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Lokales Dresdens prächtigste Ladenfront am Neumarkt
Dresden Lokales Dresdens prächtigste Ladenfront am Neumarkt
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09:18 30.11.2018
Ein Hauch altes Dresden: Die Sempersche Ladenfront am Neumarkt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Was bitte haben Filzpantoffeln und eine Mausefalle mit Luxusarmbanduhren zu tun? „Eine ganze Menge“, sagt Katharina Mack, Marketingdirektorin der Glashütter Manufaktur A. Lange & Söhne, und lächelt geheimnisvoll. „Wir wollen Geschichten erzählen.“ Einen Meter über der Mausefalle liegt ein bunt bemalter Betonbrocken aus der Berliner Mauer. Daneben stehen Partituren von Richard Wagner. Auf einem Fernsehbildschirm läuft ein Film.

Wir befinden uns am Neumarkt, Quartier VI, vermarktet unter dem Namen „Palais City One“. Vor wenigen Tagen ist der Bauzaun gefallen und der Blick freigegeben auf die Sempersche Ladengalerie mit den prachtvoll verzierten Fenstern nach Entwürfen von Gottfried Semper. Es ist die wohl schönste Ladenfront von Dresden und sie hat einen Mieter erhalten, der ihr in nichts nachsteht und sich förmlich aufdrängt für diese Räume.

Geschichten gibt es viele zu erzählen über die Manufaktur A. Lange & Söhne. Die Firmenhistorie beginnt 1845, als am 7. Dezember der Uhrmacher Ferdinand Adolph Lange in Glashütte die Uhrenmanufaktur gründete. In einer bettelarmen Region, das königlich-sächsische Ministerium leistete Schützenhilfe mit 7800 Talern Startkapital. „Aber wie stellt man das dar?“, sinniert die Marketingdirektorin, „einfach einen Stapel Münzen in den Raum legen ist wenig attraktiv.“

So bleibt das Kapitel Fördermittel im 19. Jahrhundert unerzählt, noch jedenfalls. „Wir entwickeln unsere Einrichtung immer weiter. Wir basteln an jedem Detail“, definiert Mack den Anspruch und beugt sich vor in ihrem Ledersessel. Entwickelt hat das Sitzmöbel eigens für die Ansprüche von A. Lange & Söhne die hauseigene Innenarchitektin Stella Wendel. Die Kunden dürfen in dem Sessel nicht versinken. Sie müssen sich ohne Kraftanstrengung nach vorne beugen können, wenn ihnen der Verkaufsberater etwas zeigen will.

Der Inhalt bestimmt die Form, hieß es beim Bauhaus, und in dieser Tradition sieht Mack auch das Konzept der Boutique von A. Lange & Söhne in der Semperschen Ladengalerie. „Tradition spielt eine große Rolle, aber auch Technik und Mechanik.“ Authentisch soll die Boutique sein, so die Marketingdirektorin, das ausstrahlen, was im Neudeutsch als DNA von A. Lange & Söhne bezeichnet wird.

Was heißt, dass auch die Decke nicht einfach nur in einem grauen Silberton glitzern darf. Es muss Neusilber sein. „Als Farbe gibt es das schon mal nicht“, weiß Wendel. Aber aus Neusilber bestehen die handgefertigten Uhrwerke der Manufaktur, die durch einen Glasboden den Betrachter anfunkeln. Ein spezieller Farbton, den der Tapetenhersteller aus Berlin nach vielen Experimenten getroffen hat. Mit einer Spezialmischung aus Papier, Kleister und Aluminiumplättchen.

Das Thema handwerkliche Perfektion zieht sich wie ein roter Faden durch die Ladenräume am Neumarkt. Natürlich gibt es keine Dekoration aus Plastik, sondern die Teile sind aus Metall. Die Kanten der Holzmöbel sind angliert wie die Bauteile der Uhren. „Die Werte, die hier versammelt sind, sollen sich widerspiegeln, aber nicht zitiert werden“, erklärt Mack einen Eckpfeiler des Konzepts. Eine Türklinke in Form einer Dreiviertelplatine käme für sie nie in Frage. „Das wäre ein Verrat an unseren Uhren“, findet sie.

Außen drücken sich regelmäßig Besucher des Neumarkts die Nasen an den Schaufenstern platt, aber wer soll eigentlich in die Boutique einer Manufaktur kommen, die nicht eine Armbanduhr unter 10 000 Euro im Sortiment hat? „Zu uns kann jeder kommen“, sagt Mack. Die Marke grenze niemanden aus und heiße jeden willkommen, unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Kleidung. „Wer sich heute keine A. Lange & Söhne leisten kann, weckt vielleicht bei seinen Enkeln Begeisterung, die dann Kunden werden.“ Die Zeiten, in denen Kleider Leute machen, seien längst vorbei. Einen der höchsten Barverkäufe habe man mit einem Mann im grauen Trainingsanzug abgewickelt. „Wer dieses Geschäft betritt, interessiert sich für Armbanduhren. Wir zeigen, wie die Produkte entstehen und weshalb sie ihren Preis haben.“

Und die Geschichten, die hinter den Uhren stehen. Die Steine aus der Mauer zitieren die politische Wende, die den Wiederaufstieg von A. Lange & Söhne erst möglich machte. Am 7. Dezember 1990 meldete Walter Lange die Manufaktur wieder beim Amtsgericht Dresden an und schloss den Kreis, der 1948 mit der Enteignung des Betriebes durch die Kommunisten durchbrochen war.

Die Eröffnung der neuen Boutique von A. Lange & Söhne in der Semperschen Ladengalerie vollendet auch ein Stück Dresdner Geschichte. 1840 hatte der Kunstschmied und Juwelier Moritz Elimeyer an dieser Stelle sein Geschäft eröffnet. Es war schon damals eine der feinsten Adressen der Stadt. Keine hundert Schritte entfernt hatte Ferdinand Adolph Lange sein erstes Geschäft, das er zusammen mit Gustav Bernhard Gutkaes führte, den Sohn von Hofuhrmacher Johann Christian Friedrich Gutkaes. „Der historische, regionale Bezug auf der einen Seite und andererseits die Internationalität, Weltoffenheit und Modernität unserer Marke finden sich in der Geschichte dieses Standorts wieder“, sagt Lange-Geschäftsführer Wilhelm Schmid.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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