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Dresdner Hebammen planen Protestpicknick

„Unser Wissen stirbt aus“ Dresdner Hebammen planen Protestpicknick

„Uns gibt es noch. Wir sind noch da.“ Das sagt Constanze Hubricht, seit 2008 freiberufliche Hebamme. Großes Interesse an ihrem Berufsstand kann die 38-Jährige allerdings nicht erkennen. Auch deshalb organisiert sie gemeinsam mit Kolleginnen das Hebammenpicknick, das in diesem Jahr am 5. Mai stattfindet.

Etwa 100 bis 200 Teilnehmer werden beim diesjährigen Picknick erwartet.
 

Quelle: Stefan Schramm

Dresden.  „Uns gibt es noch. Wir sind noch da.“ Das sagt Constanze Hubricht, seit 2008 freiberufliche Hebamme. Großes Interesse an ihrem Berufsstand kann die 38-Jährige allerdings nicht erkennen. Auch deshalb organisiert sie gemeinsam mit Kolleginnen das Hebammenpicknick, das in diesem Jahr am 5. Mai stattfindet.

Frauen während der besonderen Zeit einer Schwangerschaft begleiten: Das war Constanze Hubrichts Wunsch, als sie sich für ihren Beruf entschied. Mit der eigentlichen Geburt aber hat ihre Arbeit nichts mehr zu tun. Grund sind exorbitante Versicherungskosten, die sie und viele ihrer Kollegen davon abhalten, weiterhin Entbindungen vorzunehmen. „Es ist tatsächlich schade, dass dieser Teil rausfällt, aber diese Summen wären für mich nicht bezahlbar", sagt sie. Kerngeschäft der freiberuflichen Hebammen ist deshalb die Betreuung der werdenden Mütter: Geburtsvorbereitung, Wochenbettbetreuung, Rückbildungskurse.

32 Euro etwa bekommt sie für einen Wochenbettbesuch. „Da muss man überlegen, wie viel man arbeitet, um seine Kosten zu decken.“ Fünf bis sechs Frauen betreut die 38-Jährige parallel – bereits schon recht lange vor der Geburt und zwölf Wochen danach. 16 Hausbesuche folgen nach der Entbindung, weitere acht bis zum Ende der Stillzeit. Eine angemessene Wertschätzung spürt sich nicht für ihre Arbeit. „Es ist frustrierend. Viele Familien setzen sich natürlich ein, dass sie auch von ihrer Hebamme entbunden werden, aber von der Politik oder den Krankenkassen kommt nichts“, sagt die Dresdnerin.

Sie geht sogar noch einen Schritt weiter: „Das Wissen der Hebammen stirbt aus.“ Grund ist fehlender Nachwuchs. Der Beruf sei ein unsicherer geworden, die Bezahlung mies. Dafür entscheidet sich kaum noch jemand. Auch Constanze Hubricht denkt inzwischen darüber nach, den Beruf zu wechseln, noch einmal etwas völlig anderes zu machen. „Ich möchte kein Millionär werden, aber am Ende des Monats muss etwas übrig bleiben“, sagt sie.

Jetzt richtet sie den Blick aber erst einmal gen 5. Mai. Zwischen 15 und 18 Uhr findet auf den Elbwiesen an der Augustusbrücke anlässlich des Internationalen Hebammentages das Dresdner Hebammenpicknick statt. 100 bis 200 Teilnehmer werden erwartet – Babys, Kinder, Mütter, Väter, Omas, Opas, Tanten, Onkels, Freunde und Verwandte. „Wir wollen eine breite Masse ansprechen und auf unsere Situation aufmerksam machen“, erklärt die 38-Jährige.

Von Christin Grödel

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