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Lokales Kulturausschuss kürzt Mittel: Derevo und Theaterruine vor dem Aus
Dresden Lokales Kulturausschuss kürzt Mittel: Derevo und Theaterruine vor dem Aus
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11:51 29.11.2017
Das Ensemble des russischen Tanztheaters Derevo - St. Petersburg 2015 bei einer Probe im Festspielhaus Hellerau.  Quelle: dpa
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Dresden

 Das international bekannte Theaterensemble Derevo steht in Dresden vor dem Aus. Der Kulturausschuss hat am Dienstagabend beschlossen, die institutionelle Förderung für die Company komplett zu streichen. In diesem Jahr wird das Ensemble mit 20.000 Euro gefördert, es hatte für 2018 eine Förderung von 40.000 Euro beantragt. In einem offenen Brief teilte das Ensemble mit, man habe die Information über die geplante Streichung zufällig aus dem Internet erfahren. Nun stehe man ab 1. Januar faktisch auf der Straße und könne keine Produktionen mehr anbieten. Man sei dem Bankrott nahe und sei gezwungen, bereits unterschriebene Verträge mit Künstlern aufzukündigen.

Kulturamtsleiter Manfred Wiemer widersprach der Darstellung des Vereins vehement. Die Kulturverwaltung habe bereits im Januar 2017 ein intensives Gespräch mit Verantwortlichen von Derevo geführt und protokolliert. Dabei sei der Company die Einstellung der Förderung angekündigt worden. Derevo verstehe sich als Petersburger Gruppe mit Gastspielen in Dresden, so der Amtsleiter. Um in den Genuss von institutioneller Förderung zu kommen, müsse man sich als Einrichtung mit starker Bedeutung für Dresden begreifen.

Die Kulturverwaltung habe auch Gespräche mit Carena Schlewitt, der neuen Intendantin des Festspielhauses Hellerau, geführt. Die Intendantin habe angekündigt, die Kooperation mit Derevo über 2018 nicht fortsetzen zu wollen und die frei werdenden Zeiten sowie die von der Company genutzten Räumlichkeiten an andere Einrichtungen zu vergeben, erklärte Wiemer.

Isolde Matkey, langjährige Derevo-Managerin, äußerte sich fassungslos zum Finanzierungsstopp für das Tanztheater. Derevo habe auf vielen Feldern eine Vorreiterrolle in Dresden gespielt, gerade bei Kunstaktionen im öffentlichen Raum. Die Company habe sich große Verdienste erworben, die nicht in Frage gestellt werden dürften. „Zumal es auch produktionstechnisch sehr kompliziert ist, solch eine gewachsene Struktur von heute auf morgen kippen zu wollen“, so Matkey.

Der Kulturausschuss kürzte auch die Mittel für den Salon Hechtstraße und die KirchRuine St. Pauli um jeweils 20 000 Euro. Wiemers Einwand, dass der Verein TheaterRuine St. Pauli in diesem Fall die Miet- und Betriebskosten für die beiden Immobilien nicht mehr zahlen könne, konterte Stadträtin Ulrike Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) kurz und trocken: „Wir entscheiden über Kulturförderung und nicht über die Förderung von städtischen Immobilien.“ Kulturbürgermeisterin Annektrin Klepsch (Die Linke) kündigte an, mit dem Verein über eine Fortsetzung der Angebote zu sprechen. Sollte der Verein dafür keine Möglichkeit sehen, müssten die Gebäude für neue Interessenten ausgeschrieben werden.

Von den Streichungen sollen der Kulturverein Zschoner Mühle e.V. und das Hoftheater profitieren. Die Zschoner Mühle soll 9200 Euro erhalten – die Verwaltung hatte keine institutionelle Förderung vorgeschlagen. Laut Christiane Filius-Jehne (Bündnis 90/Die Grünen) bietet der Verein dem Puppentheater eine Bühne und strebt eine Vernetzung mit anderen kulturellen Einrichtungen an. Für das Hoftheater sind 7000 Euro vorgesehen, auch hier stand vorher eine Null. „Das Theater leistet eine besondere Arbeit als Kultureinrichtung und erreicht in seinem Ortsumfeld darüber hinaus ein breites Publikum“, erklärte Wilm Heinrich (SPD).

Von nicht

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