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Lokales Dresdner Herzspezialist appelliert: Jeder sollte den Puls messen können
Dresden Lokales Dresdner Herzspezialist appelliert: Jeder sollte den Puls messen können
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12:01 05.04.2018
Dr. Thomas Gaspar mit dem EKG von Gerd Nickl. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

„Normalerweise gibt der Sinusknoten im rechten Vorhof des Herzens der Herzhauptkammer einen elektrischen Impuls für jeden Herzschlag. Diese Leitung war bei Herrn Nickl – um es bildlich zu machen – unterbrochen. Man nennt das in der medizinischen Fachsprache einen AV-Block 3. Grades“, erklärt Dr. med. Thomas Gaspar, Leitender Oberarzt im Herzzentrum Dresden.

Auf Ersatzrhythmus kann man sich nicht verlassen

„Im günstigen Fall macht die Herzkammer einen Ersatzrhythmus von 30 bis 40 Schlägen pro Minute, wenn der Vorhof kein Signal sendet. Verschiedene Organe werden dann aber trotzdem nur noch schlecht durchblutet.“ Leider sei auf diesen Ersatzrhythmus nicht immer Verlass.

Irreparable Schäden durch mangelnde Sauerstoffversorgung

„Mit zunehmender Pausenlänge kommt es zu einer Mangelversorgung der Organe mit Sauerstoff, wodurch irreparable Schäden auftreten können“, so Dr. Gaspar weiter. „Welche Pausenlänge kritisch ist, ist allgemein schwer festzulegen und hängt von Begleiterkrankungen bzw. der elektrischen Leitungsstörung ab. Ganz allgemein formuliert werden unbemerkte Pausen bis zu 6 Sekunden toleriert.“ Bei Gerd Nickl habe das Herz 20 Sekunden lang nicht geschlagen.

Viele Ursachen für Aussetzen des Herzschlages

Es gebe verschiedene mögliche Ursachen dafür, dass der Impuls für den Herzschlag aussetze, so Gaspar. „Durchblutungsstörungen, eine verstopfte Zuleitung zum ,elektrischen Schaltwerk’ des Herzens, ein Zeckenbiss oder eben auch degenerative Erkrankungen können so etwas auslösen.“

Diagnose zu stellen ist oft schwierig

Häufig geschehe das aus heiterem Himmel. „Da Herr Nickl auch Parkinson hat, konnten seine Stürze durchaus auch fehlinterpretiert werden. Zudem gibt es für Schwindel und Bewusstlosigkeit verschiedene Ursachen“, benennt der Arzt die Schwierigkeiten, die richtige Diagnose zu stellen. Selbst ein 24-Stunden-EKG oder eine Langzeitblutdruckmessung würden keine Hinweise bringen, wenn das Herz in dieser Zeit nicht aus dem Takt gerate.

Hilfe einfordern

„Wenn jemand einmal bewusstlos wird, muss nicht sofort eine Herzschrittmacher implantiert werden. Wichtig ist, den Hergang genau zu erfragen, beziehungsweise nach Begleiterkrankungen zu forschen. Tritt das jedoch mehrmals auf, sollte man sich Sorgen machen“, betont der Facharzt. In einem Fall wie bei Gerd Nickl habe der Hausarzt kaum Chancen, die Ursache für die immer wiederkehrende Bewusstlosigkeit zu finden. „Als Patient sollte man dann Hilfe in Form einer Überweisung zum Spezialisten einfordern.“

Ereignisrekorder brachte Problem ans Licht

„Als Herr Nickl im Mai zu uns kam, war für uns zunächst auch nicht ersichtlich, was die Bewusstlosigkeit auslöst.“ Erst der unter die Haut implantierte Chip – ein Ereignisrekorder – habe dann im November das Problem ans Licht gebracht.

„Eine große Hilfe wäre es schon, wenn jeder Erwachsene in der Lage wäre, selbst seinen Puls oder den von anderen Menschen zu messen. Leider können das – obwohl es im Erste-Hilfe-Kurs für die Führerscheinprüfung verlangt wird – nur wenige“, benennt Dr. Gaspar ein aus seiner Sicht großes Problem.

„Zum einen kann man einen Defekt der Herzelektrik ausschließen, wenn der Puls bei einem Bewusstlosen normal ist. Zum anderen hilft das Pulsmessen Leben retten. Denn schlägt das Herz nicht, muss man den Betroffenen auf den Rücken legen und eine Herzdruckmassage machen.“

Patient merkt nicht, wenn Herzschrittmacher arbeitet

Gerd Nickl geht es jetzt mit seinem Herzschrittmacher nach eigener Aussage viel besser. „Der Schrittmacher ist so programmiert, dass er nur aktiv wird, wenn das Herz wirklich aussetzt. Der Patient selbst merkt nicht, ob der Schrittmacher arbeitet oder nicht“, erklärt der Herzspezialist.

Alle 6 bis 12 Monate werde der Herzschrittmacher kontrolliert. „Wir können hierbei auslesen, wie viel er gearbeitet hat.“ Die erste Kontrolle bei Herrn Nickl zeigte, dass der Schrittmacher schon im Einsatz war.

Von Catrin Steinbach

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