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Dresdner Handwerk boomt

Herbstkonjunkturanalyse Dresdner Handwerk boomt

Die Geschäfte im Dresdner Handwerk laufen gut wie nie, auch die Aussichten sind formidabel. Höchste Zeit, findet die Handwerkskammer, um heiße Themen anzufassen. Kammerpräsident Jörg Dittrich fordert, den Faktor Arbeit steuerlich zu entlasten.

Die Geschäfte im Dresdner Handwerk laufen gut wie nie, auch die Aussichten sind fast überall bestens.
 

Quelle: dpa

Dresden.  Lage, Stimmung, Inflation, Preise – alles im Aufwind. Das Dresdner Handwerk hat am Donnerstag die Herbst-Konjunkturdaten 2017 vorgestellt und bei der Stimmung schon mal ein neues Allzeithoch konstatiert. Das belegen die 63 Punkte, auf die der Geschäftsklimaindex geklettert ist – neun Punkte höher als im Frühjahr und sogar zwölf mehr als im Herbst 2016. Und: Auch für die Geschäfte bis zum Jahresende haben zwei Drittel der befragten Firmen positive Erwartungen.

Wieder Alltag: Warten auf den Handwerker

Kammer-Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski begründete die außergewöhnlich gute Stimmungslage vor allem mit Höchstwerten bei der Auslastung der Betriebe. Die liege derzeit bei durchschnittlich 90 Prozent. 71 Prozent der Firmen meldeten sogar eine vollständige bzw. fast vollständige Auslastung. Im Schnitt hätten die Unternehmen für neun Wochen Aufträge in den Büchern. Das merkt jeder, der heute einen Handwerker sucht: Die Wartezeiten sind enorm.

Angetrieben vom boomenden Wohnungsbau und Investitionen der öffentlichen Hand ziehen im Dresdner Raum vor allem das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe die Konjunkturlok an. Beide Bereiche stellen mit 60 Prozent die meisten Mitgliedsfirmen der Kammer. Gut ein Fünftel von ihnen hat Aufträge für mehr als elf Wochen in den Büchern. Allerdings erwarten viele Baufirmen im Winter Rückgänge – in erster Linie weil dann die öffentliche Hand in der Regel etwas erlahmt.

Bäcker und Fleischer erhöhen die Preise

Gesundheit- und Kfz-Gewerbe sehen sich ebenfalls gut aufgestellt, bei den Zulieferern und dem metallverarbeitenden Gewerbe zeigte die Stimmungskurve dagegen eher abwärts. Die Hälfte der befragten Firmen beklagt steigende Einkaufspreise (2016: 39 Prozent). 28 Prozent geben die gestiegenen Preise bereits an die Kunden weiter. An den bis Jahresende erwarteten Kostenerhöhungen wollen immerhin schon 38 Prozent der Firmen ihre Kunden beteiligen.

Besonders drastisch sieht das bei Bäckern und Fleischern aus, sagte Brzezinski: Jede zehnte dieser Firmen schätzt ihre Lage als kritisch ein, 80 Prozent rechnen mit steigenden Preisen, 60 Prozent wollen die auf die Waren aufschlagen.

Kammerpräsident Dittrich fordert fairen Wettbewerb

 Doch überwiegend, schätzte HWK-Präsident Jörg Dittrich ein, reitet das hiesige Handwerk die allgemeine deutsche Konjunkturwelle perfekt. „Das ist den Rahmenbedigungen geschuldet. Und harter Arbeit“, sagte er. Seiner Ansicht nach ist jetzt die Gelegenheit günstig, um über Themen zu reden, die in schlechten Zeiten als nicht machbar vom Tisch gefegt werden. Zum Beispiel über ungleiche Wettbewerbsbedingungen in Zeiten von Digitalwirtschaft und Online-Handel. „Damit das Handwerk auch zukünftig eine starke Kraft im regionalen Wertschöpfungsprozess bleibt, bedarf es der steuerlichen Entlastung des Faktors Arbeit und einer nachhaltigen Förderpolitik“, erklärte Dittrich am Donnerstag in Dresden.

„Wir können uns nicht auf Offshore-Inseln verdrücken“

Der Lohnkostenanteil am Gesamtumsatz liege im Handwerk bei 40 bis 45 Prozent – im Vergleich dazu bei einem international agierenden, hochtechnisierten Konzern wie Volkswagen bei gerade mal sechs Prozent. Von Giganten wie Google oder Facebook nicht zu reden. Dittrich rechnete vor, dass in dieser Konstellation die in Deutschland üblichen Sozialversicherungsbeiträge mit insgesamt 41,6 Prozent des Bruttolohns das Handwerk besonders hart treffen. „Hier ansässige Unternehmen können sich nicht auf irgendwelche Offshore-Inseln verdrücken, sie müssen die ganze Last tragen“, wetterte er.

Wieder im Spiel: Wertschöpfungsabgabe

Mit Blick auf prognostizierte Sozialversicherungsbeiträge von über 50 Prozent im Jahr 2030 fordert er, den Gesamtsozialversicherungsbeitrag zu senken. Da die automatisierte Produktion, die Plattformökonomie und der Online-Handel rasant wüchsen, in weiten Teilen für das derzeitige Steuer- und Abgabensystem aber nicht greifbar seien, mache sich die Handwerkskammer Dresden für eine grundlegende Neugestaltung des Sozialversicherungssystems stark. Eine Wertschöpfungsabgabe – also eine Abgabe, die in den 1970er Jahren schon einmal diskutiert worden ist, sich am Rohertrag eines Unternehmens orientiert und anstelle der derzeitigen Sozialversicherungsbeiträge erhoben werde – könne arbeitsintensive Branchen entlasten und Chancengleichheit herstellen, so Dittrich.

Auch eine Anhebung des Steuerfreibetrages, die Beseitigung der kalten Progression sowie die stufenweise Abschaffung des Solidaritätszuschlags gehören zum Forderungskatalog der Kammer.

Für die aktuelle Befragung wurden über 4300 der rund 22 300 Mitgliedsbetriebe befragt. Die Rücklaufquote lab bei 13 Prozent.

https://www.hwk-dresden.de/SekundarMenu/%C3%9Cber-uns/Die-Handwerkskammer

Von Barbara Stock

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