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Lokales Einigkeit soll Alleingang von AfD an den Rand drängen
Dresden Lokales Einigkeit soll Alleingang von AfD an den Rand drängen
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12:00 10.02.2019
Dresdner Hand in Hand – auch dieses Jahr erinnern die Einwohner mit einer Menschenkette an die Opfer der Zerstörung der Stadt und an die Verbrechen von Nationalsozialismus und Krieg. Quelle: Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Dresden

Das Dresdner Gedenken zum 13. Februar hat seine feste Form gefunden. Das meint Joachim Klose, der Moderator der Arbeitsgemeinschaft 13. Februar. Zum dezentralen Gedenken am Vormittag, der Menschenkette am Abend und anschließend dem „Dresdner Gedenkweg“ sowie dem Ökumenischen Friedensgottesdienst in der Kreuzkirche werden kommenden Mittwoch wieder Tausende Dresdner erwartet.

Dass man inzwischen auf „bewährte Formate“ zurückgreift, wie Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) es beschreibt, heißt aber nicht, dass die Stadt auf eigene Akzente zum Gedenken verzichtet. Versuchte man vor zwei Jahren mit der Busplastik „Monument“ auf dem Neumarkt einen Bezug zu gegenwärtigen Kriegen und dem mit ihnen verbundenen Leid herzustellen, geht es in diesem Jahr um eine ganz andere Verbindung.

Delegationen aus beiden Städten erwartet

Anlässlich des jeweils 60-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft zu Breslau und Coventry werden Delegationen aus beiden Städten anwesend sein. „Ein wesentlicher Punkt der Zusammenarbeit mit den Partnerschaftsstädten soll das Gedenken sein“, begründet OB Hilbert. Außerdem sei es ein starkes Zeichen für den Frieden, wenn Schüler aus einst im Weltkrieg verfeindeten Städten sich für gemeinsame Projekte zusammentun. Gemeint sind die etwa 30 Schüler der Cardinal Newman School, die zum Auftakt eines Schüleraustauschprojekts mit der 62. Oberschule Teil der Delegation sind. Sie werden sich auf dem Neumarkt auch an der Menschenkette beteiligen.

Diese bleibt „das richtige Symbol für die Menschen in dieser Stadt“, sagt Superintendent Albrecht Nollau von der AG 13. Februar. Im vergangenen Jahr reichten sich etwa 11 500 Menschen gegen 18 Uhr die Hand, um ihre Stadt symbolisch zu schützen, wie es OB Dirk Hilbert beschreibt. Für die in diesem Jahr leicht veränderte Strecke mit etwa vier Kilometer Länge wird die gleiche Anzahl Teilnehmer erwartet. Noch werden zudem einige Ordner gesucht, insgesamt 100 werden am 13. Februar auf sieben Informationspunkte verteilt.

Doppeldeckerbus als Begegnungsraum

Aktuelle Zeitbezüge stellt vor allem die Initiative Weltoffenes Dresden (WOD) her, ein Zusammenschluss von fast 100 Institutionen, der von Kunsthaus-Chefin Christiane Mennicke-Schwarz geleitet wird. Sie hat einen Doppeldeckerbus besorgt, „einen fahrenden“, wie Mennicke-Schwarz betont, der in der kommenden Woche mehrere Stadtteile anfährt und dort mit einer kleinen Ausstellung und Bibliothek als Begegnungsraum fungiert.

Dabei präsentiert das Goethe-Institut Filme, die sich mit Zensur in 20 Ländern beschäftigen, oder wird die nachkoloniale Geschichte Deutschlands thematisiert. Formate wie ein Tischtheater oder künstlerische Performances sollen sich eher an ein junges Publikum richten. Das Programm will WOD am Montag noch einmal konkret vorstellen.

„Geteilte Geschichte – gemeinsame Zukunft“

Das Motto des gemeinsamen Aufrufs zum 13. Februar heißt in diesem Jahr „Geteilte Geschichte – gemeinsame Zukunft“, wobei alle Beteiligten Wert auf die Gemeinsamkeit, auf Einigkeit legen. Dennoch bleibt nicht ausgeschlossen, dass es am 13. Februar wieder zu hässlichen Szenen kommt. Damals wie heute hatte sich die AfD nicht am gemeinsamen Gedenken beteiligen wollen und einen eigenen Stand auf dem Altmarkt angemeldet. Dort kam es 2018 zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Gegenprotest.

