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Lokales Saloppe feiert 250. Geburtstag – schon wieder!
Dresden Lokales Saloppe feiert 250. Geburtstag – schon wieder!
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08:00 28.07.2018
Chefkoch Norman Tittel (35) und Inhaber Jan Michael (46) haben Dresdens älteste Schankwirtschaft heute fest im Griff. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Welch offensichtliches Wortspiel, werden Sie jetzt vielleicht denken und gelangweilt den Kopf schütteln. Doch angesichts der diesjährigen Geburtstagsparty in Dresdens ältester Sommerwirtschaft, drängte es sich förmlich auf. Denn mit Blick in die Geschichte wurde die Saloppe bereits vor sechs Jahren stolze 250 Jahre alt. Doch völlig zwanglos und ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Formen – salopp eben – feiert die Schankwirtschaft einfach in jedem Jahr den 250. Geburtstag. Das ist Grund genug, um einen Blick in die Vergangenheit voller Höhen und Tiefen zu blicken.

Alles beginnt mit einem Fährmann

Die erste Erwähnung der Saloppe lässt sich auf den Juli 1760 zurückdatieren. Etliche Länder befanden sich mitten im Siebenjährigen Krieg und auch Dresden wurde zu dieser Zeit belagert. In dem Sommermonat errichteten preußische Soldaten einen Feldposten auf einem Weinberg nordöstlich der Altstadt und ganz in der Nähe einer damaligen Fährstelle. Die einfache Bretterbude wurde nach dem Abzug der preußischen Armee dem Fährmann Franz Köhler und seiner Frau überlassen. Die beiden fungierten vorher schon als sogenannte Marketender, begleiteten also Soldaten und versorgten sie mit Waren und Dienstleistungen. Als die militärischen Gruppen verschwanden, verwandelten sie den Feldposten in einen öffentlichen Ausschank, dessen Eröffnung auf das Jahr 1762 datiert wird.

1813 wurde dieser jedoch wieder in einen Feldposten umfunktioniert, diesmal von Kosaken. Denn die Schlacht um Dresden wütete. Die Russen tauften die Hütte „Wutki Chalupka“, was zu deutsch Schnapsbude bedeutete. Da die Deutschen die Worte nicht richtig verstanden, machten sie im Laufe der Jahre eine „Schaluppe“ daraus und über die Jahrhunderte entwickelte sich so der heutige Name „Saloppe“.

Dresdens größte Gaststätte

1822 wurde die Bretterbude abgerissen und ein Neubau errichtet. Dieser wurde von Beginn an als Gastwirtschaft genutzt. Doch 1864 kaufte die Stadt Dresden das Grundstück, riss die Wirtschaft wieder ab und erbaute ab 1871 das Wasserwerk Saloppe. Der Erbauer und damaliger Stadtbaurat Theodor Friedrich ließ allerdings einen Ersatzneubau im neoromanischen Stil erbauen, damit die Schankwirtschaft weiter bestehen kann. Somit entstand ab 1876 ein großer Komplex mit Restaurant, Gartenterrasse und Aussichtsturm. Schnell entwickelte sich die Gaststätte zur beliebtesten und gleichzeitig größten der Stadt. Noch 1945 aßen die Dresdner hier. Doch im gleichen Jahr fielen Wasserwerk und Restaurantkomplex den Bomben des Luftangriffes zum Opfer.

Kurz vor den Luftangriffen 1945 war die Saloppe Dresdens größte Gaststätte. Quelle: Waterloo Produktion Veranstaltungen

Trotz der vielen Zerstörungen schien der Platz für eine Schankwirtschaft vorbestimmt, denn sieben Jahre später wurde diese wieder errichtet. Erst ab Ende der Neunziger Jahre sollte diese Bestimmung gehörig ins Wanken geraten.

