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Lokales Dresdner TU-Experte wagt einen Ausblick aufs Autonome Fahren
Dresden Lokales Dresdner TU-Experte wagt einen Ausblick aufs Autonome Fahren
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17:29 22.11.2017
Jürgen Krimmling.  Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Professor Jürgen Krimmling ist Inhaber der Professur für Verkehrsleitsysteme und Prozessautomatisierung und Direktor des Instituts für Verkehrstelematik an der TU Dresden. Er befasst sich seit Jahren mit den Schwerpunkten Automatisierungstechnik, Verkehrssteuerung und Verkehrstelematik, also die Verknüpfung von Technik und Kommunikation in Fahrzeugen. Während seiner Tätigkeit in der Siemens AG leitete er in den 90er Jahren die Verkehrsplanung für Dresden. Aktuell arbeitet Krimmling unter anderem an den Forschungsprojekten Syncar – synchronisiertes automatisiertes Fahren in urbanen Räumen – und HarmonizeDD – automatisiert und vernetzt im urbanen Mischverkehr. Im DNN-Interview spricht er über die Zukunft des automatisierten Fahrens und die größten Herausforderungen für Wissenschaft und Politik.

Kann und wird autonomes beziehungsweise automatisiertes Fahren die Sicherheit im Verkehr langfristig erhöhen?

Ja, der Verkehr kann dadurch auf jeden Fall sicherer werden. Doch es gibt dabei einige nicht zu unterschätzende Herausforderungen. Sicherheit heißt nämlich nicht nur Sicherheit in den Fahrzeugen, sondern das ist in hohem Maß auch abhängig von der vorhandenen Infrastruktur. Ich nenne hier als Beispiele nur einmal das Parken in zweiter Reihe oder das kaum vorhersehbare Verhalten von Radfahrern oder Fußgängern. Das alles in automatische Prozesse einzubinden und so die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu garantieren, wird sich als äußerst anspruchsvoll erweisen.

Wie lange wird es dauern, bis wir von einer vollautomatisierten Verkehrsführung sprechen können?

Das kann man so nicht genau sagen. Es wird aber noch einige bis mehrere Jahrzehnte dauern. Aktuell ist man auf großen und homogenen Fahrbahnen wie auf Autobahnen oder Fernstraßen schon recht weit, dort wird die Entwicklung auch schnell voranschreiten. Doch in der Stadt sieht das noch ganz anders aus. Außerdem muss beachtet werden, dass es immer Verkehrsteilnehmer geben wird, die nicht autonom unterwegs sein werden. Hier seien nur Oldtimer oder Fußgänger genannt, da müssen Lösungen her. Ich gehe aber davon aus, dass es vor allem in den Bereichen Wirtschafts- und Schienenverkehr sowie beim ÖPNV recht schnell zu mindestens teilautonomen Lösungen kommen kann.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Hürden, welche Probleme gilt es zu lösen?

Da geht es los bei Gesetzen, Richtlinien und Genehmigungen, die von der Politik geschaffen werden müssen, und endet beim Thema Infrastruktur. Ampelsysteme, Rad- und Fußwege, verschiedene Straßenmodelle, unterschiedlichste Parksituationen, Schienenverkehr und ÖPNV müssen aufeinander abgestimmt sein und miteinander arbeiten.

Dazu lautet ein wesentliches Stichwort: Intermodalität. Wie verbinde ich also verschiedene automatisierte Verkehrsmittel miteinander, um Personen einen schnellen und effektiven Transport zu garantieren. Das sind riesige Herausforderungen, die nicht von heute auf morgen zu lösen sind. Dazu kommt auch noch ein Thema innerhalb der Fahrzeuge. Die Selbstrettung muss jederzeit möglich bleiben, der Fahrer muss immer eingreifen können. Wenn man nun bei einer autonomen Fahrt gerade liest, arbeitet oder ein Video guckt, ist das schwierig. Experten halten es für notwendig, dass ein Fahrer innerhalb von vier Sekunden das Steuer übernehmen können muss. Aktuelle Studien belegen dagegen Zeiträume von bis zu 13 Sekunden.

Wie weit ist Dresden bislang auf automatisiertes Fahren ausgelegt und auch vorbereitet für die Zukunft?

Dresden ist im Vergleich zu vielen anderen Großstädten schon sehr weit. Es gibt viele vielversprechende Ansätze. Dazu gehören beispielsweise Projekte zum automatisierten Routing, intelligente Lichtsignalanlagen und eine weit entwickelte Verkehrssteuerung. Nicht umsonst ist Dresden eine von sieben Modellstädten Deutschlands für „Automatisiertes und vernetztes Fahren auf digitalen Testfeldern“.

Ein heiß diskutiertes Thema ist die Ausrichtung der Forschung. Sollte es in Zukunft Fahrzeuge geben, die autonom und selbstständig durch die Städte und Landschaften fahren, oder sollte die Infrastruktur so ausgebaut werden, dass am Ende die Fahrzeuge nur noch als passive Teilnehmer durchgeleitet
werden?

Ich denke, die Wahrheit wird am Ende irgendwo in der Mitte liegen. In Städten wird es definitiv notwendig sein, dass die Infrastruktur entsprechend in den Automatisierungsprozess eingebunden wird und gemeinsam mit den Fahrzeugen kommuniziert und arbeitet. Hier muss dann auch intelligentes Routing eine Rolle spielen, das den Berufsverkehr an hochsensiblen Bereichen wie Schulen oder Krankenhäusern vorbei leitet. Und auf Landstraßen beispielsweise werden die Fahrzeuge weitgehend selbstständig fahren müssen, da es dort kaum angrenzende Infrastruktur gibt.

Im Zuge der Urbanisierung werden zukünftig immer mehr Menschen in Städten wohnen, Experten rechnen schon bald mit über 70 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Braucht man dann überhaupt noch private Fahrzeuge oder liegt die Zukunft im ÖPNV?

Ich denke, dass es immer private Fahrzeuge geben wird – Stichwort „Freiheit“, das liegt einfach in der Natur der Menschen. Für gewisse Aktivitäten wird man auch weiterhin eigene Fahrzeuge benötigen. Außerdem sehe ich in den autonomen Autos eine riesige Chance für die ländliche und ältere Bevölkerung, um so Städte, Ärzte und Schulen zu erreichen. Denn ich denke nicht, dass der ÖPNV zukünftig in den ländlichen Räumen ausgebaut wird.

Wie sieht es aus mit der Komponente „Mensch“? Denken Sie, jeder ist bereit für autonomes Fahren?

Hier sehe ich ein klassisches Generationenproblem. Die Älteren – mich eingeschlossen – lieben es, selbst Auto zu fahren. Doch die jüngeren und nachfolgenden Generationen werden gemeinsam mit der fortschreitenden Entwicklung in das autonome Fahren hineinwachsen, irgendwann wird es normal und selbstverständlich.

Von Sebastian Burkhardt

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