Sonderlich Beachtung schenken will Hilbert dem AfD-Alleingang jedoch nicht. „Es haben schon viele versucht, den 13. Februar zu instrumentalisieren. Das wollen die Dresdner nicht, sie werden mit den Füßen abstimmen“, meint er. Für die zum 15. Februar angekündigten Demonstrationen von Rechten und Linken in der Innenstadt sieht er die Stadt „gut gerüstet“. „Das hatten wir auch in den vergangenen Jahren gut im Griff.“

Programm zum 13. Februar

Sonnabend, 9. Februar

Frauenkirche, 20 Uhr: Ensembles der Frauenkirche spielen wiederentdeckte Werke von Cherubini

Sonntag, 10. Februar

Bahnhof Neustadt, 14 Uhr: Pfarrerin Frauke Fähndrich gedenkt der vor der Gedenktafel den Dresdner Juden, die vom oder über den Bahnhof Neustadt deportiert wurden

Frauenkirche, 18 Uhr: Gottesdienst mit Predigt „Versöhnung leben“

Montag, 11. Februar

Centrum-Galerie, Prager Straße, 10–20 Uhr: Gespräche, Diskussionen und Lesungen zum Thema Erinnern mit „Memore Pacem“ (bis 16. Februar, jeweils 10–20 Uhr)

Neumarkt, 12 Uhr: Eröffnung der Reihe „WOD on Tour“ des Bündnisses Weltoffenes Dresden, ab 14 Uhr Farbperformance der Dresdner Künstlerin Stephanie Lüning, 15–17 Uhr: kurze Gesprächsrunden an Tischen mit Mitgliedern des Staatsschauspiels

Kreuzkirche, 17 Uhr: Vorveranstaltung zur Ausstellungseröffnung von Künstlern aus Coventry und Dresden mit Friedensgebet und dem englischen Pfarrer Andy March, der aus seinem Buch „Dreams of Dresden“ liest. Er schildert Eindrücke seines Großvaters, der zur NS-Zeit in Dresden lehrte (mit Übersetzung)

Dienstag, 12. Februar

Altmarkt, 14–19 Uhr: Im Rahmen von „WOD on Tour“ spricht Lea Ringel zum Frauenwahlrecht, 15-17 Uhr: kurze Gesprächsrunden an Tischen mit Mitgliedern des Staatsschauspiels, ab 17 Uhr lesen Mitglieder der Landesbühnen aus Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“

Schillerschule, Fidelio-F.-Finke-Str. 15, 14.30 Uhr: Schüler aus Coventry und Dresden präsentieren vor Oberbürgermeister Hilbert und Gästen aus Coventry Ideen zum Frieden und lassen Luftballons mit deutsch-englischen Friedensbotschaften steigen

Busmannkapelle, Wilsdruffer Str. 24, 16.30 Uhr: Der Bischof aus Coventry übergibt das Nagelkreuz an die Kapelle

Frauenkirche, 18 Uhr: Andacht mit Zeitzeugen der Zerstörung

Kreuzkirche, 18 Uhr: Eröffnung der Ausstellung „Condition humaine“ von Künstlern aus Coventry und Dresden, die sich Menschen im Krieg widmet; die Bilder von Kerstin Franke-Gneuß, Lisa Gunn, Monika Marten und John Yeaden sind Montag bis Sonnabend 10–18 Uhr und Sonntag 12–18 Uhr zu sehen (bis 6. März).

Deutsches Hygiene-Museum, 19 Uhr: „WOD on Tour“ lädt zu Diskussion mit dem Thema „Tacheles zu Weimarer Verhältnissen“

Mittwoch, 13. Februar

Gedenkstätte ehemaliger Äußerer Matthäusfriedhof, Bremer Str. 18, 10 Uhr: Gedenken an die Weltkriegstoten und Rundgang durch deutsch-tschechische Schülerausstellung zum Thema Frieden

Neuer Katholischer Friedhof, Bremer Straße 20, 10 Uhr: Gedenken mit Fokus auf Seelsorger Franz Bänsch im Gefängnis am Münchner Platz

Sporergasse 10, 10 Uhr: Der Verein „Hatikva“ gedenkt deportierten Dresdner Juden

Urnenhain Tolkewitz, Wehlener Straße 15, 10 Uhr: Gedenken an die Euthanasieopfer aus Pirna-Sonnenstein

Alter Annenfriedhof, Eingang Chemnitzer Straße 32, Stilles Gedenken an die Opfer der Bombardierung Dresdens

Heidefriedhof, Moritzburger Landstraße 299, 11 Uhr: Gedenken für die Luftkriegstoten in der Feierhalle des Friedhofes mit den Gästen aus Partnerstädten und Musik