1989 war die Saloppe vor allem als Wohngebietsgast- und Kulturstätte bekannt. Quelle: Waterloo Produktion Veranstaltungen

Plötzlich droht das Aus

1997 übernahmen Waterloo Produktion Veranstaltungen gemeinsam mit dem Cateringunternehmen W.O.K. die Gaststätte und funktionierten diese zu einem bunten Veranstaltungsort um. Von da an bestimmten Seifenkistenrennen, Afterwork-Parties sowie Kinder- und Familienfeste das Sommerprogramm. Denn dieses überzeugte die Stadt, so dass ein Pachtvertrag zustande kam.

Die Stadt war es aber auch, die das bunte Treiben 2007 plötzlich beenden wollte. Der Finanzausschuss stimmte dem Grundstücksverkauf an die Projektgesellschaft Brockhausstraße GmbH der Herren Rico Richert, Michael Oertel und Frank Bertram. Sie boten der Stadt 665 000 Euro für das Grundstück an und planten drei private Stadtvillen auf dem Gelände. Drei Jahre hatten die Investoren Zeit, einen Vorschlag zur Bebauung vorzulegen. In der Zwischenzeit regte sich heftiger Protest seitens der Politik sowie seitens der Bevölkerung. Der Kreisverband Dresden Bündnis 90/Die Grünen rief die Internetseite www.saloppe-bleibt.de ins Leben, wo der Appell gegen die Baupläne unterschrieben werden konnte.

Im August 2008 machte die Stadt dann doch eine „Rolle rückwärts am Elbhang“, wie es die DNN damals titelte. Was folgte, war ein 18-monatiger Aufschub für die anrollenden Abrissbagger und Zeit für die Betreiber, ein überzeugendes Konzept auszuarbeiten. Die damals amtierende Oberbürgermeisterin Helma Orosz setzte sich ebenfalls für den Erhalt der Saloppe ein.

Der Schwebezustand hält an

Im März 2009 beschloss der Stadtrat schließlich den Erhalt der Sommerwirtschaft. Das private Baurecht der Investoren war damit vom Tisch. Da nun aber Entschädigungsverhandlungen mit diesen notwendig waren, blieb das Fortbestehen der Saloppe weiter ungewiss. Die Betreiber rund um Jan Michael hangelten sich von Saison zu Saison, da sich der Vertrag mit der Stadt immer nur quartalsweise verlängerte. Das hat sich bis heute nicht geändert. „Der Pachtvertrag hat immer noch kurze Laufzeiten, Verlängerungen planen wir gemeinsam mit der Stadt“, sagt Michael.

Trotz des weiter andauernden Schwebezustandes konnten mittlerweile einige Verbesserungen an der Saloppe vorgenommen werden. Neue Küchen- und Cateringgeräte wurden angeschafft, die Dächer neu eingedeckt, Mauern und Wege saniert und in Mobiliar für die Mietbereiche investiert. Für die nächsten 250 Jahre planen die Veranstalter eine konstante Weiterentwicklung des Angebotes. Wer also in diesen Tagen dienstags noch zur Afterworkparty geht, bucht in ein paar Jahren vielleicht die Saloppe als Location für den 50. Geburtstag. Das ist zumindest die Vision der Betreiber. Auch die nahende Fertigstellung der Wohnungen im Wasserwerk Saloppe sollen den Veranstaltungsplan nicht beeinflussen, zumindest in der Theorie: „Wir sitzen mit dem Investor am Tisch und sind uns einig, dass wir ein Nebeneinander aus Wohnen und Erlebnis erreichen werden“, sagt Michael zuversichtlich.

Am 28. Juli geht es aber nicht um die Zukunft, sondern um die letzten Jahrhunderte. Und das feiert die Saloppe ab 21 Uhr in der Schwitzhütte mit Cäpt’n RollerCoaster und DJ Pauli. Auf dem Open-Air-Gelände steigt parallel eine Kopfhörerdisko. Wer pünktlich 21 Uhr vor den Toren der Saloppe steht, darf für lau passieren, alle anderen zahlen 7 Euro Eintritt.

www.saloppe.de

Von Lisa-Marie Leuteritz

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