zweiter Rettungsweg errichtet, kündigte der Baubürgermeister an.

Und wo kommen die 650 Mitarbeiter aus dem ehemaligen Robotrongebäude an der St. Petersburger Straße ab Mitte 2019 unter?

Das Straßen- und Tiefbauamt soll in mobile Raumeinheiten in der Gasanstaltstraße ziehen. Das Umweltamt und das Amt für Abfallbeseitigung und Stadtgrün ziehen ebenfalls in Container auf ein Grundstück auf der Cockerwiese.

Was sagt die Kommunalpolitik zu dem Konzept?

Der Stadtrat muss die Pläne beschließen. Die SPD wies darauf hin, dass Verwaltungsbürgermeister Peter Lames (SPD) schon 2015 erklärt hat, ein neues Rathaus bauen zu wollen. „Wir freuen uns sehr, dass dieser Vorstoß offenbar Erfolg hatte. Der Rathausneubau wird die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten spürbar verbessern“, erklärte Stadtratsfraktionsvorsitzender Christian Avenarius.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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