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Lokales Dresdner Forscher will Autos durch "Tracer" ersetzen
Dresden Lokales Dresdner Forscher will Autos durch "Tracer" ersetzen
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11:00 28.09.2017
 Wird "Trace" verwirklicht, kaufen sich die Menschen Kabinen statt Autos und bestellen dann nur je nach Reisezweck passende fahrbare Untergestelle, die sie autonom von A nach B bringen.  Quelle: TU Dresden, ILK
Dresden

Statt Menschen in Vakuum-Röhren von Stadt zu Stadt zu schießen wie beim „Hyperloop“-Projekt hat Leichtbau-Professor Hubert Jäger von der TU Dresden nun eine neue Idee ersonnen, um die Sachsen besser und schneller mit der Welt zu vernetzen. Sein Mensch-Container-System namens „Trace“ („My Travelling Space“) soll Menschen in persönlichen Kabinen über kurze Distanzen wie auch auf Fernreisen transportieren - mit Tempo 350.

Und: Das hochautomatisierte Trace-Transportsystem soll Autos, Staus in Innenstädten und Parkplatzsuche weitgehend überflüssig machen. „Autos zu kaufen, ist eine emotionale Angelegenheit“, ist Jäger überzeugt, der sich selbst aus nostalgischen Gründen ein Hobby-Auto leistet, wie er sagt. „Aber wirtschaftlich gesehen ist ein Autokauf eigentlich Blödsinn.“ Denn Kosten und Nutzdauer stehen in keinem sinnvollem Verhältnis, so argumentiert der Professor. Die meiste Zeit stehen Privat-Pkw ohnehin nur herum – oder sind damit beschäftigt, einen Parkplatz zu finden.

Diese Ressourcen-Verschwendung will der Chef des Dresdner Instituts für Leichtbau- und Kunststofftechnik (ILK) mit Trace bekämpfen, ohne dass der gemeine Deutsche sein geliebtes Maß individueller Individualität aufgeben muss wie im Zug oder Flugzeug.

Das Konzept: Wer nach Berlin, Paris oder einfach nur zum Lieblings-Restaurant ins Stadtzentrum will, nimmt in Zukunft in einer speziellen Sitzecke in seinem Wohnzimmer Platz, fordert per Smartphone-App einen Transport an – und binnen Minuten düst ein autonom navigierendes Fahrgestell heran, buckelt die ganze Sitzecke auf und rast damit zum Ziel. Zu langen Würmern gekoppelt, könnten sie auf Hochstrecken neben den Autobahnen auch mit sehr hoher Geschwindigkeit fahren. Dabei müssen sich die Insassen nicht ums Steuern kümmern, sondern können während der Reise entspannen, spielen oder Büroarbeiten erledigen.

„Die Kabinen sind Ihr eigen und Sie können sie ganz nach ihrem Geschmack gestalten“; schildert Jäger seine Vision. „Wenn Sie Leopardenfell haben wollen – bitteschön. Wenn Sie ein fahrendes Büro mit OLED-Beleuchtung möchten – auch gut.“ Abgestellt werden könnten die persönlichen Trace-Kabinen direkt in den Häusern – als Teil von Büros oder Wohnzimmern. Die fahrbaren Untersätze hingegen sind Teil einer öffentlichen Infrastruktur. Dadurch, dass sie jede Kabine aufpacken können wie einen Standard-Frachtcontainer, soll auch die Auslastung dieser Fahrgestelle sehr hoch sein –zum Nutzen der Umwelt und Stadtgesellschaft.

Bis 2020 will Jäger die ersten funktionierenden Trace-Transporter fertig haben und dann auf Testparcours in Sachsen rollen lassen. Für die rollenden Untersätze sollen Varianten mit Elektro-, Brennstoffzellen- und Verbrennungs-Antrieben entstehen. Jägers Ziel ist auch eine Produktion dieser neuen Verkehrsmittel in Dresden beziehungsweise Sachsen nach dem Motto: „Hier ersonnen, hier gebaut.“

Von Heiko Weckbrodt

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