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Lokales Dresdner Frauenkirchen-Pfarrerin: „Wir müssen uns der Veränderung stellen“
Dresden Lokales Dresdner Frauenkirchen-Pfarrerin: „Wir müssen uns der Veränderung stellen“
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11:04 26.11.2017
Angelika Behnke Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Dresden

Die Pfarrerin der Dresdner Frauenkirche, Angelika Behnke, sieht einen Verlust des Wertebewusstseins in Deutschland. „Die Verständigung über Konventionen muss gepflegt werden“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Es geht um die Kultur des Aushandelns und die Entwicklung von Vorstellungen, wo es hingehen soll.“ Angesichts des Zustands der Politik sei der Vorwurf, es gebe keine Visionen, berechtigt. Die seien aber nötig, um Handlungsmöglichkeiten ableiten zu können. Vision brauche Kreativität und Freiräume, auch ungewohnte Wege zu gehen. „Wir müssen uns der Veränderung stellen.“

Behnke ist seit 1. Dezember 2016 die erste Pfarrerin in der Geschichte der Frauenkirche. Die aus Brandenburg stammende Theologin wurde bis 2022 berufen und wirkt neben Pfarrer Sebastian Feydt.

Der aktuelle Zustand der Gesellschaft sei gefährlich, „und das ist nicht nur ein Dresdner Phänomen“, resümierte sie ihr erstes Jahr an der Elbe. Die 44-Jährige hat Verständnis für die Sorge der Menschen um das, was sie kennen, wenn sie aus dem Gewohnten gerissen werden. „Wir müssen das Christliche als Basis wieder in ihr Bewusstsein bringen.“ Was Glauben stark mache, sei das Grundvertrauen, dass Veränderung auch die Chance auf einen Neuanfang bietet. „Dieses Grundvertrauen ist angekratzt.“

Der schnelle Wandel der Gegenwart überfordere die Menschen, sie klammerten sich noch mehr als bisher an das Gewohnte in der Hoffnung auf Sicherheit. Ihnen fehle das Grundvertrauen, dass im Glauben auch bedingungslose Liebe und Angenommen-Sein zu finden seien. Behnke verweist auf die Bibel, aus der Menschen Kraft schöpfen könnten, um trotz schwieriger Situation neue Dinge anzugehen. „Das gilt es, wieder ins Gedächtnis zu rufen.“

Sie setzt auf die Beständigkeit dieser Botschaft, die aktueller denn je sei. In der Form aber müsse man mit der Zeit gehen. „Damit tut sich die Kirche schwer.“ Behnke plädierte dafür, das gewohnte Gebäude mit gesundem Selbstbewusstsein zu verlassen. „Die interessanten Gespräche entstehen außerhalb der Kirche, in der Kneipe oder am Fließband.“ Auch in der Frauenkirche suchten die Menschen Stärkung, „weil wir Rituale anbieten und sie Empathie erleben“. Das könne Menschen überzeugen, sich in die Lage des anderen zu versetzen, der von der Gesellschaft enttäuscht ist.

Die Friedens- und Versöhnungsarbeit in dem Gotteshaus ist ihrer Ansicht nach noch wichtiger geworden. „Versöhnung beginnt im Kleinen mit Chancen, wieder neu anzufangen, dem Andersdenkenden doch die Hand zu reichen und das als schönes Gefühl zu erleben.“ Da sei Jeder gefragt. In Dresden sei die Stimmung relativ misstrauisch, man scanne sich im Privaten und Beruflichen ab. „Das macht es nicht einfach, offen miteinander umzugehen.“

Hasserfüllte Gesichter älterer Frauen angesichts einer Kunstaktion gegen den Syrien-Krieg erschütterten sie ebenso wie die Unzugänglichkeit für Dialog. Das gebe es aber nicht nur in Dresden und Sachsen. „Das betrifft ganz Deutschland und muss uns als Deutsche beschäftigen“, mahnte Behnke. „Ich wehre mich auch dagegen, das als Problem des Ostens abzustempeln.“ Sie sieht es als Herausforderung, die Botschaft der Frauenkirche zu stärken und vorzuleben. „Wer das sieht, kann sich auch herleiten, wo wir stehen.“

Von dpa

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