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Lokales Dresdner Forscher bekämpfen Aids-Erreger mit molekularer Schere
Dresden Lokales Dresdner Forscher bekämpfen Aids-Erreger mit molekularer Schere
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21:36 09.09.2015
Der Molekularbiologe Frank Buchholz (r), Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik und Professor für Medizinische Systembiologie am Universitätsklinikum Dresden und der Virologe Joachim Hauber. Quelle: dpa

Molekularbiologen am Universitäts KrebsCentrum (UCC) der Medizinischen Fakultät der TU Dresden züchteten dafür über Jahre ein Enzym, das HI-Viren in Zellen erkennt und aus dem Erbgut infizierter Zellen ausschneidet. Gemeinsam mit Kollegen vom Hamburger Heinrich Pette Institut - Leibniz Institut für Experimentelle Virologie gelang es dann, die Infektion bei Labormäusen zu behandeln.

„Es gibt verschiedene Methoden und ähnliche Ansätze, aber das Virus aus der infizierten Zelle herauszulösen, ist bisher einmalig“, sagt der Leiter der dortigen Abteilung Antivirale Strategien, Professor Joachim Hauber. Es ist nach seinen Angaben der bisher einzige Ansatz, bei dem eine Infektion wieder rückgängig gemacht wird und die behandelte Zelle dabei gesund überlebt. Ob das auch beim Menschen funktioniert, kann sich nur in klinischen Studien erweisen. Dafür fehlt den Forschern aber das notwendige Geld.

Die „molekulare Schere“ könnte in zehn Jahren ausgereift sein, sagt der Dresdner Teamchef Professor Frank Buchholz. Damit wäre eine somatische Gentherapie möglich. „Patienten wird Blut entnommen, daraus isoliert man die blutbildenden Stammzellen.“ Mit Hilfe eines Gen-Vektors werde dort dann im Labor der Bauplan für die Gen-Schere eingeführt. Da der Patient eigene genetisch veränderte Blutzellen zurückbekommt, gibt es laut Buchholz keine Abstoßungsreaktionen.

Die Forscher gehen davon aus, dass dann nach und nach immer mehr genetisch veränderte Immunzellen heranwachsen und so das Blutsystem erneuert wird. Die geheilten Zellen könnten dann ihre Aufgabe im Immunsystem verrichten, was langfristig zu einer Heilung beitragen könnte, sagt Buchholz. Bei den Mäusen sei das zumindest teilweise gelungen. „Die Virusmenge nahm deutlich ab oder war im Blut gar nicht mehr nachweisbar“, berichtet Hauber. Aber wegen der relativ kurzen Lebensdauer der Labormäuse habe das Tiermodell Grenzen.

Auch der Bonner Professor Jürgen Rockstroh hält die Ergebnisse für vielversprechend genug, um eine Weiterentwicklung anzuregen. „Es ist eine der aufregendsten Sachen überhaupt“, meint der frühere Präsident der Deutschen Aids-Gesellschaft. „Es gibt eine vage Hoffnung auf Heilung, aber das wird erst bewiesen werden müssen.“

Obwohl Ansätze der Gentherapie bisher vielfach wenig erfolgreich verliefen, sollte diese Idee des Herausschneidens von DNA-Stücken aus der Erbsubstanz weiterverfolgt werden, meint auch der Sprecher des Kompetenznetz HIV/Aids, Professor Norbert Brockmeyer. Gelinge es, damit erfolgreich menschliche Zellen zu behandeln, wäre es ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Heilung. „Es ist sicher noch eine Forschung von 10 bis 15 Jahren nötig, bevor das in der Klinik ist.“

Das Dresdner Team hatte 2007 das natürliche Enzym durch Mutationen und Selektionen so gezüchtet, dass es das HI-Virus erkennt - über fünf Jahre und 120 Evolutionszyklen. „Der HI-Erreger gehört zu den Retroviren, die die Erbsubstanz in die DNA der infizierten Zellen einfügen“, erklärt Buchholz. Bestimmte Enzyme, Rekombinasen, könnten den DNA-Strang aber zerschneiden und neu zusammensetzen. Den Forscher gelang es, sie so zu manipulieren, dass sie eine Wunschsequenz erkennen und präzise entfernen können. „Das Verfahren ist zum Patent angemeldet.“

Mit einer Breitband-Schere können laut Hauber mehr als 90 Prozent der bekannten HI-Viren bekämpft werden. „Der entscheidende Schritt aber, die Erkenntnisse an die Patienten zu bringen, sind klinische Studien, und da stehen wir an.“ Bei der Überführung von Forschungserfolgen in die Klinik hake es in Deutschland. „Das Potenzial wird nicht genutzt“, kritisiert Hauber. So zeige auch die Pharmaindustrie bisher wenig Interesse an einer potenziell heilenden Aids-Therapie. Daher hoffen Hauber und Buchholz auf Sponsoren und öffentliche Mittel.

Simona Block, dpa

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