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Lokales Dresdner Ingenieur- und Architekturbüro plant dreidimensional
Dresden Lokales Dresdner Ingenieur- und Architekturbüro plant dreidimensional
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18:04 21.02.2018
In Radeberg entsteht am Rand der Heide ein Wohngebäude, das zuvor dreidimensional am Computer geplant wurde.  Quelle: IPRO consult
Dresden

 Beim Autokauf geht es: Rote Karosserie, Aluräder, Ledersitze, Fahrradträger ab Werk. Der Verkäufer sitzt am Computer und gibt die Wünsche seines Kunden ein. Das so individualisierte Auto erscheint auf dem Bildschirm. Mit allen Sonderausstattungen. Ein Knopfdruck, und das Modell landet im Werk. Das Auto wird maßgeschneidert produziert.

Und beim Hausbau? Geht es auch: BIM heißt die Abkürzung, die das Bauwesen revolutionieren soll, ausgeschrieben Building Information Modelling. „Modellierte Gebäudedaten“, übersetzt Christoph Großmann, BIM-Manager beim Dresdner Planungsbüro IPROconsult.

Für den Kunden heißt BIM: Er kann durch sein Eigenheim laufen, obwohl es noch gar nicht gebaut ist. Oder durch die möbliere Musterwohnung eines Mehrfamilienhauses, das gerade erst geplant wurde. Mit Hilfe eines Rechners und einer Brille kann die Realität virtuell erlebt werden, so dass es wie beim Autokauf zugeht. Diese Wand bitte noch zwei Meter nach links verrücken, die Fenster etwas größer, das Schlaf- und Kinderzimmer tauschen? „Kein Problem“, sagt Großmann, „das lässt sich alles modellieren.“

BIM ist aber weit mehr als das Wandern in dreidimensionalen Welten, erklärt Danyel Pfingsten, Architekt und Abteilungsleiter Architektur bei IPROconsult. „Wenn ein Bauherr ein Vorhaben in die Planung gibt, ziehen wir keine Striche mehr, sondern fertigen am Computer ein Modell an“, erläutert der Architekt. Ein dreidimensionales Modell, das sich in das Stadtbild einpasst und alle relevanten Daten liefert. Wie verhält es sich mit den Blickachsen der Bestandsbebauung? Welche Wirkung hat das Gebäude auf die Luftströme, wo fällt das Sonnenlicht zuerst hin? Wie wirken Fassadenmaterialen und Farben im städtischen Kontext?

Das Modell liefert schon Monate vor der Grundsteinlegung auch Daten über den Energieverbrauch des Gebäudes. Und: Das Thema kostengünstiges und nachhaltiges Bauen spielt eine immer größere Rolle beim Wohnungsbau. Mit BIM könnten gezielt standardisierte Bauteile verwendet werden, so Pfingsten. Zusammen mit dem Kunden werden beispielsweise Anforderungen an die Fenster in Sachen Schallschutz, Wärmeisolierung oder Lichtdurchlässigkeit definiert. Diese Werte können direkt in dem Bauteil hinterlegt werden. Nach diesem Prinzip können auch Informationen zum Betreiben einer Immobilie wie Reinigungsflächen oder Wartungsintervalle eingefügt werden, so dass der Kunde stets auf eine aktuelle Datengrundlage zurückgreifen kann.

Auf das virtuelle, dreidimensionale Modell könnten alle am bau beteiligten Fachplaner zurückgreifen, erläutert Großmann. Der Haustechniker könne die Heizlast berechnen, der Statiker die statischen Eigenschaften. Ziel sei es, dass bei allen Änderungen in der Planungsphase eine automatische Anpassung der Daten erfolgt. „Das bringt Transparenz für den Bauherren“, erläutert Pfingsten. Böse Überraschungen könnten weitgehend ausgeschlossen werden, da die meisten Kostentreiber schon vor dem Baubeginn feststehen.

„Alle Gewerke arbeiten mit dem Modell, so dass Kollisionen auf der Baustelle gar nicht erst entstehen oder frühzeitig erkannt werden“, zählt Großmann einen weiteren Vorteil der BIM-Methode auf. IPROconsult als großes Büro beschäftigt sich schon seit 2009 mit BIM und sieht sich gut gerüstet, wenn die Methodik ab 2020 für Infrastrukturprojekte und den infrastrukturbezogenen Hochbau vorgeschrieben ist. „Schon jetzt ist BIM immer mehr Bestandteil von Ausschreibungen“, weiß Pfingsten.

15 Projekte hat IPROconsult im vergangenen Jahr mit der BIM-Methodik bearbeitet, Tendenz steigend. BIM lässt sich laut Pfingsten längst nicht nur im Neubau einsetzen, sondern auch bei Denkmalschutz-Vorhaben. „Bei vielen Gebäuden aus dem 14. oder 15. Jahrhundert gibt es keine einzige gerade Linie. Da sind dreidimensionale Modelle eine enorme Hilfe für die Planer.“

Standardisierung und Normierung – leidet die städtebauliche Qualität durch die neuen digitalen Welten? „Nein“, bekräftigt Pfingsten, „wir sind Architekten mit einem Anspruch und keine Verkäufer von gesichtslosen Modulbauten.“ Er verweist auf die Pläne für ein neues Wohngebäude am Rand der Heide in Radeberg, das dreidimensional geplant worden sei und eine für den Standort zugeschnittene, hochwertige Architektur auspräge.

Die Kehrseite der Medaille sei aber, dass auch die Verwaltungen technisch aufrüsten müssten. Der digitale Bauantrag sei ein hehres Ziel, so Pfingsten. „Das heißt aber auch, dass die Arbeitsplätze im Bauamt mit neuen Computern ausgestattet werden, die mit BIM-Modellen umgehen können.“ Dann würden eines Tages die vielen Kisten mit Ordnern für ein komplexes Gebäude überflüssig.

Die Einführung von BIM sei mit einem hohen finanziellen und personellen Aufwand verbunden gewesen, sagt Großmann. Computertechnik, Lizenzen für Software, Schulungen der Mitarbeiter – „Wir haben ein großes Investment getätigt. Wir waren frühzeitig davon überzeugt, dass hier die Zukunft des Planens liegt.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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