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Dresdner Reisebüros machen sich gegen neue EU-Richtlinie stark

Pauschalreiserichtlinie benachteiligt unabhängige Reisevermittler Dresdner Reisebüros machen sich gegen neue EU-Richtlinie stark

Wenn die neue EU-Pauschalreiserichtlinie in Deutschland kommt, werden viele unabhängig Reisebüros schließen müssen – auch in Dresden, davon ist der Verein Dresdner Reisebüros e.V. überzeugt. Die Richtlinie, die im Sommer 2018 in Kraft treten soll, stellt kleine Reisebüros vor nicht tragbare Haftungsrisiken.

Mit der neuen Pauschalreiserichtlinie wird die Buchung im unabhängigen Reisebüro unübersichtlich.
 

Quelle: picture alliance / dpa

Dresden.  „Die EU legt sich mit den Reiseweltmeistern – mit uns Deutschen – an“, fasst Bernd Hoffmann, Sprecher des Dresdner Reisebüros e.V. seinen Ärger zusammen. Gemeinsam mit dem Verein, der 50 unabhängige Reisebüros in Dresden und Umgebung vertritt, macht er sich gegen die neue EU-Pauschalreiserichtlinie EU 2015/2302 stark, die ihrer Meinung nach nicht nur die freien Reisebüros, sondern auch die Verbraucher deutlich schlechter stellt.

Thomas Oczadly mit Unterschriften für die Petition, die mittlerweile nur noch online mitgezeichnet werden kann

Thomas Oczadly mit Unterschriften für die Petition, die mittlerweile nur noch online mitgezeichnet werden kann.

Quelle: fs

Vor allem auf einem Punkt liegt das Hauptaugenmerk der Verordnungsgegner: der Haftungsfrage. Vermitteln unabhängige Reisebüros zwei oder mehr Reisebausteine in einem Vorgang, z.B. Flug, Hotel und Mietwagen von unterschiedlichen Anbietern – der Fachterminus lautet „verbundene Reiseleistung“ – gelten die Reisebüros plötzlich als Reiseveranstalter und müssen möglicherweise für Reklamationen haften. „Im Normalfall wird nichts passieren“, weiß Thomas Oczadly, Vorsitzender des Vereins und Inhaber des TUI ReiseCenter an der Wallstraße. Doch man müsse sich auf alle Eventualitäten – zum Beispiel auch Flugzeugabstürze und andere Katastrophen – einstellen. Ein Risiko, dass den finanziellen Spielraum vieler unabhängiger Reisevermittler weit übersteigt.

Die EU-Pauschalreiserichtlinie enthält noch weitere strittige Punkte. So sollen Veranstalter bis zu 20 Tage vor Reisebeginn den Reisepreis zum Beispiel aufgrund gestiegener Kerosinkosten oder geänderten Wechselkurse um bis zu acht Prozent erhöhen dürfen, ohne den Mehraufwand tatsächlich nachweisen zu müssen. Eine Stornierung sei dennoch nicht möglich. Abgesehen vom finanziellen Aspekt wird die Arbeit der Reisebüros „extrem verkompliziert. Es soll mehrere verschiedene Formblätter für die Haftungsfrage geben“, so Oczadly. „Das ist für uns ein Riesenaufwand.“ Die Folge all dieser Änderungen wäre, dass unabhängige Reisevermittler vorrangig Pauschalreisen verkaufen und den Einzelpreis-Vergleich mit nachfolgender Buchung von verbundenen Reiseleistungen aufgrund der Haftungsfrage vernachlässigen – das alles gereicht dem Verbraucher nicht zum Preisvorteil.

Die neue Pauschalreiseverordnung ist in Brüssel bereits beschlossen worden und soll am 1. Juli 2018 auch in Deutschland in Kraft treten. Federführend beteiligten sich Skandinavien und Großbritannien, letztere sind nach dem Brexit aber gar nicht mehr dabei. „Die Reisebürolandschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist einzigartig“, so Oczadly. In anderen EU-Ländern wird vorrangig über große Reiseveranstalter gebucht, die das finanzielle Haftungsrisiko tragen können. Doch darauf werde im Bundestag bisher keine Rücksicht genommen.

„Die deutschen Politiker müssen nicht immer alles durchwinken, was die EU beschließt“, meint Oczadly. Mit einer Petition wollen die unabhängigen Reisebüros in ganz Deutschland erreichen, dass sie vor der Beschlussfassung im Bundestag noch einmal zum Sachverhalt angehört werden. Die Petition 68543 kann noch bis zum 20. Dezember online mitgezeichnet werden. Kommt die Verordnung in ihrer derzeitigen Form, rechnet der Verein Dresdner Reisebüros damit, dass auch in Dresden einige Mitglieder ihre Geschäfte aufgeben müssen.

Von Franziska Schmieder

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