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Lokales Dresdner Firma baut Liebesspielzeuge mit Raumfahrt-Technik
Dresden Lokales Dresdner Firma baut Liebesspielzeuge mit Raumfahrt-Technik
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10:20 04.11.2016
Ingenieurin Julia Rysse  Quelle: Anja Schneider
Dresden

Wenn sich der Liebhaber bewegt wie ein Elektromotor und brummt wie eine Rüttelplatte auf dem Bau, ist die erotische Ernüchterung nicht weit. Das muss nicht sein, fanden die Ingenieurin Julia Ryssel und der Designer Martin Cirillo-Schmidt. Sie gründeten im Herbst 2015 in Dresden die Firma Laviu und konstruierten mit intelligenten Supermaterialien den „Laviu One“, das „erste lautlose, pulsierende Love Toy der Welt“, wie Ryssel es formuliert, um derbere Worte zu meiden. Profaner gesagt: einen Hochtechnologie-Dildo, der geräuschlos seine Form ändert, wenn sich frau mit ihm vergnügt. Der soll sich im Einsatz ähnlich „zart und natürlich“ anfühlen wie ein echter Liebhaber.

Möglich machen das „Smart Materials“, intelligente Werkstoffe, die ihre Form verändern, wenn man Strom anlegt. Verbaut sind solche Materialien zum Beispiel in Raumsonden, die damit ihre Sonnensegel ausrichten. „Im Vergleich zu einem Elektromotor sehr präzise und mit weniger Energieverbrauch“, sagt die 29-jährige Diplomingenieurin für Keramik- Glas und Baustoffforschung, die ihren Job an der Uni Freiberg an den Nagel hängte, um sich mit hochtechnologischem Liebesspielzeug selbstständig zu machen.

Was sich in der Luft- und Raumfahrt bewährt hat, soll also nun für bessere Orgasmen auf Erden sorgen. Um das sexy Design kümmerte sich Martin Cirillo-Schmidt. Den technologischen Part hat Ingenieurin Ryssel übernommen. Dank eines ungenannten Senior-Unternehmers („Business Angel“) bekamen die beiden auch genug Startkapital zusammen, um erste Protoptypen zu bauen und an Freundinnen zur praktischen Probe zu versenden. Die Resonanz sei „sehr positiv“ gewesen, erzählt die Laviu-Chefin.

Nun ringen die Beiden um Geld für eine Serienproduktion. Statt eine eigene Liebesspielzeug-Fabrik in Dresden hochzuziehen, delegiert Laviu die Produktion an spezialisierte Auftragsfertiger. Die haben nämlich Maschinen, auf denen sich bei Bedarf Millionen Dildos herstellen lassen. Doch dafür braucht Laviu erst einmal mehr Kapital. Und das soll nun der Internetschwarm zusammenkratzen.

Die Idee elektrisierte tatsächlich auch schnell weitere Ladys: Binnen 24 Stunden, nachdem sie am Dienstag das Konzept auf die Schwarmfinanzierungs-Plattform „Indiegogo“ publiziert hatten, bestellten über 100 Frauen (und Männer?) Laviu-Liebesspielzeuge im Gesamtwert von über 10 000 Euro. Unter dem begrüßenswerten Motto „Sex für alle!“ wollen die Ingenieurin und der Designer bis Jahresende mindestens 20 000 Euro über diese „Crowdfunding“-Kampagne einsammeln. Die Lieferung der ersten Exemplare versprechen sie für das Frühjahr 2017. Dann soll auch der Internet-Laden online gehen, der ihre Geräte zunächst im deutschsprachigen, dann im EU-Raum verticken soll.

Und das ist erst der Anfang, wenn es nach den beiden Gründern geht: Sie planen, bis Ende 2017 zehn Mitarbeiter einzustellen und ihr stimulierendes Produkt-Portefeuille auszubauen. Denn Ryssel ist überzeugt, dass die intelligenten Materialien noch viel mehr Liebesspielzeuge hergeben als bisher bedacht. „Wir haben schon viele neue Produktideen im Kopf, zum Beispiel auch Love Toys für Herren“, sagt sie. „Aber das Konzept verraten wir jetzt noch nicht.“

Von Heiko Weckbrodt

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