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Dresdner Fernsehturmverein kritisiert „Gefälligkeitsgutachten“

Machbarkeitsstudie Dresdner Fernsehturmverein kritisiert „Gefälligkeitsgutachten“

Mitte Juni veröffentlichten Stadt, Land und Telekom die Machbarkeitsstudie zum Fernsehturm. Die Mitglieder des Fernsehturmvereins deuteten die Inhalte durchaus positiv. Doch nach genauerem Studium sind die anfänglich positiven Gefühle mittlerweile in Enttäuschung umgeschlagen.

Der Fernsehturmverein gibt nicht auf schießt scharf gegen die Verfasser der Machbarkeitsstudie
 

Quelle: picture alliance / dpa

Dresden.  Mitte Juni veröffentlichten Stadt, Land und Telekom die Machbarkeitsstudie zum Fernsehturm. Während damals Zeitungen und Rundfunk mit teilweise vernichtenden Titelzeilen die Studie kommentierten und die Aussicht auf eine rasche Wiederbelebung der „Wachwitzer Nadel“ zunichte machten, deuteten die Mitglieder des Fernsehturmvereins die Inhalte der Studie durchaus positiv. Trotz vieler Totschlagargumente – Seilbahn und Wissenschaftszentrum aus Umweltschutzgründen nicht möglich, Sanierung des Turms und Betrieb eines Cafés wirtschaftlich nicht tragbar – sah man die Studie als Diskussionsgrundlage und blickte nach vorn.

In den vergangenen Wochen haben die Mitglieder des Fernsehturmvereins die Studie noch einmal genau unter die Lupe genommen. Die anfänglich positiven Gefühle haben mittlerweile in Enttäuschung umgeschlagen. „Anscheinend hat die Studie doch mehr Leute abgeschreckt, statt eine konstruktive Diskussion auszulösen“, erklärt Vereinssprecherin Barbara Lässig. Denn selbst nachdem sich ein überwältigender Teil der Dresdner für eine Wiedereröffnung aussprach (100. DNN Barometer), ebbt die Diskussion um das Wahrzeichen langsam ab, kaum ein Mandats- oder Entscheidungsträger positioniert sich öffentlich ohne Vorbehalte für den Fernsehturm.

Deshalb stellte der Fernsehturmverein am Montagabend im Rahmen des 3. Städtebaulicher Dialog der VLK (Vereinigung liberaler Kommunalpolitiker) auf Schloss Eckberg ein sechsseitiges „Dissens-Papier“ vor, in dem die Macher der Studie hart angegangen werden. Von einem „Gefälligkeitsgutachten, welches nur die Interessen der Telekom berücksichtigt“ ist die Rede.

Während Vereinsvorsitzender Eberhard Mittag und Exposé-Verfasser Klaus Martin die Gelegenheit ergriffen, um die Machbarkeitsstudie weitreichend zu kritisieren, nutzte FDP-Stadtratsfraktionsvorsitzender Holger Zastrow die Diskussion, um mit seinen liberalen Mitstreitern Chancen, Risiken und Herausforderungen des Fernsehturms zu erörtern. Denn längst nicht jeder aus der FDP sieht das Projekt ähnlich euphorisch und problemlos wie die Fernsehturmfreunde.

Und die Vereinsmitglieder ließen kein gutes Haar an den Verfassern der Studie. So gäbe es handwerklich fehlerhafte Berechnungen, wie beispielsweise beim Turmcafé. Laut Fernsehturmverein besitzen die zwei Etagen eine Fläche von rund 225 Quadratmetern und nicht wie in der Studie angegeben 800 Quadratmeter. Deshalb seien auch die für die kleine Variante samt Café angesetzten 15 Millionen Euro im Vergleich zu gastronomietypischen Investitionen (800 Euro pro Sitzplatz) viel zu hoch gegriffen und würden mögliche Investoren schon im Vorfeld abschrecken.

Zudem wurde die Vergabepraxis für die Machbarkeitsstudie kritisiert, die nicht öffentlich ausgeschrieben gewesen sein soll. Auch die naturschutzrechtlichen Ausschlusskriterien für die Varianten mit Seilbahn und Wissenschaftszentrum könne man nicht akzeptieren. So sei das öffentliche Interesse groß genug, um „Toleranzmöglichkeiten bei Gesetzesanwendungen zu beachten“. Zudem betont der Verein, dass – wie auch vom Umweltamt bestätigt (DNN berichteten) – eine Seilbahn nicht von vornherein ausgeschlossen werden darf. Man müsse auch darüber nachdenken, dass Seilbahnen lautlos, sicher und ökologisch extrem Nachhaltig seien.

Kritik gab es auch am Vorgehen der Telekom, warum beispielsweise nie ein Versuch unternommen wurde, den Turm wieder zu öffnen. Ein Zeichen, so wittert der Verein, dass der Besitzer alles andere als an einer Wiedereröffnung interessiert sei. So sei es nicht nachvollziehbar, warum im Jahr 2005 der öffentliche Bereich komplett entkernt wurde. Da laut Verein der Turm damals schon unter Denkmalschutz gestanden habe, hätte die Telekom die Baumasse gar nicht derart gravierend verändern dürfen. Zudem hätten die Brandschutzmängel in den vergangenen Jahren durchaus behoben werden können, als Beispiel führen die Vereinsmitglieder den Stuttgarter Fernsehturm ins Feld, wo man vor kurzem rund 1,8 Millionen Euro in ein neues Brandschutzkonzept steckte.

Das sogenannte Dissens-Papier hat der Verein nun auch im Internet veröffentlicht und gleichzeitig an Stadt, Land und Telekom übergeben. „Wir müssen endlich mehr Druck auf die Politik und vor allem auf die Telekom aufbauen, die offensichtlich mit allen Mitteln eine Wiedereröffnung des Turmes verhindern wollen“, sagte Vereinssprecherin Barbara Lässig. Auch vom Oberbürgermeister erwarte man nun eine Reaktion. Immerhin hatte Dirk Hilbert (FDP) versprochen, sich nach der Sommerpause noch einmal gemeinsam mit den Bürgern des Themas anzunehmen.

Von Sebastian Burkhardt

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