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Lokales Dresdner Forscher wollen Radfahrer durch Smartphone-Daten gläsern machen
Dresden Lokales Dresdner Forscher wollen Radfahrer durch Smartphone-Daten gläsern machen
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13:09 28.03.2018
Im Stadtbild wegen kalter Temperaturen vermummt, in Planungsfragen eine unbekannte Größe – Dresdens Radler sind ein Forschungsgegenstand. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

„Ich habe mir immer den gläsernen Radler gewünscht“, sagt Dresdens Radverkehrsbeauftragte Nora Ludwig. Bisher vergeblich. Zwar unterhält die Stadt sieben Dauerzählstellen im Stadtgebiet, die das ganze Jahr über vorbeifahrende Radler erfassen. Wie viele Radler in Dresden wann und wo welche Wege zurücklegen sei aber nach wie vor ein großes Mysterium, sagt Ludwig. Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden (TU) wollen das nun ändern.

Zu ihnen gehört der Verkehrsingenieur Sven Lißner, der sich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Verkehrsökologie seit 2016 intensiv mit Radverkehr auseinandersetzt. Ergebnisse seiner Arbeit, einer Studie, die sich mit „Chancen und Risiken crowdsourcing-gestützter Ansätze in der Radverkehrsplanung“ beschäftigt, hat er am Dienstagabend im Rahmen des Dresdner Energiedialogs vorgestellt. Die Forscher wollten dabei zeigen, dass im Smartphone von Radlern aufgezeichnete GPS-Daten einen enormen Nutzen für die Radwegsplanung haben. „Bisher können wir immer nur eine Angebotsplanung machen, weil wir nicht wissen, wo wieviele Radfahrer unterwegs sind“, sagt Radverkehrsbeauftragte Ludwig zum Ausgangsproblem.

In Apps sind schon jetzt Radler-Daten auf dem Markt

Dabei sammeln derzeit mehrere Radler-Apps, die schon auf dem Markt sind, von Radlern freiwillig aufgezeichnete Daten, wie Diplom-Ingenieur Lißner sagt. Die Szene spricht vom „Tracking“, bei dem zurückgelegte Wege und Zeiten registriert werden, was Läufer und Radler vor allem zum Leistungsvergleich nutzen – jeder Radler steht dabei im Wettkampf mit anderen Nutzern auf der ganzen Welt. Eine dieser Apps ist Strava. Sie ist Anfang des Jahres in die Schlagzeilen gekommen, weil US-Soldaten durch ihre fleißige Nutzung als Jogger und Radler ungewollt die Lage und den Grundriss geheimer US-Militärbasen in Afghanistan und Syrien offenbart hatten. Ihre Wege ließen sich auf einer sogenannten Heatmap zu klar nachvollziehen. Die TU hat einen Datensatz mit 320 000 Radlerfahrten von 70 000 Nutzern in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gekauft und gezeigt, dass sich diese durchaus sinnvoll nutzen lassen.

Auch wenn die Nutzerzahl von Tracking-Apps unter den Dresdnern mit etwa einem Prozent nicht repräsentativ sei, lässt sich damit schon jetzt ein regelrechtes Radlernetz für die Stadt abbilden, wobei auch Probleme sichtbar werden. So habe sich beim Körnerweg eine regelrechte „Lücke“ aufgetan, wie Lißner sagt. Nur 30 Prozent der Radler, die zuvor auf dem Elberadweg unterwegs seien, befahre auch den Körnerweg, sagt er. Doch auch ein weniger bekanntes Problem im Radwegenetz lässt sich in den Strava-Daten recht gut nachvollziehen. So gebe es mit dem Weißeritz-Radweg eine für Radler eine ganz bequeme Verbindung, wie Lißner sagt. Nur werde sie kaum genutzt. „Die meisten Radfahrer fahren weiter entlang der Löbtauer und Freiberger Straße, die parallel verlaufen“, sagt er. Grund: Der Weißeritz-Radweg sei nur schwer zu finden und nicht gut genug ans Radwegenetz angebunden, wie Radverkehrsbeauftragte Ludwig sagt. Ein ziemlich eindeutiger Befund, der sich mit den GPS-Daten der Strava-Nutzer ganz gut untermauern lasse.

Vor allem Alltagsradler sind unbekannt

Die Daten der Tracking-App haben allerdings einen großen Nachteil: Sie sprechen eher sportliche Nutzer an und unter ihnen zu 80 Prozent Männer. Um auch den Alltagsradler zu erfassen, will man nun auf eine andere App zurückgreifen. Wenn alles klappt, sollen Teilnehmer des Stadtradelns, das in diesem Jahr vom 18. Juni bis 8. Juli stattfindet, über die App „RADar“ ihre Daten zur Verfügung stellen. Dabei werde man sehr stark auf Datenschutz achten, verspricht Lißner. „Nur fünf Mitarbeiter an der TU haben Zugriff auf die Daten“, sagt er. Nach drei Jahren sollen sie gelöscht werden. Vorteil des Stadtradelns sei, dass dabei das Geschlechterverhältnis ziemlich repräsentativ sei und der Wettkampfgedanke nicht allzu sehr im Vordergrund stehe, sagt Lißner. Im vergangenen Jahr legten bei der Aktion 4869 Dresdner 777 005 Kilometer im Fahrradsattel zurück.

Plan ist es, in diesem Jahr Stadtradeln-Daten in vier Pilotkommunen, darunter Dresden, zu sammeln und auszuwerten. 2019 soll das Movebis getaufte Projekt, an dem neben TU und dem hinter der Aktion Stadtradeln stehendem Klima-Bündnis auch die TU-Ausgründung Cyface beteiligt sind, auf 20 Kommunen ausgeweitet werden, und 2020 dann bundesweite Forschung ermöglichen. Ziel sei es dabei auch, Datenstandards zu definieren und die Auswertung, die derzeit zum Beispiel in Sachen Wartezeiten an Ampelkreuzungen hakt, zu verbessern. Ein einigermaßen ehrgeiziger Zeitplan, von dem derzeit noch nicht ganz sicher ist, ob er eingehalten werden kann.

Auch die Verwaltung muss den Radlern etwas bieten

Kommt es wie geplant, hat die Stadtverwaltung davon nicht nur Nutzen, indem sich etwa der Erfolg erledigter Bauarbeiten anschließend durch das Nutzungsverhalten kontrollieren lässt. Sie müsste auch investieren. Denn die App „RADar“ ist auch dafür gedacht, Beschwerden von Radlern aufzunehmen. „Das muss dann hinterlegt sein, sonst funktioniert es nicht“, sagt Ludwig. Bedeutet: Angaben zu Scherben oder Schlaglöchern auf Radwegen etwa müssen auch von der Verwaltung aufgenommen und verarbeitet werden, wenn sie über die App mitgeteilt werden. Sollte das System entsprechend funktionieren, wäre auch die ganzjährige App-Nutzung und damit die stetige Datenerfassung denkbar. Lißner ist jedenfalls der festen Ansicht, dass die Handydaten von Radlern in Zukunft eine große Rolle spielen können. Angedacht sei etwa auch, die Erschütterungssensoren von Smartphones zu nutzen, um den Zustand von Radwegen zu kartografieren – Holperstrecken könnten sich in entsprechenden Karten auch als solche ausweisen können, mit entsprechenden Folgen für Radwegs-Prioritätenlisten, Routenplanung und Neubauvorhaben. Vom unbekannten Wesen könnten die Radler zu dem am besten erforschten im Stadtverkehr werden.

Von Uwe Hofmann

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