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Lokales Dresdner Keramikexperten entwickeln neue Waffe gegen multiresistente Keime
Dresden Lokales Dresdner Keramikexperten entwickeln neue Waffe gegen multiresistente Keime
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10:01 15.05.2018
Solche Keramikmodule mit integrierten Ultraschallsensoren sollen Medikamentenrückstände im Abwasser zerstören. Quelle: Fraunhofer IKTS
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Dresden

Um Hormone, Antibiotika und Viren-Hemmer aus den Abwässern der großen Städte endlich herausfiltern zu können, haben Fraunhofer-Ingenieure aus Dresden spezielle Keramik-Ultraschall-Zerstörer entwickelt. Dafür haben die Experten des Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) winzige Ultraschall-Kanonen auf keramische Elektroden aus einer Zinn-Antimon-Verbindung aufgedruckt.

Immer mehr Antibiotika im Wasser nachweisbar

Die Elektroden spalten auf elektrochemischem Weg die brisanten Medikamenten-Reste im Wasser auf, bis nur noch Kohlendioxid übrig bleibt. Die Ultraschall-Sender sorgen dafür, dass das Abwasser fest an die Keramikplatten gedrückt und die Problemstoffe schneller abgebaut werden.

Diese Technologie könnte zu vergleichsweise niedrigen Investitionskosten zusätzliche Reinigungsstufen für heutige Klärwerke ermöglichen, hoffen die Ingenieure. Solche neuen Klärstufen fordern Umweltschützer und Mediziner schon geraume Zeit. Denn immer mehr Antibiotika gelangen in Flüsse und Teiche. Damit wächst das Risiko, dass Bakterien im evolutionärem Eiltempo immun gegen alle Infektionshemmer werden. Und solche „multiresistenten Keime“ sind der Horror der Ärzteschaft: Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, könnte wieder jede kleine Wunde zum Tode führen – wie im Mittelalter.

Auch die Hormonsuppe im Abwasser, die durch Reste von Anti-Baby-Pillen und andere Medikamente entsteht, birgt Gefahren: Einerseits verweiblichen dadurch ganze Fischvölker und sterben aus. Andererseits vermuten einige Mediziner, dass die Fruchtbarkeitsstörungen menschlicher Paare teilweise darauf zurück zu führen ist, dass wir alle hormonangereichertes Wasser trinken.

Tests im größeren Maßstab

Einige Physiker wollen deshalb Plasma-Kanonen aufs Abwasser abfeuern, um die darin wabernden Medikamenten-Moleküle aufzuspalten. Andere setzen auf ultrafeine Filter – oder eben auf die elektrochemische Ultraschall-Keule wie die Dresdner.

Im Labormaßstab habe sich das neue „Elektroden-Sonotroden-Modul“ vom IKTS bereits bewährt, ein Patent sei angemeldet, teilte das Institut mit. Nun wollen die Ingenieure die Technologie im größeren Maßstab testen. „Dafür wird ein elektrochemischer Reaktor entwickelt und im technischen Maßstab erprobt“, kündigte Diplomchemiker Hans-Jürgen Friedrich vom IKTS an. In Zukunft wollen er und seine Kollegen mit den innovativen Elektroden auch Industrieabwässer zu klären versuchen.

Mehr Infos im Netz: ikts.fraunhofer.de

Von Heiko Weckbrodt

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