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Lokales Dresdner Friseure schneiden jungen Flüchtlingen die Haare
Dresden Lokales Dresdner Friseure schneiden jungen Flüchtlingen die Haare
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17:25 13.12.2015
Quelle: Tanja Tröger
Dresden

„Habt ihr ein paar Kissen zum Drunterlegen?“ Mit krummem Rücken und gezücktem Haarschneider steht Hans Giljana hinter einem Stuhl, auf dem ein junger Syrer sitzt und auf seinen „free haircut“ wartet. Doch die Sitzgelegenheit im improvisierten Friseursalon ist einfach zu niedrig. Also werden eilig ein paar Stuhlkissen geholt und übereinander gestapelt. Nun sitzt der junge Mann zwar wie ein Prinz auf der Erbse, aber Giljana kann loslegen: die Haare an den Seiten rasieren, das Deckhaar kürzen, am Ende noch ein wenig stylen. Der frisch gestutzte Kunde bedankt sich freudestrahlend mit einem lässigen Handschlag und einer Umarmung, und schon nimmt der nächste junge Flüchtling vor Hans Giljana Platz.

Gemeinsam mit seinen Kollegen Leo Oskotko und Stefan Richter schneidet der Dresdner Friseur an diesem Sonntagnachmittag minderjährigen Asylsuchenden die Haare – kostenlos. Dazu haben die drei ihr Handwerkzeug im Aufenthaltsraum des Jugendwohnprojektes an der Bremer Straße ausgebreitet, zwischen Billardtisch, Hantelbank und Lümmelsofa. Vier Teenager aus Afghanistan und Pakistan wohnen seit Februar 2015 in dem Haus gemeinsam mit deutschen Jugendlichen, betreut von Sozialpädagogen und Helfern der „Natürliches Erleben UG“. Aus dem Wohnprojekt Maternistraße ist heute zusätzlich noch ein gutes Dutzend Jungen gekommen, um ebenfalls einen professionellen Haarschnitt zu erhalten. Die Teenager kamen als sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland.

Die Dresdner Friseure Hans Giljana, Stefan Richter und Leo Oskotko haben jungen Flüchtlingen kostenlos die Haare geschnitten. Fotos: Tanja Tröger

„Ich will einfach mit meinen Mitteln etwas Gutes tun“, erklärt Hans Giljana seine Motivation für die kostenlose Haarschneide-Aktion. „Ich bin auch Flüchtling, ich hab das erlebt, was die Jungs erleben, und ich will etwas zurückgeben von dem, was ich bekommen habe.“ 1995 ist Giljana mit Mutter und Schwester aus dem Nordirak nach Syrien geflohen, im Folgejahr nach Deutschland gekommen. Inzwischen betreibt er in der Dresdner Neustadt eine Barbierstube. Als er von Haarschneideaktionen in anderen Großstädten hörte – beispielsweise stutzten in Hamburg 50 Friseure rund 300 Flüchtlingen die Haare – dachte er sich: Das kann ich auch machen! „Ein regelmäßiger Haarschnitt gehört schließlich zur Hygiene, aber die Jungs können sich das nicht leisten.“ Kurzerhand fragte Giljana seinen langjährigen Freund Ahmad Azad, der als Betreuungshelfer in der Bremer Straße arbeitet, und bekam das Okay. „Ich hoffe, dass ich mit der Aktion viele Dresdner ermutigen kann, ähnliche Sachen zu machen“, sagt Giljana. Wenn er Zeit findet, will er seinen Haarschneide-Marathon auf jeden Fall wiederholen.

Najib jedenfalls würde sich freuen – auch wenn er sich von Giljana nur die Haare an den Seiten rasieren ließ. Bloß nicht das Deckhaar stutzen! Das will der 16-Jährige aus Afghanistan wachsen lassen. Es soll wieder lang werden, wie er es früher getragen hat.

ttr

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