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Lokales Dresdner Serumwerk leitet Grippeviren ins Abwasser – Behörden geben Entwarnung
Dresden Lokales Dresdner Serumwerk leitet Grippeviren ins Abwasser – Behörden geben Entwarnung
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07:35 03.08.2017
Im Dresdner Serumwerk von GlaxoSmithKline (GSK) sind offenbar jahrelang versehentlich Grippeviren ins Abwasser geleitet worden. Quelle: Stephan Lohse
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Dresden

Im Dresdner Serumwerk von GlaxoSmithKline (GSK) sind über viele Jahre hinweg versehentlich Grippeviren ins Abwasser geleitet worden. Am Standort in der Zirkusstraße 40 sei zwischen 2001 und 2003 eine Abwasserleitung falsch angeschlossen worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Anfang Juli sei der Fehler bemerkt und sofort behoben worden.

Am 10. Juli habe man das sächsische Umwelt- wie auch das Gesundheitsministerium informiert, ebenso die Stadt Dresden, das Gesundheitsamt und das Umweltamt. Parallel habe man mit Hilfe interner und externer Fachleute begonnen, die Gefahren der zurückliegenden Jahre zu bewerten.

Stadt und Land gaben am Mittwoch Entwarnung. Der aufwändig erstellten, aber noch vorläufigen Risikobewertung zufolge sei keine Gefährdung für Menschen oder die Umwelt entstanden.

„Grundlage für diese Bewertung sind die abgeschwächte Infektiosität der Impfviren, ihre zumindest teilweise erfolgte Inaktivierung durch Heißwasser und Desinfektionsmittel, der hohe Verdünnungseffekt im Abwassersystem und in der Elbe sowie die geringe Stabilität dieser Viren in der Umwelt“, teilten die Ministerien mit. Auch eine Gefährdung für Fische oder andere Tiere gelte als sehr unwahrscheinlich, da die für die Impfstoffproduktion verwendeten Virenstämme eine deutlich geringere Ansteckungskraft haben als aggressive Wildviren.

Das Dresdner Gesundheitsamt hat sich der Auffassung angeschlossen, dass Menschen und Umwelt zu keiner Zeit in Gefahr waren. Auch weil die Zahl der Influenza-Vorfälle in Dresden keinerlei Unauffälligkeiten aufweise. „Insbesondere außerhalb der Influenza-Saison sind die Fallzahlen völlig unauffällig“, so Rathaussprecher Kai Schulz.

Für die Bewertung des Risikos hat das Unternehmen nach Auskunft von GSK-Sprecher Markus Hardenbicker „interne Fachexperten aus Deutschland und weltweit“ zu Rate gezogen. Eingeflossen seien auch „Einschätzungen aus Literatur von Experten und dem Austausch mit externen Experten“. Die einbezogenen Quellen lägen den Behörden vor – ebenso die Ergebnisse umfangreicher Tests der letzten Wochen, so Hardenbicker. Der Pharmakonzern rechnet nicht mit Konsequenzen, die seine „laufende Produktion beeinflussen“, erklärte der Sprecher, denn: „Wir haben den Fehler selbst entdeckt, umgehend behoben sowie den Behörden gemeldet.“

Das sieht bislang auch der Freistaat so: „Die Verstöße gegen die Betriebsgenehmigung der Anlage ist nach heutiger Einschätzung ohne negative Folgen geblieben“, hieß es vom sächsischen Umweltministerium. Dennoch werde eine entsprechende Risikobewertung des Unternehmens der für Gentechnikfragen zuständigen Zentralen Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS) beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vorgelegt. „Diese beteiligt bei Bedarf weitere Fachbehörden, wie das für Infektionskrankheiten zuständige Robert-Koch-Institut sowie das für die Zulassung von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut.“ Sachsens Umweltministerium nimmt den Vorfall zum Anlass, bei den regelmäßigen Kontrollen solcher Anlagen die Entsorgungswege verstärkt zu kontrollieren.

Der Stadtentwässerung Dresden zufolge müssen Firmen wie das Serumwerk selbst im Havariefall sicherstellen, dass kein mit aktiven Viren belastetes Abwasser in die öffentliche Kanalisation gelangt. Das GSK-Abwasser sei regelmäßig geprüft worden. In der Vergangenheit seien weder „hierbei noch bei den regelmäßigen Vor-Ort-Begehungen Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Allerdings: „Virologische Inhaltsstoffe gehören nicht zu den zu prüfenden Parametern.“

Das Unternehmen selbst, das in Dresden mit 700 Mitarbeitern Grippeimpfstoffe für mehr als 20 Länder herstellt und erst im Mai vom sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich für seine Innovationskraft gelobt wurde, bedauerte die Panne. Zugleich verwies es darauf, dass „Wasser und vor allem Abwässer“ keinen natürlichen „Infektionsweg für den Menschen“ darstellen. Die Übertragung erfolge über die Tröpfcheninfektion. „Bei den im Werk genutzten Impfviren handelt es sich zudem um für die Produktion angepasste Virustypen. Diese sind in ihren Eigenschaften so abgeschwächt, dass sie im Abwasser Menschen und Tiere nicht krank machen und sich auch nicht vermehren können, selbst wenn sie dort überleben sollten.“

Wie die Firma mitteilte, waren bei Baumaßnahmen zwei Bodenabläufe falsch angeschlossen worden. Statt in das gesonderte werksinterne System zur Inaktivierung von so genanntem Prozessabwasser flossen die Abwasser direkt in die städtische Kanalisation.

Von Stephan Lohse und Barbara Stock

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