Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Dresdner Unternehmen bei der Schadensaufnahme: "Noch ist alles chaotisch"
Dresden Lokales Dresdner Unternehmen bei der Schadensaufnahme: "Noch ist alles chaotisch"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:09 09.09.2015
Wochenlange Pflege hat die Elbe bei der Gärtnerei Berthold in Dresden-Gohlis innerhalb weniger Stunden vernichtet. 60000 Topfpflanzen muss Gartenbau-Chef Jens Berthold auf den Müll werfen. Quelle: Marion Doering

Und so wird auch der Rest aussehen, wenn der See, der sich auf den Anbauflächen gebildet hat, in ein oder zwei Monaten versickert ist. Ein halber Hektar mit Freilandpflanzen ist eine Woche vor dem Verkauf vom Hochwasser zerstört worden. 26 000 Töpfe mit Rittersporn, Mädchenauge, Schleierkraut und anderen Sommerpflanzen wurden vernichtet. Auch die neun Folienzelte und alle Gewächshäuser wurden überflutet. "Ich habe insgesamt 60 000 Töpfe verloren", sagt Berthold.

Es war weder Zeit noch gab es geeigneten Raum, um die Pflanzen in Sicherheit zu bringen. "Wir konnten einige junge Chrysanthemen retten, die müssten jetzt getopft werden", so Berthold. Doch das nötige Freiland steht noch unter Wasser. "Ich weiß noch nicht, was wir machen", sagt der 44-Jährige und hebt die Schultern, "aber wenn wir die Chrysanthemen nicht topfen können, dann haben wir dieses Jahr nichts mehr." Für seine sieben Mitarbeiter hat Berthold Kurzarbeitergeld beim Arbeitsamt beantragt. Den Hochwasser-Schaden schätzt er auf maximal 100 000 Euro, je nachdem, wie viel von der Bewässerungsanlage übrig ist. "Wir haben eine spezielle landwirtschaftliche Versicherung für Freikulturen und technische Anlagen", so der Chef. Inwieweit diese für kaputte Folienzelte, Matten und Bewässerungsschläuche aufkommt, sei fraglich. Aber es geht weiter, auch dank der vielen Anwohner, die in den letzten Tagen geholfen haben. Ab heute öffnet wieder der Blumenladen der Gärtnerei.

Auch in Laubegast berappeln sich die Firmen und Gewerbetreibenden wieder. "Es ist alles noch ein bisschen chaotisch", sagt Madeleine Schweitzer vom Spielzeugladen "Trullala" an der Osterreicher Straße 23. Am Montag stand sie noch knöcheltief im Wasser des vollgelaufenen Kellers, seit gestern hat sie wieder Strom, heute hat ihr Geschäft geöffnet. Weitermachen ist auch die Devise von Kfz-Meister Rainer Weber. Werkstatt und Wohnhaus an der Österreicher Straße 17 waren komplett abgesoffen. "Das Grundwasser drückt immer noch in den Keller", sagt Weber seufzend. Die Schadenshöhe ist nicht absehbar. Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob in der Werkstatt noch Hebebühnen und Bremsenprüfstand funktionieren. 1500 Euro Soforthilfe hat der Laubegaster beantragt: "Es ist eine Geste, aber ein Tropfen auf den heißen Stein." Nicht unmittelbar von der Flut betroffen war die Holzindustrie Dresden GmbH in Laubegast. Doch da alle Zufahrten überschwemmt waren, konnte der Betrieb mit seinen 86 Mitarbeitern seit letzten Mittwoch nicht produzieren. "Wir sind zum Teil auf die Zweigstelle in Heidenau ausgewichen, trotzdem gab es Ausfallzeiten", brichtet Prokuristin Cerstin Konrad.

Dieser Tage klingeln die Krisentelefone von Handwerkskammer (HWK) und Industrie- und Handelskammer (IHK). "2002 waren über tausend Betriebe in Ostsachsen von der Flut betroffen, von dieser Zahl geht man diesmal aber nicht aus", so HWK-Sprecher Ralf Krüger. Zehn Betriebsberater seien unterwegs, helfen bei Versicherungsfragen, Anträgen, vermitteln Azubis an trockengebliebene Betriebe.

Auch über die 1500 Euro Soforthilfe, die der Freistaat ausreicht, haben sich viele Betriebe erkundigt. "Die 1500 Euro je Betrieb können in vielen Unternehmen sicher nicht den Gesamtschaden decken, aber sie sind ein Signal, das Mut macht in dieser schwierigen Situation", erklärt HWK-Präsident Jörg Dittrich. "Dresden ist verglichen mit Pirna oder Heidenau glimpflich davongekommen", sagt IHK-Sprecher Jan Fiehler. Weniger das große, verarbeitende Gewerbe, sondern die kleinen, mittelständischen Betriebe habe es getroffen. "Ein großes Problem ist der Umsatzausfall", so Fiehler. Im Tourismusbereich ist die Sommersaison wahrscheinlich im Eimer.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2013

Madeleine Arndt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf den Katastrophenschutzstab folgt jetzt im Dresdner Rathaus der Nachsorgestab. Es hat ihn seit des Jahrhunderthochwassers 2002 nicht mehr gegeben, 2006 reichte für die Schadenserfassung ein kleines Team - für die Beseitigung der Hochwasserschäden des Juni 2013 hat die Stadt all ihre Kräfte in einem neuen Nachsorgestab gebündelt.

09.09.2015

Mario Bottesi noch nicht. Der Orthopäde wohnt derzeit bei seiner Tochter. Das Haus seiner Familie im Stadtteil Zschieren ist noch ohne Strom.

09.09.2015

Fünf Frauen, fünf verschiedene Leben und ein Prominenter: Dies ist, kurz gefasst, das Konzept der neuen ZDF-Sendung "Der Star auf meiner Couch". Dabei besucht eine bekannte Persönlichkeit fünf ganz normale Frauen und begleitet sie einen Tag lang.

Stefanie Kaune 09.09.2015