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Lokales Dresdenerin mit Captain Jack Sparrow-Kostüm im Finale auf der „DreamHack“
Dresden Lokales Dresdenerin mit Captain Jack Sparrow-Kostüm im Finale auf der „DreamHack“
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17:21 26.01.2018
Julia Hertel am Ende ihrer rund zweistündigen Verwandlung zum verrückten Piraten „Captain Jack Sparrow“ aus „Fluch der Karibik“. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Routiniert greift Julia Hertel zu Pinsel und Schminke. Zwischen Perücken und selbstgenähten Kostümen verwandelt sich die 23-jährige Auszubildende in die Kultfigur Captain Jack Sparrow. Der amüsante Hochsee-Trunkenbold ist das Ergebnis einer Schnapsidee vor drei Jahren. Mit Freunden beschloss die Dresdnerin mit einer Anime-Verkleidung zur Leipziger Buchmesse zu fahren. Jetzt steht sie im Finale des großen Cosplay-Wettbewerbs auf dem digitalen Festival „DreamHack“ in der Leipziger Messe. Zum dritten Mal findet dort an drei Tagen die deutsche Plattform des aus Schweden stammenden, weltweit größten Festival für E-Sports statt. Im vergangenen Jahr kamen über 15 000 Besucher aus 14 Ländern zur Messe. Dieses Jahr war der Andrang auf die Tickets so groß, dass der Bereich für gemeinsames Computerspielen auf rund 1 700 Plätze erhöht wurde. Neben Deutschlands größter LAN-Party und der Präsentation von Computerspielneuheiten, stehen am Sonnabend 30 Cosplayer mit ihren eigenen Kostümkreationen im Finale des Wettbewerbs. Eine Jury bewertet die Kostümgestaltung, die Show auf der Bühne und kreativen Technik-Einsatz.

Vier Monate Arbeit für ein Kostüm

„Drei bis vier Monate brauche ich für ein Kostüm“, sagt Hertel, während sie mit dunkler Schminke ihre Wangenknochen und Nase betont, um ihr feminines Gesicht in das eines gewieften Piraten zu verwandeln. Jedes Kostüm beginnt mit einer zündenden Idee. Den Piraten Jack Sparrow wollte sie schon immer einmal darstellen, denn die „Fluch der Karibik“-Filme kann sie mittlerweile nahezu komplett mitsprechen.

Nach der Ideenfindung sucht die gebürtige Thüringerin nach geeigneten Schnittmustern oder entwirft sie selber. Danach geht es ans Stoffe auswählen, zum Beispiel auf dem Dresdner Stoffmarkt. Ihr Geheimtipp: „Die einfachen Baumwollstoffe von IKEA eignen sich perfekt, um historisch wirkende Hemden zu Schneidern“. Die Kunst mit Nadel und Faden hat sie im Elternhaus erlernt. Ihre Mutter ist Näherin. Die Cosplayerin legt Wert auf Detailtreue. An ihren zahlreichen Kostümen finden sich aufwendige Stickereien. Wie viele Kostüme sie schon genäht hat? „Ich habe den Überblick verloren“, schmunzelt die 23-Jährige. Pro Jahr sind es zwei bis drei. Je nach Material liegen die Kosten für eine Verkleidung bei 50 bis 300 Euro.

Dann geht es ans Bart ankleben. Mit spitzen Fingern fixiert sie zunächst den Oberlippenbart, den sie aus einzelnen Tüllfäden geknüpft hat. „Das ist schon schwierig, damit zu Essen“, sagt Hertel und greift nach dem charakteristischem Spitzbart für das Kinn. Zum Schluss nimmt sie eine aufwendige, leicht zerzauste Perücke mit Dreadlocks vom Bücherregal, die dort neben einem eleganten viktorianischem Haarteil steht.

In Dresden werde noch mehr gestarrt und gestaunt als in Leipzig

Hertel greift nach einem selbst gemachten Kompass und ist in ihrem Element. Wie der Kultpirat rollt sie mit ihren Augen. „Nur dass mit der tiefen Stimme klappt einfach nicht“, lacht sie. Dafür ist sie starrende Blicke schon gewöhnt. Die Leipziger kennen es, Cosplayer durch die Stadt laufen zu sehen. In Dresden gäbe es hingegen noch mehr starrende und staunende Blicke“, berichtet Hertel von ihren Erfahrungen. Das wird auch am Sonnabende wieder so sein, wenn Captain Jack Sparrow das Steuerrad seines Schiffes „Black Pearl“ gegen Lenkrad und vier Räder tauschen wird, um über die A14 Richtung Leipzig zu rauschen. „Ich mache mich schon verkleidet im Auto auf den Weg zum Cosplay-Contest, denn alleine das Make-Up dauert zwei Stunden“, erklärt Hertel. Ihr nächstes Ziel: Einmal bei den Deutschen Meisterschaften im Cosplay teilnehmen zu können.

Von Tomke Giedigkeit

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