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Lokales Dresdner Schloss wird Museumsquartier von Weltrang
Dresden Lokales Dresdner Schloss wird Museumsquartier von Weltrang
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07:31 27.04.2018
Restaurator und Vergolder Kay Mehner arbeitet im Kleinen Ballsaal im Residenzschloss in Dresden an der Vergoldung der Decke des Kleinen Ballsaals.  Quelle: Arno Burgi/dpa-Zentralbild
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Dresden

 Das Residenzschloss Dresden eine Herzensangelegenheit? Das kann man Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU) glauben, wenn man allein die 380 Millionen Euro würdigt, die sich der Freistaat Sachsen den Wiederaufbau insgesamt kosten lässt. Doch abseits des Geldes, von dem fast 30 Millionen auch aus Bundeskassen flossen, reicht ein Blick in die liebevolle Detailarbeit zum Beispiel im Kleinen Ballsaal, um tatsächlich das Große dahinter zu sehen. In diesen hochmodern ausgestatteten Räumen wird der Freistaat seine Sammlungen von Weltrang bestens in Szene setzen können.

Der Kleine Ballsaal – das letzte Bauvorhaben im Georgenbau am Rande des Fürstenzugs – steht noch voller Gerüste. Denn unter der Decke arbeiten in fast zwölf Metern Höhe die Restauratoren an den üppigen Vergoldungen und Dekorationsmalereien. Der Saal entsteht in einer Fassung von 1868 wieder. In dieser Zeit regierte König Johann von Sachsen, und der ließ es wenige Jahre vor der Gründung des Deutschen Reiches nochmal so richtig krachen: viel Gold, viel Marmor, viel Stuck – musizierende Putten, Blumenkinder, Ornamente. Clou des Ganzen: die umlaufende begehbare Galerie, die nach historischen Plänen und Fotografien vollständig rekonstruiert wird. Mit Hilfe einer künstlichen Lichtdecke soll auch das einst natürliche Oberlicht nachgebildet werden.

Dresdner Schloss wird Museumsquartier von Weltrang

Der etwa zwölf mal zehn Meter große Saal war 1945 fast völlig zerstört worden. Dass er in den 1960er Jahren wiederhergestellt wurde, um der Bauleitung des Kulturpalastes als Domizil zu dienen, nennt der Leiter der staatlichen Bauverwaltung in Dresden, Ulf Nickol beim Baurundgang am Dienstag „schlitzohrig“. Schließlich wurde zu dieser Zeit gern mal großflächig abgerissen, was gar zu ruinös erschien.

Nun soll das Kleinod für 6,1 Millionen Euro bis Mitte 2018 wiederentstehen. Dann werden zwei Kronleuchter mit jeweils 72 Kerzen den Saal schmücken, der Fußboden wird Heizung und Elektrik geschluckt haben, und die Staatlichen Kunstsammlungen werden sich über einen zauberhaften neuen Raum für Sonderausstellungen freuen.

Nach nebenan in den Langen Gang kommt man derzeit nur über die Außengerüste am Fürstenzug – an Treppen und Fahrstuhl im Innern wird gerade gearbeitet. Der 100 Meter lange, 4,6 Meter breite und fünf Meter hohe Gang, der bis 2015 die Schifffahrtsausstellung des Dresdner Verkehrsmuseums beherbergte, wird seit Ende Februar 2016 saniert. Auch er war im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört und in den 1960er Jahren wieder aufgebaut worden. Nun aber müssen SIB-Chef Nickol zufolge die zu DDR-Zeiten verbauten Bodendielen durch Stahlbeton ersetzt werden. Entstehen soll eine Raumfassung von 1733. Basis der Wiederherstellung sind Pläne aus dem 18. Jahrhundert und Fotos aus den Jahren 1944 und 1945. Der Freistaat investiert hier insgesamt 10,5 Millionen Euro.

Vom Ziel, im Herbst 2018 fertig zu werden, hat sich das Land lange verabschiedet – Unland peilt für den Langen Gang inzwischen Ende 2019 an. Auch dieser Termin sei nicht in Stein gemeißelt. „Qualität geht vor Zeit“, sagte er am Dienstag. Fest steht immerhin, dass der Lange Gang künftig die Meisterwerke europäischer Büchsenmacherkunst aus dem 16. bis 18. Jahrhundert präsentieren soll. Die Vitrinen werden in den Nischen ohne Fenster stehen – unter einer an Ornamenten reichen Holzdecke. Die soll auch verstecktes Kunstlicht beherbergen – ansonsten erhellen Vitrinenlicht und Tageslicht den Raum.

Der übrigens darf nicht übermäßig warm werden, um die Kacheln des Fürstenzugs auf der anderen Wandseite zu schützen. Wärme nämlich, so Nickol, lasse Feuchtigkeit diffundieren, die könne den Leim lösen und die Kacheln abspringen lassen. Gut möglich also, dass man den Langen Gang im Winter bei 15 Grad passieren muss. „Die Waffen halten das aus“, so der Kommentar aus den Staatlichen Kunstsammlungen.

Sachsen will für den Wiederaufbau des Dresdner Schlosses, den der Landtag 1997 beschlossen hat, rund 380 Millionen Euro ausgeben. Bisher wurden rund 316 Millionen Euro investiert. Erst im April hatten in der früheren Residenz zwei neue Dauerausstellungen für Besucher geöffnet.

Von Barbara Stock

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