Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Dresdens heimlicher Trödelkönig muss einem Neubau weichen

Dresdens heimlicher Trödelkönig muss einem Neubau weichen

Dresdens heimlicher Trödelkönig muss gehen. Zwei Jahre lang betrieb Achim Schmidt-Beyer seinen Trödelhof in der Louisenstraße 31 in der Äußeren Neustadt.

Voriger Artikel
DNN-Gespräch mit einer Handschriften-Sachverständigen des Landeskriminalamtes
Nächster Artikel
Riesenrad und Autoscooter: Dresdner Frühjahrsfest lockt Rummelfans

Achim Schmidt-Beyer in seinem Trödel-Imperium auf der Louisenstraße 31 in der Äußeren Neustadt. Mitte April muss der 63-Jährige seinen Hof dichtmachen. Protest gegen seinen Rauswurf lehnt er ab: "Das muss ich akzeptieren, schließlich ließ mich der Eigentümer hier zwei Jahre lang praktisch umsonst trödeln."

Quelle: Carola Fritzsche

Von Jane Jannke

Auf dem ehemaligen Fabrikgelände hatte er sich in den maroden Werkgebäuden sein kleines Imperium geschaffen. Doch damit ist es nun vorbei. Der Eigentümer des Geländes, die Villa Nova Wohn- und Gewerbebau GmbH & Co. KG, hat Eigenbedarf angemeldet: Schon bald sollen hier neue Wohnungen entstehen. Das heißt: Trödel-Achim muss fort.

Was Anfang 2010 als kleine Trödelecke begann, erstreckt sich heute zu beiden Seiten des 70 Meter langen Hofes. "Die Leute haben einfach immer mehr hergebracht", sagt Achim Schmidt-Beyer. Ein wenig verschroben wirken die behelfsmäßigen Unterstände voller antiker Kleinode ja schon. Vom Nagel bis zum aufgearbeiteten Fahrrad - auf Achims Trödelhof gab es eigentlich nichts, was es nicht gibt. Und war tatsächlich einmal ein Kundenwunsch nicht vorrätig, dann schaffte der eigenwillige Trödler ihn irgendwie heran. "Ich hab da so meine Leute", brummt der 63-Jährige und schmunzelt durch seinen Backenbart.

Über ausbleibende Kundschaft konnte er wahrlich nicht klagen, einsam war es auf dem Hof jedenfalls nie. Auch weil "Miez" da war, der Hofkater, den Achim Schmidt-Beyer einst als "räudiges, ausgehungertes Ding" auf dem Gelände fand und der ihm heute kaum von der Seite weicht. "Horchen tut der wie ein Dackel", scherzt er lachend. Der Hof sei immer etwas chaotisch gewesen, sagt er, "aber mit viel Liebe hergerichtet". Jetzt sei alles etwas heruntergekommen. Seit Ende März die Kündigung ins Haus flatterte, habe er erst gar nicht mehr begonnen, das Winter-Chaos zu beseitigen. "Sonst hab ich im Frühjahr immer die Blumenrabatten bepflanzt, und meine Mitarbeiterin hat überall sauber gemacht." Mit dem Ende des Trödelhofes steht nun auch Barbara Vondrusova vor einer ungewissen Zeit. "Wie ich jetzt mein Geld verdiene, weiß ich noch nicht", sagt sie. Sie hänge an dem Hof und wolle um ihn kämpfen: "Ich gebe hier nicht einfach so auf."

Mit dem Eigentümer hat Achim Schmidt-Beyer noch versucht, über eine Verlängerung zu verhandeln, doch ohne Erfolg. Die ersten Bäume wurden bereits gefällt. Klagen sei unangebracht, sagt er, denn man habe ihm den Hof praktisch für nichts überlassen. Auf Nachfrage hieß es, dass in sechs Monaten mit dem Bau einer neuen Wohnanlage mit Vorder- und Hinterhaus begonnen werde. Junges Wohnen mit Tiefgarage und Balkonen. 3,2 Millionen Euro investiert die Villa Nova in den Standort. Ein Jahr später sollen hier die ersten Mieter einziehen.

Und was wird mit all dem Trödel? "Was noch geht, wird abverkauft, den Rest verschenke ich", sagt Achim Schmidt-Beyer. Vieles sei bereits abgeholt worden. Von einigen Stücken aber - und Achim Schmidt-Beyers Augen bekommen etwas Glanz - werde er sich niemals trennen. Das Emaille-Schild aus Amerika etwa, das vor Taschendieben und leichten Mädchen warnt. "Schon Hunderte Male hätte ich das verkaufen können, aber das geb ich nicht her", erklärt er bestimmt. Das Geweih des stattlichen 14-Enders über der Schuppentür hingegen wird er schweren Herzens abgeben. Jedes Stück ein kleiner Abschied.

Zumindest nach außen scheint Achim Schmidt-Beyer das Ende seines Hofes mit Fassung zu tragen. "Das ist schon schade, es waren schöne zwei Jahre hier. Das Herz brechen wird mir der Verlust aber nicht, da hab ich schon schlimmere Rückschläge einstecken müssen", gibt er sich tapfer. Wie es weitergeht, weiß er noch nicht. Jetzt wolle er sich erst einmal eine Pause gönnen, so der 63-Jährige. Ganz vom Trödel lassen werde er aber sicher nicht: "Einmal Trödler, immer Trödler."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.04.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.