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Lokales Dresdner Rabbiner besorgt über Breite antisemitischer Zwischenfälle
Dresden Lokales Dresdner Rabbiner besorgt über Breite antisemitischer Zwischenfälle
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09:56 01.08.2018
Der Rabbiner Alexander Nachama wird nach sechs Jahren in der sächsischen Landeshauptstadt im September nach Erfurt wechseln. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Dresden

Für den scheidenden Dresdner Rabbiner Alexander Nachama ist die Breite antisemitischer Zwischenfälle in Deutschland eine „besorgniserregende Entwicklung“. Das jüdische Leben insgesamt sieht er indes nicht gefährdet. „Es gibt sehr viel mehr Menschen, denen das sehr wichtig ist“, sagte der 34-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Angesichts antisemitischer Übergriffe auf Menschen, die die traditionelle Kopfbedeckung Kippa tragen oder wegen ihres Glaubens verachtet werden, appellierte der künftige Thüringer Landesrabbiner an die Zivilcourage. „Die Menschen dürfen da nicht weg- sondern müssen hinschauen und versuchen, den Betroffenen zu helfen.“

Für das Judentum sei Antisemitismus zwar nichts Neues. „Es gab nie eine Zeit, wo alles wunderbar war, sondern immer eine Entwicklung, wo man genau hinschauen musste, das gilt heute umso mehr“, erklärte Nachama. „Das Verständnis muss bei jungen Menschen gesät werden, damit sie Vorurteilen und Ressentiments bestärkt entgegentreten können. Jeder, der mal in einer Synagoge war, reflektiert das Erlebte und ist gewappnet.“

Die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland liegt für den Rabbiner auch in der Nachwuchsgewinnung. „Es gilt, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu motivieren, in die Gemeinde zu kommen und sich einzubringen“, mahnte er. Nachama, der Ende August nach Erfurt geht, sieht die Förderung des Vor- und Erlebens in der Gemeinde als bleibende Aufgabe. Die Gemeinschaft in der Synagoge, gemeinsame Aktivitäten und Religionsunterricht seien unverzichtbar. „Andere Möglichkeiten haben wir nicht, das Judentum missioniert ja nicht.“

Die Zuwanderung in den 1990er Jahren vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion habe viele jüdische Gemeinden im Osten wiederbelebt. „Wir sollten dafür sorgen, dass sie auch eine Zukunft haben.“ Der Enkel des berühmten Berliner Oberkantors Estrongo Nachama ist der erste Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Dresden seit 1938. Sie hat wie zum Amtsantritt rund 720 Mitglieder, trotz 60 Beerdigungen. Eintritte von Juden, die in der Stadt lebten oder dahin gezogen sind, hätten den Verlust kompensiert.

Allerdings ist mehr als die Hälfte der Gemeindemitglieder über 60 Jahre alt und die von Nachama forcierte Nachwuchsgewinnung zahlt sich nur langsam aus. „Es sind kleine Schritte.“ Auch beim Gottesdienst sieht der Rabbiner noch Potenzial. „Wir haben, wie die christlichen Kirchen auch, viele Mitglieder, die zurückhaltend sind.“

Von dpa

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