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Dresdner Fotokabinett Grunert meistert den Branchenwandel

Handarbeit in der digitalen Welt Dresdner Fotokabinett Grunert meistert den Branchenwandel

Fotokabinett Grunert – das stand nach der Wende für modernste Technik. Reporter, Zeitungshäuser, Agenturen standen Schlange, um in dem kleinen Laden in der Dresdner Neustadt Bilder entwickeln zu lassen. Die Digitalisierung aber machte das klassische Fotogeschäft zum Relikt.

Die Technik im Fotokabinett Grunert erlaubt auch Großformatdrucke.
 

Quelle: Frank Dehlis

Dresden. Fotokabinett Grunert – das stand gleich nach der Wende für modernste Technik. „Reporter, Zeitungshäuser, Agenturen – die standen alle Schlange, um in dem kleinen Laden an der Bautzner Straße und später hier im Neubau an der Rothenburger ihre Bilder entwickeln zu lassen“, erzählt Ute Grohmann, die heutige Chefin. Was sie nicht erwähnt, was aber wenigstens kurz gesagt gehört, ist, dass der damalige Firmeninhaber Horst Grunert seine MfS-Vergangenheit ausgesprochen effektiv in neuen Unternehmergeist umzumünzen verstand. Woher auch immer das Kapital dafür kam: Sein glänzender Erfolg gab Grunert Recht: Von überallher kamen Aufträge für sein frisch erworbenes Minilabor, seine Highend-Negativ-Scanner, seine Drucker, seine Laminiermaschine.

Ute Grohmann, von Hause aus Diplomingenieurin für Verfahrenstechnik, wollte eigentlich Ende der 1980er Jahre die namhafte Kamera-Werkstatt ihres Vaters Gerd Hempel in Kleinzschachwitz übernehmen. „Dafür hab ich extra vier Jahre lang bei Pentacon Dresden in der Technologieabteilung angeheuert“, erzählt sie. Doch mit der Wiedervereinigung platzte der Traum. Die Leute kauften nun andere Kameras, sie selbst vertrieb jahrelang welche im Außendienst. Dabei lernte sie auch Grunert als Geschäftspartner kennen und sagte Ja, als der sie 2005 wegen der Nachfolge ansprach.

Früher sah man den Kunden dreimal

Seit elf Jahren hat sie nun das Ruder in der Hand und steuerte die Vier-Mann-Firma erstaunlich sicher durch den radikalen Wandel der Branche. „Früher sah man den Kunden mindestens dreimal – erst kaufte er die Kamera, dann den Film, und schließlich holte er die Bilder ab“, sagt Utes Sohn Jörg (34), der seit April 2010 dabei ist. Die Digitalisierung aber machte das klassische Fotogeschäft handstreichartig zum Relikt. „Meine Mutter hat als eine der ersten die Hardware rausgeschmissen“, erzählt Jörg, noch heute beeindruckt von Utes Mut.

Von da an zählte nur noch eins: Dienstleistung, Dienstleistung, Dienstleistung. „Wir mussten uns unglaublich viel selber erarbeiten, Dinge, die man nirgendwo lernt. Zum Beispiel, wie wir die Farben an all unseren Geräten so kalibrieren, dass Computeransicht und ausgedrucktes Bild identisch sind. Oder welches Papier mit welcher Chemie die besten Ergebnisse erzielt. Welche Filter wir über die Bilder schicken, die bei uns alle einzeln von Hand bearbeitet werden“, schildert Jörg den irren Aufwand. Genau der aber ist es, der in Kombination mit enorm hochwertiger Technik das Labor noch heute zum Anlaufpunkt für all jene macht, denen Qualität wichtig ist.

Die kleine Firma erzielt nur einen geringen Teil des Umsatzes mit Rahmen und Fotoalben, um die 80 bis 90 Prozent dafür mit allen Dienstleistungen rund ums Foto. Allein die Passbilder, die hier günstig und gleich zum Mitnehmen sind, locken viele Kunden an – durchschnittlich 20 am Tag, schätzt Ute Grohmann. Dazu kommen Bewerbungsbilder und welche für Visaanträge – beide dauern länger. Parallel läuft von früh bis spät die Fotoausbelichtung per Hand von vor allem online eintrudelnden Aufträgen für Abzüge – „in einem perfekt ausgemessenen Umgebungslicht“, versteht sich.

„Als würden wir’s für uns selber machen“

„Wir erleben hier auch, wie die Kinder und Enkel unserer Kunden aufwachsen“, sagt Jörg Grohmann schmunzelnd, als der Bildschirm gerade einen blonden Dreikäsehoch zeigt. „So groß ist der schon...“, murmelt er kopfschüttelnd, ordnet ihn einem Dresdner Professor zu und dreht sich um zu etwas, das aussieht wie eine Wäschemangel. „Das ist der Mercedes unter den Laminiermaschinen“, erklärt der 34-Jährige begeistert wie jemand, der sein Lieblingsspielzeug herzeigt. Angeschafft vom Vorbesitzer Grunert, der damals die Oberflächen noch en masse beschichten musste, ist das Laminieren heute eher ein Add on. Unentbehrlich, wenn Unternehmen, Behörden oder Bildungseinrichtungen plakatgroße Aufnahmen brauchen, die glänzen oder abwischbar sein oder draußen hängen sollen. Großkunden wie die TU Dresden oder die Staatskanzlei hat das kleine Unternehmen einige, Grohmanns freuen sich, wenn die Mund-zu-Mund-Propaganda sie immer wieder mit neuen kniffligen Aufgaben versorgt.

Am wichtigsten aber ist den beiden, „keinen Kunden unzufrieden wegzuschicken, vernünftige Produkte zu vernünftigen Preisen anzubieten“, formuliert es Chefin Ute. „Wir tun eigentlich immer so“, bringt es ihr Sohn Jörg auf dem Punkt, „als würden wir die Bilder für uns selber machen“.

Von Barbara Stock

Dresden,Rothenburger Str. 6-8 51.063447 13.752209
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