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Lokales Dresdner Friedenspreisträger Lucano in Haft
Dresden Lokales Dresdner Friedenspreisträger Lucano in Haft
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16:50 03.10.2018
Im Februar 2017 erhielt Domenico Lucano in der Semperoper den Dresdner Friedenspreis. Quelle: dpa
Riace

Er galt als Symbol für Toleranz und nahm in seinem Dorf Hunderte Migranten auf: Nun ist der Dresdner Friedenspreisträger von 2017 und Bürgermeister der süditalienischen Gemeinde Riace, Domenico „Mimmo“ Lucano, festgenommen worden. Ihm wird Begünstigung illegaler Einwanderung vorgeworfen, teilte die Finanzpolizei am Dienstag mit. Er wurde unter Hausarrest gestellt. Die Ermittler werfen ihm unter anderem vor, dass er zusammen mit seiner Partnerin Scheinehen von Migranten mit Einwohnern organisiert haben soll.

Lucano ist auch international bekannt geworden, weil er Hunderte Migranten in der Gemeinde mit weniger als 2000 Einwohnern untergebracht hatte. Es begann 1998 mit der Ankunft zahlreicher kurdischer Familien, die Lucano in leerstehenden Häusern des sich seit Jahren entvölkernden Ortes unterbrachte. Die neuen Bürger brachten auch neues Leben in den Ort. Vergangenes Jahr bekam Lucano für seinen Einsatz den Dresdner Friedenspreis.

Der Verein Friends of Dresden, der den mit 10 000 Euro dotieren Preis verleiht, solidarisierte sich mit Lucano. Er habe mit seinem Flüchtlingsdorf ein „Symbol der Mitmenschlichkeit“ geschaffen, sagte die Vorstandsvorsitzende Heidrun Hannusch. Es dränge sich der Eindruck auf, dass die neue populistische italienische Regierung gerade an ihm ein Exempel statuieren wolle. "Dass Innenminister Salvini ihn jetzt verhöhnt, scheint ein Indiz dafür. Wie wir erfuhren, formiert sich in Italien bereits Widerstand gegen Lucanos Verhaftung", so Hanusch. Man werde jede Möglichkeit nutzen, ihn zu unterstützen.

In Italien regiert seit Juni eine Koalition aus rechtspopulistischer Lega und Fünf-Sterne-Protestbewegung, die einen harten Anti-Migrations-Kurs fährt. Lega-Chef Matteo Salvini höhnte nach der Festnahme auf Facebook: „Wer weiß, was jetzt Saviano und alle anderen Gutmenschen sagen, die Italien wieder mit Migranten füllen wollen.“

Linkspolitiker und Menschenrechtsaktivisten in Italien kritisierten die Festnahme als politisch motiviert. „Die Regierung geht mit dieser juristischen Ermittlung (...) den ersten Schritt der Verwandlung von einer Demokratie in einen autokratischen Staat“, erklärte der Anti-Mafia-Autor Roberto Saviano, der sich für Rechte von Migranten einsetzt.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk erklärte, den Vorgang „mit Sorge“ zu beobachten. Lucano sei das Symbol eines Landes, das Migranten aufnimmt. In Rom kamen Aktivisten zudem zu einer Demonstration für „Mimmo“ vor der Papstbasilika Santa Maria Maggiore zusammen.

dpa

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