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Dresdner Forscher wollen die soziale Dividende der Natur ausmessen

„MaGICLandscapes“ Dresdner Forscher wollen die soziale Dividende der Natur ausmessen

Wieviel tragen nahe Naturparks wie die Sächsische Schweiz zur Gesundheit und Lebensqualität der Menschen in der nächsten Großstadt bei? Ein internationales Forscherteam unter Dresdner Leitung will diese gesellschaftliche Dividende mess- und zählbar machen, damit auch europaweite Vergleiche möglich werden.

Wieviel tragen nahe Naturparks wie die Sächsische Schweiz zur Gesundheit und Lebensqualität der Menschen in der nächsten Großstadt bei?
 

Quelle: dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert

Dresden.  Wenn Straßenbäume steinerne Hausschluchten grün kolorieren, freuen sich die meisten Stadtbewohner unwillkürlich. Holt man im Stadtpark tief Luft, kann das Labsal für die smoggeplagte Lunge sein. Und wenn der Dresdner Besuch von auswärts bekommt, weist er seine Gäste eher oder später auf die Naturschönheiten der Sächsischen Schweiz hin. Was indes der eine als wohltuend, als Bereicherung der eigenen Wohnqualität empfindet, mag dem nächsten selbstverständlich oder dem von vielen Fernreisen verwöhnten Touristen als völlig unzureichend erscheinen.

Ein internationales Team von Geowissenschaftlern, Naturschützern, Biologen, Chemikern und Verwaltungs-Mitarbeitern hat deshalb nun das länderübergreifende Projekt „MaGICLandscapes“ (Managing Green Infrastructure in Central European Landscapes) gestartet. Unter Leitung des Geofernerkunders Prof. Elmar Csaplovics von der TU Dresden wollen die acht Partnerinstitutionen aus sechs Ländern gemeinsam Methoden entwickeln, um den ökologischen, sozialen und gesundheitlichen Nutzen intakter Naturräume messbar und international vergleichbar zu machen.

„Durch MaGICLandscapes machen wir erstmals in Zentraleuropa den gesellschaftlichen Nutzen von grüner Infrastruktur und somit einer intakten Natur grenzüberschreitend messbar und in weiterer Folge vergleichbar“, betonte Professor Csaplovics. „Bisher wurden dafür in jedem Land unterschiedliche Herangehensweisen und Bewertungsmaßstäbe angewendet.“ Im Übrigen sei die grüne Infrastruktur „eine Schlüsselstrategie in den Agenda der Europäischen Landschaftskonvention“. Ein wichtiges Ziel des Projektes sei es daher, den Wert von „Natur-Kapital … für die Entwicklung des Gemeinwohls und damit für die Bewahrung einer hoher Lebensqualität“ auch für politische Entscheider greifbarer zu machen.

Sind diese Standards erst einmal formuliert, plant das interdisziplinäre Team neun Fallstudien in Deutschland, Österreich, Italien, Tschechien und Polen. In fünf Kulturlandschaften von der Sächsischen Schweiz und vom Riesengebirge bis zu den Flusslandschaften des Po im italienischen Piemont wollen die Forscher bis zum Sommer 2020 die neuen „Naturwert“-Messmethoden in der Praxis erproben. Sie möchten dadurch die gesellschaftliche Dividende von „grünem Naturkapital“ für Städte und Dörfern, aber auch für ganze Landstriche messbar machen – und dies grenzübergreifend und möglichst objektiv. Letztlich hoffen die Wissenschaftler, dass die „MaGICLandscapes“-Erkenntnisse in künftige Naturschutz-Standards einfließen.

Dotiert ist das Projekt mit 2,1 Millionen Euro. Am 19. September wollen sich erstmals alle Projektpartner in Dresden zu einem „Kick-Off Meeting“ treffen.

Mehr Informationen im Netz: tinyurl.com/ycthkjhd

Von Heiko Weckbrodt

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