Frauenkirche, 12 Uhr: Wort und Orgelklang mit Friedensandacht, 15-22 Uhr: stilles Gedenken, 18.15 Uhr: Gedenkweg-Station, 18.20 Uhr: Wort und Orgelklang, ab 22 Uhr Nacht der Stille mit Einladung zum Gebet und Musik

Johannisfriedhof, Wehlener Straße 13, 15.30 Uhr: Stilles Gedenken an die Opfer der Bombardierung mit Schülern in der Feierhalle

Altmarkt, 17 Uhr: „WOD on Tour“ lädt Historiker Justus Ulbricht zum Gespräch über die Vieldeutigkeit des Altmarkts ein

Rathaus an der Goldenen Pforte, 17 Uhr: Auftakt der Menschenkette mit Chormusik und Ansprachen von Oberbürgermeister Dirk Hilbert und TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen, 17.30 Uhr: Gang zur Menschenkette, 18 Uhr: Zusammenschluss der Menschenkette und Kirchengeläut

Innenhof der Dresdner Synagoge, 18.15 Uhr: beginn des „Dresdner Gedenkwegs zur Versöhnung“ über unter anderem Frauenkirche, Altmarkt, Busmankapelle und Neumarkt (circa 20 Uhr)

Kreuzkirche, 18.30 Uhr: in Erinnerung an Rudolf Mauersberger führt der Kreuzchor sein „Dresdner Requiem“ auf

Altmarkt, 19 Uhr: Der Ex-Direktor der SLUB liest im Rahmen von „WOD on Tour“ aus „Victor Klemperer: Vertrieben in der eigenen Stadt“

Kleines Haus des Staatsschauspiels, Glacisstr. 28, 19 Uhr: Lesung „LTI: Lingua Tertii Imperii“ von Victor Klemperer im Rahmen von „WOD on Tour“, Eintritt 11 Euro

Societaetstheater, An der Dreikönigskirche 1a, 19 Uhr: das Zentrum für Politische Schönheit aus Berlin diskutiert den Einfluss künstlerischer Intervention in Zeiten eines gesellschaftlichen Rechtsrucks

Trinitatiskirchruine, Trinitatisplatz, 19 Uhr: Friedensandacht mit Pfarrer Tobias Funke

Kreuzkirche, 20.30 Uhr: Ökumenischer Friedensgottesdienst mit Bischöfen aus Coventry und Breslau sowie dem Breslauer Knabenchor

Alle Dresdner Kirchen , 21.45 Uhr: gemeinsames Geläut aller Kirchenglocken

Donnerstag, 14. Februar

Frauenkirche, 12 Uhr: Friedensandacht mit „Versöhnungsgebet von Coventry

102. Grundschule, Pfotenhauerstraße 40, 14–16 Uhr: kurze Gesprächsrunden an Tischen mit Mitgliedern des Staatsschauspiels im Rahmen von „WOD on Tour“, ab 14 Uhr Farbperformance mit der Dresdner Künstlerin Stephanie Lüning, 18.30–20 Uhr musizieren mit der Percussion-Gruppe „Singasylum“ und Chormitgliedern

Freitag, 15. Februar

Frauenkirche, 12 Uhr: Friedensandacht mit „Versöhnungsgebet von Coventry“, 20 Uhr: Die Sächsische Staatskapelle spielt „Klänge der Überwindung“

Eingangsbereich Kulturpalast, 13 Uhr: Mitglieder der Semperoper präsentieren einen Programmauszug aus „Lieder aus unseren Ländern“, 17 Uhr. Lesung aus Janne Tellers Roman „Krieg, stell dir vor er wäre hier“ (ab 12 Jahren) und aus Erich Kästners „Das Blaue Band“

Semperoper, 20.30 Uhr: Semperoper-Mitglieder singen im Rahmen von „WOD on Tour“ das Programm „Lieder aus unseren Ländern“, Eintritt 16 Euro, ermäßigt 8 Euro

Sonnabend, 16. Februar

Innenstadt, 14–19 Uhr: Die Initiative Weltoffenes Dresden ist mit einem Sonderbus und verschiedenen Veranstaltungen unterwegs

Frauenkirche, 20 Uhr: Daniel Hope und NFM Wroclaw Philharmonic spielen das Konzert „Wandlung I“

Sonntag, 17. Februar

Frauenkirche, 11 Uhr: Gottesdienst mit Erinnerung an Städtepartnerschafts-Jubiläum Coventry-Dresden

Von Uwe Hofmann

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