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Dresdens Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert: Energieeffizienz statt unrealistischer Ziele

Dresdens Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert: Energieeffizienz statt unrealistischer Ziele

Mit ihrem Energie- und Klimaschutzkonzept versucht die Stadt Dresden, am großen Rad mitzudrehen und mit einem Bündel aus vielen kleinen Sparmaßnahmen das Weltklima mitzuretten.

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Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert: "Ich bin kein Freund purer Symbolpolitik, die sich mit solarzellengepflasterten Dächern brüstet selbst wenn die denkmalschützerisch, betriebswirtschaftlich oder aus anderen Gründen keinen Sinn haben."

Quelle: Archiv

Der Erfolg steht und fällt indes mit der Bereitschaft von Bürgern und vor allem von Unternehmen mitzuziehen, zum Beispiel in moderne Heizsysteme, Solardächer und Elektrofahrzeuge zu investieren - was alles andere als sicher ist. Auf seiner Sommertour will Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) mehrere Unternehmen besuchen, um deren Öko-Fortschritte zu begutachten. Wir werden darüber berichten. Im Vorfeld hat DNN-Redakteur Heiko Weckbrodt den Bürgermeister über Chancen und Risiken seines Öko-Konzepts ausgefragt.

DNN: Über Energiewende und Klima-Schutz reden sich normalerweise Staatschefs die Köpfe heiß - mit eher mageren Ergebnissen. Was kann da ein eher kleiner Akteur wie Dresden ausrichten?

Dirk Hilbert: Die Energiewende wurde von der Bundesregierung eingeleitet, ohne dass es ein Konzept dafür gab. Über eines besteht aber Einigkeit: Erfolg kann sie nur haben, wenn lokale Beiträge geleistet werden. Dresden mag da nicht die Welt verändern können, aber die in unserem Energiekonzept vorgesehenen 100 000 Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr entsprechen den von uns eingegangenen Verpflichtungen.

Die Wirtschaft - gerade auch die in Dresden beheimatete Mikroelektronik - und nicht zuletzt viele Bürger beklagen die hohen Energiekosten in Deutschland. Man spricht von einem Standortnachteil. Andererseits fordern Klimaschützer einen höheren Anteil erneuerbarer Energien - was aber in aller Regel eher die Energiepreise hebt statt senkt. Wie will Dresden diesen Widerspruch lösen?

Wir haben uns in unserem Konzept auf das Machbare für einen Industriestandort konzentriert. Dass die Wirtschaft - und da gerade auch die Halbleiterindustrie - einer der ganz großen Energieverbraucher ist, ist völlig klar. Aber keinem hilft es, wenn die Energiepreise so ansteigen, dass - um beim Beispiel zu bleiben - die Chipunternehmen nach Asien abwandern, wir nicht nur Arbeitsplätze verlieren, sondern dann die selbe Energie, nur eben weniger effizient und wahrscheinlich auch schmutziger, in Fernost verbraucht wird. Das verbessert das Weltklima kein bisschen. Daher haben wir uns den Schwerpunkt Energieeffizienz gesetzt, die Möglichkeiten, Strom und Ressourcen zu sparen, statt uns unrealistische Ziele wie 100 Prozent Erneuerbare Energien zu stecken.

Wie hat die Wirtschaft bisher auf Ihr Energie- und Klimaschutzkonzept reagiert?

Wir haben fast nur Wohlwollen und Zustimmung erfahren. Für die Wirtschaft ist das auch ein Wachstumssegment - vom Handwerker bis zur Automobilindustrie. Ein schönes Beispiel dafür ist Infineon, dessen Halbleiterwerke derzeit an das Fernwärmenetz angeschlossen werden und somit zusätzlich der Lückenschluss zwischen dem Hauptnetz und der Fernwärme-Insel Nord erreicht wird. Infineon macht das nicht für mich oder "nur" der Umwelt zuliebe, sondern weil es sich rechnet. Perspektivisch hoffen wir auf einen Ringschluss für das gesamte Fernwärmenetz, möglicherweise über die Trasse "Radeburger Straße".

Das Klimaschutz- und Energiekonzept setzt auf viele Einzelvorschläge, auf Investitions-Appelle an Bürger und Unternehmen, statt auf einen großen Wurf. Besteht da nicht die Gefahr, dass eine Position nach der anderen misslingt und die Ziele letztlich schleichend nicht erreicht werden? Gibt es einen "Plan B"?

Unser großer Wurf ist der Ausbau der Fernwärme. Wir prüfen aber Zusatzmaßnahmen, zum Beispiel eine große Solaranlage über der Deponie am Hammerweg, wenn dort die Restabgasung abgeschlossen ist.

Über die Möglichkeiten, den Anteil erneuerbare Energien in Dresden zu erhöhen, gibt es in der Stadt ganz unterschiedliche Vorstellungen. Die Prognosen seitens der Grünen und seitens ihrer Partei, der FDP, liegen teils um Welten auseinander-

Wir haben auch die Option Windkraft geprüft, aber da gab es nur wenige mögliche Standorte, insbesondere im Schönfelder Hochland. Was sich die Grünen vorstellen, zum Beispiel die Windräder in der Heide, das ist nicht genehmigungsfähig. Mit der Photovoltaik sieht es schon anders aus, sie ist Teil unseres Konzeptes. Wir verhandeln derzeit unter anderem mit den Wohnungsgesellschaften, wo Solardächer möglich wären.

Der Stadt wird immer wieder vorgeworfen, sie gehe selbst nicht gerade mit gutem Vorbild voran: Statt beispielsweise auf jeden öffentlichen Neubau ein Solardach zu setzen, werde immer wieder auf das Sparsamkeitsprinzip und technische Probleme verwiesen-

Im Zuge der Rathaussanierung stand ein Solardach zur Debatte, da war aber der Denkmalschutz dagegen, mit dem wir ja andererseits auch sorgsam umgehen wollen. Ich bin kein Freund purer Symbolpolitik, die sich mit solarzellengepflasterten Dächern brüstet, selbst wenn die denkmalschützerisch, betriebswirtschaftlich oder aus anderen Gründen keinen Sinn haben.

Um die Umweltbemühungen der Wirtschaft zu beeinflussen, hat die Stadt nur wenige Instrumente wie etwa die Ökoprofit-Initiative, in deren Zuge Firmen beraten werden, welche Umrüstungen Betriebskosten sparen und die Umwelt schonen. Reicht das?

Im jüngsten Jahresdurchlauf haben etwa 20 Unternehmen bei Ökoprofit mitgemacht und dadurch 4000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Wenn allein durch diesen kleinen Kreis schon vier Prozent unseres CO2-Klimaschutzziels erreicht wurden, stimmt mich das optimistisch und ich freue mich auf die Sommertour.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.07.2013

Heiko Weckbrodt

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