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Lokales Dresdner Energiegenossenschaft nimmt Bürgerwindrad in Betrieb
Dresden Lokales Dresdner Energiegenossenschaft nimmt Bürgerwindrad in Betrieb
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11:21 11.12.2015
Um etwas für den Klimaschutz und die Energiewende zu tun, hat die Dresdner Energiegenossenschaft "egNEOS" ein Windrad in Streumen errichten lassen. Quelle: egNEOS
Dresden

Im November 2013 sitzen 13 Leute im Umweltzentrum auf der Schützengasse zusammen. Seit langem wälzen sie Pläne für einen eigenen Beitrag zur Energiewende hin und her. Vor zwei Jahren fällt die Entscheidung: Sie gründen eine Genossenschaft, heute geht ihr erstes Windrad ans Netz.

"Wir hatten noch kein konkretes Projekt damals, aber wir wollten etwas für den Klimaschutz tun", erläutert Jan Stoye die Motivation der Gemeinschaft. Der 42-jährige Politik- und Umweltwissenschaftler ist Vorstand der Energiegenossenschaft Neue Energien Ost- sachsen eG (egNEOS), Aufsichtsratsvorsitzender ist Dresdens früherer Umweltbürgermeister Klaus Gaber. Er gehört auch zu den Protagonisten der frischgebackenen Öko-Genossen, ein zunächst anvisiertes Bürgersolarkraftwerk lassen sie nach Änderungen bei den Förderbedingungen wieder fallen. Es soll aber etwas geschehen. "Ein Bürgerwindrad gab es noch nicht", sagt der Mitarbeiter der Grünen im Landtag. In Dresden können keine riesigen Windräder aufgestellt werden. Da erweist sich für die Genossenschaft der Kontakt zum ehrenamtlichen Bürgermeister von Wülknitz bei Riesa als hilfreich. Der wünscht sich mehr Bürgerbeteiligung am Windpark Streumen. So entsteht eine ganz besondere Stadt-Land-Kooperation. Im März 2015 ist Spatenstich für das neue Windrad, das zwei ältere ersetzt. Nach dem Testlauf startet die Anlage heute ihren regulären Betrieb.

Mit der Dresdner Volksbank finden Stoye und Co. ein dem Genossenschaftsgedanken naturgemäß sehr verbundenes Institut, dass den Fünf-Millionen-Kredit auf die Beine stellt. 2,5 Millionen Euro davon sollen durch Bürgerbeteiligung abgelöst werden, den übrigen Teil will die Genossenschaft innerhalb von zehn Jahren tilgen. Bislang haben etwas mehr als 100 Mitglieder für das Windrad Projekt-Anteile von jeweils 500 Euro gezeichnet. 345 000 sind dadurch zusammengekommen. Die Mitglieder sind Juristen, Kaufleute oder Handwerker. Langfristig könnten sie über die egNeos vielleicht nicht nur Öko-Strom erzeugen und ins Netz einspeisen, sondern vielleicht auch selbst beziehen. Im überschaubaren Reigen von Energiegenossenschaften in Dresden bieten das bislang unter anderem das Energiehaus Dresden (250 Mitglieder) und die m4energy (in Dresden etwa 200 Mitglieder, bundesweit mehr als 4300). Sie können als Gemeinschaft am Markt günstigere Konditionen beim Stromeinkauf erzielen und sind nicht auf Gewinnmaximierung orientiert. "Wir sind aus der Region und für die Region aktiv", beschreibt Ronny Leszkiewicz das Selbstverständnis der Energiehaus-Genossenschaft. "Das ist oft ein Kampf wie David gegen Goliath", fügt er hinzu.

Bei den Linken werden noch mehr Erschwernisse für Genossenschaften befürchtet. Die Dresdner Europa-Abgeordnete Cornelia Ernst warnt vor neuen Regulierungsplänen der EU. "Wenn die Fördergelder für erneuerbare Energien ab 2017 per Auktionsverfahren oder Ausschreibungen verteilt werden, benachteiligt das Energiegenossenschaften und andere kleine Produzenten von Strom, die nicht die Kosten für eine Teilnahme an einer Ausschreibung vorschießen können - mit dem Risiko, den Zuschlag nicht zu erhalten", erklärt sie.

Bei m4energy wird das gelassen gesehen. "Das berührt uns nicht, wir haben die Marktrolle des Energielieferanten inne und stehen in keinerlei Abhängigkeiten diesbezüglich, keine Fördermittel, keine Fremdfinanzierung", erklärt Sprecherin Ines Weitermann.

Jan Stoye sieht es kritischer: Die Ausschreibungspläne könnten ein Problem werden. Ohne Nachbesserung "wird es wieder zur Konzentration auf einige große Player hinauslaufen". Dann müssten die Dresdner wieder einen besonderen Dreh finden.

Ingolf Pleil

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