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Lokales Dresdner Arzneimittelspezialist produziert ab 2019 nicht mehr selbst
Dresden Lokales Dresdner Arzneimittelspezialist produziert ab 2019 nicht mehr selbst
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16:30 09.04.2018
Die Apogepha Arzneimittel GmbH gehört deutschlandweit zu den führenden Arzneimittelherstellern für urologische Therapeutika. Quelle: Carola Fritzsche
Dresden

Schlechte Nachrichten von der Apogepha Arzneimittel GmbH: Mit Wirkung vom 1. Januar 2019 wird sich das deutschlandweit zu den führenden Arzneimittelherstellern für urologische Therapeutika gehörende Unternehmen von seiner Fertigung in Dresden-Lockwitz trennen. Die 1996 dort errichtete Arzneimittelherstellung soll veräußert werden. Das teilte Markus Bauer am Mittwoch mit. „Es gibt angenehmere Tage“, fasste es der Geschäftsführer zusammen.

Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (Mitte) besuchte im April 2000 das Dresdner Unternehmen. Quelle: Archiv

Hintergrund der Entscheidung ist laut Bauer die Tatsache, dass gesundheitspolitische Entwicklungen und Kostendruck im Gesundheitswesen zu einer höheren Effizienz in der Fertigung zwingen, die das Unternehmen mit der eigenen, sehr spezialisierten Produktpalette allein nicht erreichen kann. „Wir sind ein sehr kleines Unternehmen im Pharmabereich. Von daher war es eher ungewöhnlich, dass wir bisher von der Fertigung bis zum Vertrieb alles selbst gemacht haben. Wir wollten unabhängig sein“, beschreibt es der Geschäftsführer.

Eine unternehmerischer Weg, der jetzt in der Sackgasse endete. Für die Betriebsgröße ist die Apogepha-Produktion am Lockwitzer Standort vergleichsweise groß, die Auslastung lag – je nach Schichtsystem – teilweise bei nur 30 bis 50 Prozent. Hinzu kamen gesundheitspolitische Entscheidungen, die die Rahmenbedingungen nicht gerade leichter machten. „Seit dem 2009 beschlossenen Preismoratorium können wir unsere Preise nicht selbst festlegen. Gleichzeitig sind die Personalkosten um 30 Prozent gestiegen“, sagt Bauer. Im Kampf um Verträge mit den Krankenkassen hätten Mittelstandsunternehmen wie Apogepha gegen die Pharma-Riesen nicht den Hauch einer Chance. Ein Vergleich: Das Dresdner Unternehmen produziert jährlich 150 Millionen Tabletten, bei größeren Herstellern sind es acht Milliarden.

Überlegungen, die Produktion zu veräußern, gab es deshalb schon länger. Tatsächlicher Auslöser war aber die Bilanz des vergangenen Jahres. Die weist ein Minus von zwei Millionen Euro auf. „Da war klar, wir müssen uns entscheiden und die Produktion in andere Hände geben, die es mit einer vergleichbaren Qualität, aber deutlich günstiger machen“, so der Geschäftsführer.

„Uns ist diese Entscheidung nicht leicht gefallen und wir investieren sehr viel Zeit und Kraft, um eine nachhaltige Lösung für den Produktionsstandort, unsere Mitarbeiter und im Sinne einer hohen Produktqualität und Versorgungssicherheit zu finden“, sagt Bauer. Momentan sei man mit einer Firma im Gespräch, die den Standort in Lockwitz weiter betreiben und damit retten könnte. Bauer ist zwar positiv gestimmt ob des ernsthaften Interesses des fraglichen Unternehmens, eine Entscheidung wird aber frühestens im März kommenden Jahres fallen.

Zeit, in der die Mitarbeiter in Lockwitz zittern müssen. Am vergangenen Donnerstag wurde die Belegschaft informiert, der Frust sitzt tief. 75 Arbeitsplätze sind betroffen. Wird keine Lösung gefunden, müsste die Geschäftsführung schließlich 48 Kündigungen schreiben. Ein worst-case-Szenario, das die Firmenleitung natürlich verhindern will.

Ganz verschwinden wird Apogepha aus Dresden aber nicht: Die Bereiche Forschung und Entwicklung, Qualitätssicherung, Marketing und Vertrieb sowie die Verwaltungsbereiche werden weiterhin am Firmensitz an der Kyffhäuserstraße bestehen bleiben. „Apogepha schärft damit ihren Fokus auf die Entwicklung und Vermarktung urologischer Arzneimittel und bekennt sich als hiesiges Traditionsunternehmen auch künftig zum Standort Dresden.“

Von Christin Grödel

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