Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Dresdner Forscher warnt vor Blackout
Dresden Lokales Dresdner Forscher warnt vor Blackout
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:40 15.08.2017
Neue Leitungen braucht das Land. Quelle: dpa
Anzeige
Dresden

Der Katastrophenschutz der Landeshauptstadt Dresden bereitet sich intensiv auf einen flächendeckenden Stromausfall vor. Das erklärte jüngst Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) gegenüber DNN, und von der Wissenschaft erhält er Zustimmung. „Man muss solche Szenarien üben und investieren, damit man für so einen Fall gerüstet ist“, sagt Professor Peter Schegner, Inhaber der Professur für Elektroenergieversorgung an der Technischen Universität und Direktor des Instituts für Elektrische Energieversorgung und Hochspannungstechnik.

Seitdem Deutschland verstärkt auf Erneuerbare Energien setzt, sei das Risiko eines flächendeckenden Stromausfalls, eines sogenannten Blackouts, deutlich gestiegen. Ursache dafür sei der Zustand der Stromnetze. „Der Netzausbau hält nicht mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien Schritt. Die Schere geht immer weiter auseinander.“ Die meisten Windkraftanlagen würden im Norden Strom erzeugen. Die großen Verbraucher dagegen im Süden angesiedelt sein. Der „saubere“ Strom muss von Nord nach Süd transportiert werden.

Der Transport würde über wenige Hauptleitungen erfolgen, so der Wissenschaftler. Diese würden nach dem Prinzip „n minus 1“ betrieben. Sollte eine Leitung ausfallen, könnten die anderen vorübergehend mit mehr als 100 Prozent gefahren werden. „Jetzt wird diskutiert, diese Betriebsweise zu verlassen.“ Man gehe auf „n minus 0“ über. Die Leitungen werden bis an die Grenze ausgelastet.

Vorteil der Betriebsweise: Die Windkraft muss nicht mehr so stark abgeregelt werden, wenn mehr Strom erzeugt wird, als nach Süden transportiert werden kann. Im Süden müssen die Gaskraftwerke seltener hochgefahren werden, um den zusätzlich benötigten Strom zu erzeugen. Der Verbraucher wird nicht über Gebühr belastet. Nachteil: Die Gefahr von netzbedingten Stromausfällen steigt.

Eigentlich, so Schegner, müssten weitere Nord-Süd-Versorgungstrassen errichtet werden. „Diese Transportleitungen sind zwar geplant, aber sie finden keine Akzeptanz. Der Netzausbau kommt nicht voran.“ Beispielsweise würden Anwohner ihr Veto gegen den Trassenverlauf einlegen.

Die Wirkung eines flächendeckenden Stromausfalls wäre verheerend. „Stellen Sie sich nur vor, was passiert, wenn im Zentrum von Dresden der Strom ausfällt. Rolltreppen bleiben stehen, Türen öffnen nicht mehr, Kassen funktionieren nicht“, erklärt der Institutsdirektor. Wenn die ganze Stadt betroffen wäre, würde die Kommunikation zusammenbrechen – Festnetz, Handynetz, Internet, alle Systeme wären lahmgelegt. Die Krankenhäuser würden zwar über eine Notstromversorgung verfügen, aber die sei zeitlich begrenzt. Nicht einmal Gas- oder Erdwärmeheizungen würden funktionieren, denn die Pumpen und die Steuerung seien auf Strom angewiesen.

„Maßnahmen nach einem Stromausfall sollten regelmäßig geübt werden, weil sich die technischen Systeme ständig ändern“, empfiehlt der Professor. Neben einem großflächigen Netzausfall bestünde auch das Risiko einer Cyber-Attacke, eines Angriffs auf die Steuerung der Netze aus dem Internet. „Das halte ich für weniger realistisch, weil die Netzbetreiber auf diesem Gebiet sehr, sehr restriktiv sind“, so Schegner.

Die Dresdner Stadtwerke (Drewag) befassen sich mit mehreren Szenarien, bestätigte Geschäftsführer Reinhard Richter auf Anfrage der DNN. So sei der Aufbau einer Insellösung über das Kraftwerk Nossener Brücke ein Thema. „Das funktioniert aber nur, wenn die Gasleitungen nicht gekappt werden.“ Wenn Gas anliege, könnten die Drewag, zumindest teilweise, einen technischen Blackout ausgleichen, indem das Kraftwerk zur Stromerzeugung genutzt und das Netz sukzessive aufgebaut werde.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Erst zu Beginn dieses Jahres wurde der Hermann-Krone-Bau auf dem Campus der Technischen Universität Dresden an der Nöthnitzer Straße eröffnet, nun erhält das Gebäude bereits eine renommierte Auszeichnung.

15.08.2017
Lokales Cocktail-Profis, „Spicehunter“ und Sommerparty - „Genusswelten“ geben sich als Festival des guten Geschmacks

Ein Fest für alle Sinne versprechen die „Genusswelten“, die am 26. und 27. August im Ostrapark stattfinden. Allen voran sollen die Besucher kulinarisch verführt werden: Restaurants, Spitzenköche und Feinkostspezialisten bieten Gerichte zu kleinen Preisen an, sieben Winzer laden zu spannenden Verkostungen.

15.08.2017
Lokales Dresdner Original gestorben - Drehorgel-Schalk ist tot

Der Drehorgelspieler vom Theaterplatz Jochen Schalk ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb er bereits am 12. Juli 77-jährig. Jochen Schalk war vor allem mit seiner Drehorgel namens „Katharina“ zu einem Dresdner Original geworden. Zahllose Dresdner und Touristen werden ihn in all den Jahren aufs Foto gebannt haben.

15.08.2017
Anzeige