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Dresdens Ex-Oberbürgermeister: „Sie waren da und wir mochten uns“

Städtepartnerschaft Dresden-Hamburg Dresdens Ex-Oberbürgermeister: „Sie waren da und wir mochten uns“

Herbert Wagner wurde 1990 nach den ersten freien Kommunalwahlen Oberbürgermeister in Dresden. Seine politischen Aktivitäten hatten in der Wendezeit begonnen. Im DNN-Interview erklärt er seine Sicht auf die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Hamburg.

Herbert Wagner und Henning Voscherau am 2. November 1989 in Dresden.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden.  Herbert Wagner wurde 1990 nach den ersten freien Kommunalwahlen Oberbürgermeister in Dresden. Seine politischen Aktivitäten hatten in der Wendezeit begonnen. Im DNN-Interview erklärt er seine Sicht auf die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Hamburg.

Frage: Herr Wagner, Hand aufs Herz, wann haben Sie das letzte Mal ernsthaft an die Städtepartnerschaft gedacht?

Das war leider in einem traurigen Zusammenhang 2016 mit dem Tod von Henning Voscherau, Hamburgs früherem Ersten Bürgermeister. Ich hatte zu ihm immer ein gutes Verhältnis und er zu Dresden. Das war ein Glück für uns. Schon vor der deutschen Einheit haben uns die Hamburger zur Seite gestanden. Sie waren da und wir mochten uns.

Sie haben seit Ende der 60er Jahre in Dresden gelebt. Was bedeutete Ihnen die Städtepartnerschaft, als sie 1987 abgeschlossen worden ist?

Herbert Wagner

Herbert Wagner

Quelle: Archiv

Sie hat mir damals nicht viel bedeutet. Ich wusste, dass ich daran nicht beteiligt sein werde. Ich habe das natürlich mit Interesse beobachtet und es war ein Wunder, als eine Delegation und der Dampfer „Dresden“ am Hafenjubiläum beteiligt waren. Aber mir war klar, das sind ausgesuchte Leute und es ging darum die sozialistische DDR zu repräsentieren. Das hat sich ja dann auch später mit der Amtskette bestätigt.

Was war passiert?

Als ich Oberbürgermeister geworden war, haben wir die Amtskette aus dem Panzerschrank geholt. Sie war in einer Schatulle, die haben wir aufgemacht und da lag die Kette – mit einem DDR-Emblem. Das Mittelteil mit dem lateinischen Spruch zum Wohl des Volkes („Salus publica suprema lex – das Wohl des Volkes ist oberstes Gesetz“ – d. Red.) war anlässlich der Auftritte im Zusammenhang mit der Städtepartnerschaft durch Hammer, Zirkel und Ährenkranz ersetzt worden.

Wie haben sie reagiert?

Es ist wohl praktisch meine erste Weisung gewesen, von einem Goldschmied den historischen Zustand wieder herstellen zu lassen.

Welche Rolle spielte die Städtepartnerschaft inzwischen für Sie?

Schon vor dem Fall der Mauer waren die Hamburger in Dresden. Bei einem Besuch am 2. November 1989 hatte Henning Voscherau darauf bestanden, mit der Opposition sprechen zu können. Da war ja noch nicht klar, wohin es geht. In der DDR war noch von einem neuen Sozialismusversuch die Rede. Da kreiste unser Gespräch mit den Hamburgern erst einmal um das eigentliche Thema herum. Es ging um die uns verbindende Elbe, die Verschmutzung, es ging um Kulturaustausch, Jugendaustausch. Da wollten wir natürlich nicht, dass das dann nur FDJler betrifft. Dann fragte ein Hamburger aber rundheraus: Wie stehen sie eigentlich zur deutschen Einheit? Frank Neubert sagte damals, dass er klar dafür ist und ich war froh, dass es raus war. Die Hamburger wussten nun, woran sie bei uns sind. Damit war klar, Henning Voscherau kennt uns und er würde sich für uns einsetzen. Die letzten fünf Minuten des Gesprächs waren eigentlich das Wichtigste.

