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Dresdner Einbruchsopfer wird selbst zum Täter

Justiz Dresdner Einbruchsopfer wird selbst zum Täter

Am 15. April 2014 wurde in die Wohnung von Christian H. auf der Rudolf-Renner-Straße eingebrochen. Er selbst war nicht zu Hause und hat es deshalb nicht bemerkt, die Nachbarn schon, ihnen waren laute Geräusche aufgefallen. Eine Mieterin, bemerkte dann, dass die Wohnungstür aus den Angeln gehoben worden war und offen stand.

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Quelle: dpa

Dresden. Am 15. April 2014 wurde in die Wohnung von Christian H. auf der Rudolf-Renner-Straße eingebrochen. Er selbst war nicht zu Hause und hat es deshalb nicht bemerkt, die Nachbarn schon, ihnen waren laute Geräusche aufgefallen. Eine Mieterin, bemerkte dann, dass die Wohnungstür aus den Angeln gehoben worden war und offen stand. Sie rief die Polizei. Gestern wurde über den Vorfall am Amtsgericht verhandelt. Auf der Anklagebank saß allerdings nicht der mutmaßliche Einbrecher, sondern Christian H. selbst. Die Staatsanwaltschaft warf dem 37-Jährigen unerlaubtes Herstellen von Betäubungsmitteln vor. Manchmal kommt es eben anders, als man denkt.

Die ersten Beamten, die in jener Nacht anrückten, gingen in die Wohnung, um zu prüfen, ob sich dort jemand aufhält. Sie fanden niemanden, aber in einem Kämmerchen eine Marihuana-Indoor-Plantage - 42 Cannabispflanzen, zwischen 60 und 100 Zentimeter groß. Sie informierten den Kripo und baten um Unterstützung. Die Sache scheint ziemlich klar zu und die Verhandlung einfach zu seien. Die Wohnung gehörte Christian H. und in ihr hat man die verbotene Plantage entdeckt. Aber der Teufel steckt oft im Detail – in diesem Fall in einem fehlenden Durchsuchungsbeschluss.

In jener Nacht waren mehrere Beamte unterschiedlicher Dienststellen zum „Tatort“ ausgerückt, die sich um die „Pflänzchen“ kümmerten und offenbar auch wussten, an welche Regeln man sich generell halten muss. Zum Beispiel, dass man für eine Durchsuchung und eine Sicherstellung der Pflanzen, also Beweismittel, die Zustimmung eines Richters oder des diensthabenden Staatsanwaltes braucht. Eine Beamtin, die vor Ort war, bat ihren Chef in der Zentrale sich darum zu kümmern und zurückzurufen. Irgendwann bekam sie einen Anruf. „Es sei alles in Ordnung, er habe alles mit dem diensthabenden Chef einer anderen Dienststelle abgesprochen. Es sei ein Team unterwegs, dass sich um die Sicherung der Indoor-Plantage kümmere“, erzählte die Beamtin. Sie sei davon ausgegangen, dass ein Durchsuchungsbeschluss vorlag.

Als sie später ihren Bericht schreiben wollte, gab es eine böse Überraschung: Es war weder ein Richter noch ein Staatsanwalt informiert worden, um die Durchsuchung zu genehmigen. Amüsiert war sie nicht, das machte sie wohl auch ihrem Vorgesetzten klar. In der Chefetage war die Sache etwas voreilig angegangen worden. Warum eigentlich? Da war keine Gefahr im Verzug. Es ging weder um Mord oder Totschlag oder sonst eine Notlage, sondern um 42 friedlich, wenn auch illegal, vor sich hinwachsende Cannabispflanzen.

Die Staatsanwaltschaft fand den Alleingang auch nicht lustig. Dem Angeklagten könnte die Aktion dagegen helfen. Die Polizei hat wegen eines Einbruchsdiebstahl ermittelt, die Plantage entdeckt und sichergestellt – aber ohne einen Durchsuchungsbeschluss. „Die Staatsanwaltschaft wurde nicht informiert und es gibt auch keinen Aktenvermerk. Deshalb sind die Beweismittel nicht verwertbar“ erklärte Anwalt Stefan Heinemann. „Beweismittelverbot“ nennt sich das, was es Richter und Staatsanwalt nun so schwer macht. Da ist im Vorfeld einiges richtig blöd gelaufen. Am nächsten Verhandlungstag sind die damals diensthabenden Chefs geladen. Da gibt es noch einigen Erklärungsbedarf.

Zum Wohnungseinbruch, konnte gestern nichts gesagt werden, der ist wohl angesichts der Plantage etwas hinten runter gefallen. Die Beamtin, die so auf einen Durchsuchungsbeschluss gedrängt und sich dann mit ihrem Chef angelegt hatte, ist übrigens in eine andere Schicht versetzt worden. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler

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