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Dresdner Firma „Was hab’ ich?“ hat seit 2011 30000 Arzt-Befunde verständlich gemacht

Die Kauderwelsch-Übersetzer Dresdner Firma „Was hab’ ich?“ hat seit 2011 30000 Arzt-Befunde verständlich gemacht

Eine simple Idee, und dann ging alles ganz schnell: Im Januar 2011 fragten sich die Medizinstudenten Johannes und Anja Bittner sowie der Softwareentwickler Ansgar Jonietz, wie man Patienten bei der Entschlüsselung ihrer in verquerem Arztdeutsch geschriebenen Befunde helfen könnte. Vier Tage später ging washabich.de online.

Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch ließ sich das Projekt am Freitag von Geschäftsführer Ansgar Jonietz erklären.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Eine simple Idee, und dann ging alles ganz schnell: Im Januar 2011 fragten sich die Medizinstudenten Johannes und Anja Bittner sowie der Softwareentwickler Ansgar Jonietz, wie man Patienten bei der Entschlüsselung ihrer in verquerem Arztdeutsch geschriebenen Befunde helfen könnte. Vier Tage später ging washabich.de online, zwölf Minuten danach trudelte der erste Befund bei dem Trio ein. Zunächst übersetzten die drei Startupler die Arzt-Briefe noch selbst, später war klar: Wir brauchen Hilfe. Mittlerweile engagieren sich 1500 Studenten und Mediziner bei dem Dresdner Unternehmen, mehr als 30 000 Übersetzungen sind in den vergangenen Jahren entstanden.

„Wir wollen, dass sich Patient und Arzt auf Augenhöhe begegnen können. Wenn man einen Befund nicht versteht, löst das Ängste aus“, sagt Geschäftsführer Ansgar Jonietz, der als einziger der Gründer übrig geblieben ist. Seine Firma, zu der inzwischen auch weitere fünf Festangestellte zählen, schafft hier Abhilfe: Ehrenamtliche übersetzen das Mediziner-Kauderwelsch in eine einfache und verständliche Sprache. Und liefern den Patienten damit auch eine gute Grundlage für ein Gespräch mit dem Arzt, weil sie die richtigen Fragen stellen können.

Aber damit nicht genug: Die „Was hab’ ich“ gGmbH setzt sich auch für die Ausbildung der Mediziner ein. Zwei Kommunikations-Kurse finden jedes Semester an der Technischen Universität (TU) Dresden statt, in denen eine verständliche Sprache gelehrt wird. „Das ist noch nachhaltiger als die Übersetzungen. Denn ein Mediziner, der einmal von uns geschult wurde, wird in den nächsten 50 Jahren bessere Patienten-Gespräche führen“, ist sich der Geschäftsführer sicher.

Ein Ziel des Unternehmens: Künftig alle Medizinstudenten Deutschlands mit der Kommunikations-Ausbildung schulen. Ein weiteres: Jeder Patient, der nach einem stationären Aufenthalt ein Krankenhaus verlässt, soll verständliche Gesundheitsinformationen erhalten. Vom Arzt- zum Patientenbrief also. Derzeit arbeitet washabich dafür mit der Paracelsus-Klinik Bad Ems in einer Pilotphase zusammen, mit weiteren Häusern ist man im Gespräch. Zudem evaluiert die TU Dresden das Projekt.

Von Anfang an die größte Hürde für das Dresdner Unternehmen: Die Finanzierung der Idee, deren Umsetzung so schnell ging. Gelder fließen momentan in Form von Spenden von rund einem Drittel der Patienten selbst oder als Unterstützung von verschiedenen Verbänden. Auch dotierte Auszeichnungen – etwa der Initiativpreis des Kulturpreises Deutsche Sprache, der Medizin-Management-Nachhaltigkeitspreis oder der Publikumspreis beim Aspirin Sozialpreis – spülten Euros in die Kasse, allerdings selten genug. „Uns gehen immer wieder die Mittel aus, darin haben wir Routine. Wir planen Monat für Monat. Die richtige Lösung haben wir bisher nicht gefunden“, sagt Jonietz.

Bei der Suche danach könnte nun Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) ins Spiel kommen. Die ist ab sofort – neben dem früheren und dem jetzigen Bundesgesundheitsministern Daniel Bahr und Hermann Gröhe sowie Eckart von Hirschhausen – die vierte Botschafterin von “Was hab’ ich“. „Dieses junge sächsische Unternehmen mit einem Netzwerk aus Ehrenamtlichen kann man nur unterstützen. Die Finanzierung ist eine gemeinsame Aufgabe, die wir jetzt angehen müssen“, kündigt Klepsch an. Worte, die Jonietz und seine Mitstreiter sicher gerne gehört haben.

Von Christin Grödel

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