Die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Hamburg wurde am 14. Dezember 1987 im Dresdner Rathaus und am 17. Dezember 1987 im Hamburger Rathaus abgeschlossen. Mit verschiedenen Veranstaltungen in Dresden und Hamburg wird oder wurde schon in diesem Jahr an die Begründung der Städtepartnerschaft erinnert. So gab es Anfang Oktober Konzerte mit dem Kammerchor der Frauenkirche in der Frauenkirche Dresden sowie in der Laeiszhalle Hamburg. Auch die Verleihung des Europäischen Nachwuchspreises an das Felix Mendelssohn Jugendsinfonieorchester in der Elbphilharmonie Hamburg mit einem Konzert mit Jan Vogler und dem Dresdner Festspielorchester sowie eine Literarische Begegnung Dresden-Hamburg in der Villa Augustin Dresden gehörten dazu. Weitere Veranstaltungen stehen noch bevor: Dabei handelt es sich um einen Hamburgisch-Sächsischen Abend in der Staatsoperette Dresden am 4. Dezember und eine Ausstellung zum Hamburger Künstler Carl Lohse in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (15. Dezember 2017 bis April 2018) – zuvor war die Ausstellung im Ernst-Barlach-Haus Hamburg zu sehen. Im Anschluss an die Eröffnung der Ausstellung am 14. Dezember findet ein separater Empfang von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) statt. Zwei Veranstaltungen der Landeszentralen für politische Bildung Hamburg und Sachsen, die als Diskussionsrunde zwischen den Begründern der Städtepartnerschaft, dem damaligen Ersten Bürgermeister Hamburgs Klaus von Dohnanyi und Dresdens Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer, im Hamburger und im Dresdner Rathaus geplant waren, kamen nicht zustande, da sich der mittlerweile 89-jährige von Dohnanyi letztlich doch nicht in der Lage sah, an den Veranstaltungen teilzunehmen.
 
 

Wie ging es dann weiter?

Es war eine sehr lebendige Partnerschaft, in der Dresden viel Aufbauhilfe erhalten hat, vor allem auch als Wirtschaftsstandort. Im Januar 1990 war schon eine Wirtschaftsdelegation in Dresden. Da ist sehr viel entstanden seinerzeit. Auch in der Verwaltung haben wir Unterstützung erhalten, mancher Fachmann, der zunächst als Berater kam, ist geblieben – aus beruflichen und aus privaten Gründen. Wir haben Anfang 1990 in Hamburg verschiedene Medien besucht, die Gruppe der 20 wollte ja eine Zeitung herausgeben. Später wurde daraus der „Sachsenspiegel“, der zeitweilig als Wochenzeitung erschien. Nach der ganz intensiven Anfangszeit entwickelte sich die Partnerschaft später zu einer ganz normalen Sache.

Sind davon auch persönliche Beziehungen nach Hamburg erhalten geblieben?

Ich hatte ja verwandtschaftliche Verbindungen in die Stadt. Zu Weihnachten gab es ein Paket von meiner Tante. So kam ich auch zu meiner ersten Jeans. Durch die dienstlichen Kontakte als OB nach Hamburg sind auch persönliche Freundschaften entstanden, die über meine Amtszeit weit hinaus gingen.

Heute entsteht bisweilen der Eindruck, der Städtepartnerschaft wäre etwas der Atem ausgegangen, wie sehen Sie das?

Die Beziehungen normalisieren sich natürlich. Wir waren für die Starthilfe sehr dankbar. Da war es schon gut, dass die Partnerschaft schon zu DDR-Zeiten geschlossen worden war, zur Wende nicht bei Null angefangen werden musste. Daraus ist inzwischen viel gewachsen. Was beispielsweise mit der Körberstiftung in Dresden begann, setzt die Bürgerstiftung inzwischen fort. Ich denke aber, wir sollten sie in Dresden weiter pflegen. Eine Städtepartnerschaft funktioniert natürlich nur, wenn es viele Menschen gibt, die sie tragen.

Von Ingolf Pleil

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