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Lokales Dresdner Klimaexperte: „Diese Hitze wird hier in 50 Jahren normal sein“
Dresden Lokales Dresdner Klimaexperte: „Diese Hitze wird hier in 50 Jahren normal sein“
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08:00 05.08.2018
Valeri Goldberg ist Klimaforscher an der TU Dresden und prophezeit noch viele heiße Sommer. Quelle: privat
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Dresden

Dürre tropische Nächte, in denen viele schlecht schlafen – und tagsüber brennt die Sonne auf Dresdens Plätze. Gefühlt wird es jeden Sommer wärmer. Ist der Klimawandel in Dresden angekommen oder trügt das Bauchgefühl? Die DNN haben Klimaforscher Valeri Goldberg von der TU Dresden nach Erklärungen gefragt.

Stimmt das Bauchgefühl? Werden die Sommer in Dresden tatsächlich immer heißer?

Valerie Goldberg: Die Temperaturdaten zeigen für Dresden einen deutlichen Trend zu heißeren Sommern seit den 1980er Jahren. Zählt man den Sommer 2018 mit, dann lagen von acht sehr heißen Sommern seit 1906 sechs heiße Sommer in den letzten 25 Jahren. Das Bauchgefühl trügt also nicht.

Gibt es Ihrer Meinung nach einen direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel und den aktuell heißen Tagen in Dresden?

Die bereits gemessene globale Erwärmung macht auch vor Dresden nicht halt. Dies führt zur einer höheren Wahrscheinlichkeit für heiße Tage.

Das aktuelle Wettergeschehen ist zwar kein direkter Beweis für den Klimawandel. Es gibt uns aber doch die Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Das, was wir dieses Jahr erleben, wird nach den aktuellen Klimaprojektionen in 50 Jahren ein normaler Sommer sein.

Wie macht sich der Klimawandel konkret in Dresden bemerkbar, werden Starkregen und Hitze zunehmen?

Der Klimawandel äußert sich in Dresden vor allem in der Erwärmung der Frühjahrsmonate. Dort haben wir den stärksten Trend. Beim Starkregen muss man stärker differenzieren zwischen den Regionen. Aber generell gibt es einen Zusammenhang zwischen aufgeheizter Atmosphäre und der Häufigkeit von Starkregen. Das heißt, die physikalischen Bedingungen für Unwetter sind besser, wenn es heiß ist.

Wie heiß ist dieser Sommer im Vergleich?

Für die Klimareihe Wahnsdorf/Klotzsche, die es seit 1917 gibt, lässt sich folgendes sagen: Das Monatsmittel im Juli in Klotzsche war 21,2 °C. Das ist „nur“ Platz 6 seit 1917. Allerdings finden sich alle Julimonate mit höherem Mittel als 2018 in der Klimareihe nach 1982. Dies deckt sich mit der Aussage, dass wir in den letzten 30 bis 40 Jahren einen deutlich nach oben zeigenden Trend in der Sommerwärme messen.

Die Sommerwärme wird mit der sogenannten Wärmesumme bestimmt. Dabei werden alle Tagesmittel, die höher als 20 Grad liegen, aufsummiert und bei jedem Tag der Wert 20 abgezogen. Dort liegt der aktuelle Sommer bereits auf Position 8 seit 1906 und ein Ende der Hitze ist noch nicht absehbar.

Wie verhält es sich mit der Dürre?

Bei der Dürre wirkt sich vor allem das lange Regen-Defizit dieses Jahres aus. Bisher wurde von Mai bis Juli weniger als die Hälfte der sonst zu erwartenden Niederschlagsmenge erzielt, seit Januar 64 Prozent. In einigen Regionen speziell im Oberlauf der Elbe war es ähnlich trocken oder noch trockener. Das Ergebnis sehen wir derzeit am Flusspegel. Man muss natürlich jetzt den August abwarten. Sehr trockene Sommer kommen allerdings in Dresden immer mal wieder vor, zum Beispiel in den Jahren 1947, 1976, 1982, 2000, 2003 und 2006 - nur spricht man heute vielleicht mehr darüber.

Könnte dieser Sommer in Dresden zum heißesten und trockensten Sommer aller Zeiten werden?

Die Möglichkeit besteht durchaus bei der Wärme. Wir haben ja noch den August vor uns. Bisheriger Spitzenreiter in Sachen Sommerhitze ist 1994, dann folgen 2015 und 2006. Um die Spitzenwerte wie 1994 zu erreichen, müsste der Restsommer aber mit kleinen Unterbrechungen so weitergehen wie bisher. Aber wollen wir das wirklich?

Von Tomke Giedigkeit

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