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Lokales Dresdner Schulleiter gegen Entrümpelung der Lehrpläne
Dresden Lokales Dresdner Schulleiter gegen Entrümpelung der Lehrpläne
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09:25 25.04.2016
Dresdens Schulleiter können die Entschlackungspläne der Kultusministerin nicht nachvollziehen.  Quelle: dpa-Zentralbild
Dresden

 Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) will die Lehrpläne entrümpeln. Die Schüler sollten künftig weder die Photosynthese noch Einsteins Relativitätstheorie bis ins kleinste Detail auswendig pauken müssen, sagte sie (DNN berichteten). Dresdens Schulleiter halten wenig von dem Vorstoß. Das jedenfalls ergab eine Umfrage der DNN. Elternvertreter vermuten ebenso wie die Linke im Landtag einen Zusammenhang mit dem Lehrermangel.

Thomas Lorenz, Leiter der 128. Oberschule in Reick, gibt auch Mathe und Chemie. „Die Handwerker beschweren sich ja jetzt schon, dass die Grundlagen fehlen“, moniert er. Die Lehrpläne bereits bis zum Schuljahr 2017/18 zu entschlacken wie vorgesehen, hält er für problematisch. „Das will gründlich überlegt sein.“ Lorenz plädiert dafür, die Lehrpläne besser aufeinander abzustimmen statt Themen herauszustreichen. Die Entstehung der Religionen beispielsweise würde sowohl in Ethik als auch in Geschichte behandelt. Auch die Stundenzahl mag der Schulleiter nicht reduzieren. „Ich teile nicht die Ansicht, dass die Schüler überlastet sind“, sagt er. Immerhin hätten sie mit 16 Jahren als Lehrling eine 40-Stunden-Woche zu absolvieren. Auf diese Belastung müssten sie vorbereitet werden.

Cornelia Falken, bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Die Linke, mutmaßt, dass „die Pläne der Kultusministerin, die Stundentafel und die Zahl der Unterrichtsstunden zu kürzen, wohl eher dazu dienen, den Lehrermangel zu kaschieren“. Das sieht Annett Grundmann, Vorsitzende des Kreiselternrats, ähnlich: „Ausgerechnet jetzt, wo klar ist, dass wir nicht genügend Lehrer für die nächsten fünf bis zehn Jahre haben, will man die Lehrpläne abspecken.“ Auch sie bekomme relativ selten Beschwerden von Eltern über zu voll gepackte Lehrpläne. Natürlich sei nicht alles sinnvoll. „Die Schüler müssen zum Beispiel insgesamt dreimal – in der Grundschule, in der 6. und noch mal in der 9. Klasse – ein Herbarium anlegen“, nennt die Elternvertreterin ein Beispiel. Möglicherweise könnten auch die beiden Fächer Ethik und Religion zusammengelegt werden. „In der Elternschaft wird auch diskutiert, ob die Talentfächer Sport, Kunst und Musik unbedingt benotet werden müssen“, sagt Grundmann. Auf der anderen Seite seien die Eltern dafür, wieder die Klassenleiterstunde einzuführen.

Einen Zusammenhang zwischen Stundenkürzung und Lehrermangel kann Marcello Meschke, Leiter des Bertolt-Brecht-Gymnasiums, nicht ausmachen: „Das hat nichts miteinander zu tun.“ Mit der geplanten Kürzung der Jahreswochenstunden von 269 auf 265 wolle Sachsen lediglich der Vorgabe der Kultusministerkonferenz nachkommen. Das Vorhaben der Kultusministerin, die Lehrpläne auszudünnen, kann Meschke allerdings gleichfalls nicht so recht nachvollziehen. „Die Lehrpläne sind sehr locker gefasst und geben dem Lehrer genügend Spielraum, so dass es auch nicht viel zu entschlacken gibt“, meint er. Meschke, selbst Biologielehrer, geht auf das Beispiel der Photosynthese ein: „Wir haben da schon eine große Freiheit, wie tief wir das Thema behandeln.“ Die Photosynthese würde schon lange nicht mehr in allen Einzelheiten behandelt. Das Problem liegt für den Schulleiter noch ganz anders: „Wenn man wie geplant die Anzahl der Wochenstunden reduziert, muss man auch die Lehrpläne neu schreiben – und zwar richtig neu schreiben“, ist er überzeugt.

Jürgen Karras, Leiter des Gymnasiums Cotta, unterrichtet Deutsch und Geschichte. „Für meine beiden Fächer fällt mir spontan nichts ein, was man herausstreichen könnte“, sagt er. Es sei durchaus nicht so, dass ihm der Lehrplan eine Riesenlast sei, den er nicht erfüllen könne. „Ein Dilemma ist eher die Tatsache, dass wir unterschiedlich lange Schuljahre haben“, erklärt Karras. Sie würden um bis zu 15 Unterrichtstage differieren. Das jetzige Schulhalbjahr sei beispielsweise besonders kurz, so dass der Lehrplan nur mit einigen Handständen erfüllt werden könne.

„Ich wüsste nicht, was ich noch streichen könnte“, sagt auch Armin Asper, Leiter des Martin-Andersen-Nexö-Gymnasiums, mit Blick auf seine beiden Fächer Deutsch und Gemeinschaftskunde. Seit 2004 habe man ja schon umgestellt von den inhaltlich dominierten auf die kompetenzorientierten Lehrpläne. Dabei seien schon Inhalte herausgenommen worden. „Um Kompetenzen zu trainieren, brauchen Sie ja aber auch Wissen, Stoff, Material“, argumentiert er.

Von Katrin Richter

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