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Dresdner Kampfmittelsucher: „Wir haben noch für 40 Jahre zu tun“

Gefährliche Suche im Dresdner Untergrund Dresdner Kampfmittelsucher: „Wir haben noch für 40 Jahre zu tun“

Sprengsätze oder Bomben werden manchmal ganz unverhofft bei Bauarbeiten ausgegraben. Um das zu vermeiden, lassen viele private und öffentliche Bauherren das Gelände vorher von Spezialisten durchsuchen. Christoph Elsweier, der Chef der Dresdner Bohrgesellschaft mbH, ist so ein Spezialist. Wir haben mit ihm gesprochen.

Gefahr aus der Tiefe: In den Bombardierungsgebieten zur Zeit des Zweiten Weltkriegs finden sich immer wieder Bomben und Granaten.

Quelle: dpa

Dresden. In Pieschen haben die Vorbereitungen für den Bau einer neuen Fernwärmetrasse begonnen (DNN berichteten). Weil dort die Gefahr besteht, dass Sprengsätze in der Erde liegen, muss die Drewag als Auftraggeber das Gelände vor Baubeginn auf Kampfmittel überprüfen lassen. Wir haben mit dem Chef der Dresdner Bohrgesellschaft mbH, Christoph Elsweier, gesprochen. Dessen Unternehmen ist seit 2007 am Markt und wird vom 17. August 2017 an entlang der Trasse unter anderem nach Bomben und Granaten suchen.

Wie kommen Sie zu Ihren Aufträgen?

Im aktuellen Fall hat die Drewag bei der Gefahrenabwehrbehörde angemeldet, dass sie in Pieschen bauen will. Die Behörde hat Unterlagen vom Kampfmittelräumdienst. Aus denen geht hervor: Ist das Gelände belastet? Wie ist es belastet? War es im Krieg Bombenabwurfgebiet? Danach ergeht die Empfehlung, das Areal untersuchen zu lassen. Dann klingelt die Drewag zum Beispiel bei uns.

Mit welchen Erwartungen?

Wir sollen sicherstellen, dass da weder Munition noch Bomben im Boden liegen.

Geht das denn überhaupt?

Natürlich wäre es unrealistisch, jede Art von Kampfmitteln in sechs Meter Tiefe aufspüren zu wollen. Aber mit unseren Detektionsmethoden können wir zumindest ausschließen, dass in dieser Tiefe Bomben liegen.

Woran hängt die Erfolgsquote?

Wir durchforsten das Erdreich nach Metall. In dicht bebauten Gegenden können natürlich Rohre und Altbebauung stören. Gefährlich wird’s, wenn bei Bauarbeiten ein Kampfmittel aus Versehen mit ausgebuddelt wird, dann sind Menschen bedroht. Also muss klar sein, bis in welche Tiefe wir suchen müssen. Wir müssen sehr vorsichtig und genau sein.

Wie gehen Sie vor, wenn überall Leitungen liegen?

Wir graben lagenweise nach unten. In Schichten von etwa 30 Zentimetern wird die Erde abgetragen, dann neu sondiert.

Was haben Sie denn da im Einsatz?

Sonden und Schaufeln.

So was wie die Metalldetektoren der Schmucksucher am Ostseestrand?

Eher nein. Deren Geräte finden Metall in geringer Tiefe. Unsere passiven Geräte messen das Erdmagnetfeld. Gibt es Veränderungen, schlagen sie an, und wir legen vorsichtig die Ursache frei.

Aber sie bohren doch auch in die Tiefe?

Ja, das machen wir zum Beispiel vor sogenannten Durchörterungen. Dabei werden die Leitungen zum Beispiel unter einer Straße durchs Erdreich geschoben. Vor solchen Arbeiten setzen wir im Abstand von 1,50 Metern Bohrlöcher. In vier Abschnitten wird abgeteuft und immer neu gemessen – ob was in der Erde liegt.

Was passiert, wenn Sie eine Bombe finden?

Ehe wir den Kampfmittelräumdienst holen, müssen wir absolut sicher sein. Wir graben uns ganz vorsichtig nach unten – je nach Tiefe und Erdreich wird der Grubenrand abgestützt. Erst wenn unsere erfahrenen Leute eine Bombe erkennen, kommen die Räum-Experten und entscheiden, ob das Teil entschärft, gesprengt oder abtransportiert wird.

Welche Geräte haben Sie im Einsatz?

Wir benutzen zur Datenauswertung natürlich Computer, ansonsten Bagger, Bohrgeräte, ferromagnetische Sonden, Metallsuchgeräte und die gute alte Schaufel.

Wie schützen sie Ihre Mitarbeiter?

Vor allem durch Besonnenheit. Wir sind gut ausgebildet, arbeiten nicht wild drauflos, sondern äußerst strukturiert. Jeder Schritt wird zigmal eingeübt, die Abfolge muss bei jedem sitzen. Und unsere Bagger haben eine spezielle Verglasung sowie einen zusätzlichen Unterbodenschutz.

Wie oft finden Sie Bomben?

Das passiert zwei- bis dreimal im Jahr.

Versichert Sie bei dem Job jemand?

Na klar, für meine Mitarbeiter gibt es eine Extra-Unfallversicherung, außerdem haben wir die normale Betriebshaftpflicht.

Hat Ihr Job in Dresden Zukunft?

Meiner Ansicht nach haben wir die nächsten 30 bis 40 Jahre gut zu tun. Denn jetzt werden in der Stadt die ganzen Baulücken bebaut. Auch Truppenübungsplätze werden überall aufgegeben. Da sind wir auch am Start. In Dresden haben wir nur einen Mitbewerber. Was natürlich nichts heißen muss, weil sich bei Ausschreibungen auch viele Firmen von auswärts bewerben. Bundesweit gibt es vielleicht 50 oder 60 davon.

Wo überall sind Sie im Einsatz?

Wir sind in Sachsen unterwegs, im Raum Halle/Merseburg und in Magdeburg.

Wieviele Mitarbeiter haben sie? Was müssen die können?

Die Dresdner Bohrgesellschaft mbH hat 26 Mitarbeiter, die alle über viele Jahre Erfahrung vor Ort gesammelt haben. Besonders wichtig sind Feuerwerker, die die Arbeiten beaufsichtigen. Die haben entweder eine Ausbildung an der Sprengschule Dresden hinter sich oder bei der Bundeswehr.

http://dresdner-bohrgesellschaft.de/

Von Barbara Stock

Dresden, leipziger Straße, Puschkinplatz 51.0771381 13.7176559
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