Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 13 ° heiter

Navigation:
Google+
Dresden zahlt für seine Koalas 5000 Euro im Jahr

DNN-Gespräch mit Zoo-Kurator Matthias Hendel Dresden zahlt für seine Koalas 5000 Euro im Jahr

Der Berliner Zoo hat vor wenigen Tagen ein chinesisches Pandabären-Pärchen bekommen und eine Stange Geld an China bezahlt. Auch Dresden zahlt für seine Koalas, sagt Kurator Matthias Hendel – aber längst nicht so viel. Im DNN-Gespräch berichtet Hendel, der sich seit 2008 um die Tiertransporte kümmert, wie der Zoo zu neuen Tieren kam und kommt.

5000 Euro pro Jahr muss Dresden für seine beiden Koalas Iraga (Foto) und Mullaya an den Zoo San Diego in den USA bezahlen.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Der Berliner Zoo hat vor wenigen Tagen ein chinesisches Pandabären-Pärchen bekommen und bezahlt eine Stange Geld an China für die beiden Leihgaben. Auch Dresden zahlt für seine Koalas, sagt Kurator Matthias Hendel – aber längst nicht so viel. Im DNN-Gespräch berichtet Hendel, der sich seit 2008 um die Tiertransporte kümmert, wie der Zoo zu neuen Tieren kam und kommt.

Die beiden großen Pandabären Meng Meng (Träumchen) und Jiao Qing (Schätzchen) gehören ja nach wie vor dem Land China. Die Berliner zahlen pro Jahr pro Panda eine halbe Million Euro. Ist das nicht ein bisschen viel?

Ich gehe davon aus, dass sich das trotzdem rechnet für Berlin. Denn jeder will die knuffigen schwarz-weißen Pandas sehen. Stellt sich allerdings Nachwuchs ein wie im Wiener Tierpark Schönbrunn, müssen die Jungen an China zurückgegeben werden, sobald sie ein bestimmtes Alter erreicht haben.

Zahlt Dresden für seine beiden Koalas Iraga und Mullaya?

Ja, 5000 Dollar – und zwar an den Zoo San Diego in den USA, der die gesamte Population außerhalb Australiens managt. Das gilt im Übrigen für alle Koalas in Zoos auf der Welt.

Warum so vergleichsweise wenig?

Weil Koalas im Gegensatz zu den Großen Pandas keine extrem bedrohte Tierart sind. Wissen muss man auch, dass die Großen Pandas äußerst selten Junge bekommen, weil sie nur an einem Tag im Jahr für drei Stunden fortpflanzungsfähig sind. Sie müssen sich ja in dieser Zeit gefunden haben – ein Problem bei den zerstückelten Lebensräumen und oft plattgemachten Bambuswäldern in ihrer Heimat.

Zahlt Dresden sonst noch für Tiere aus anderen Zoos?

Nur noch für ganz wenige Vogelarten. Rote Sichler beispielsweise – das sind 70 Zentimeter große Vögel mit leuchtend rotem Gefieder – erwerben wir von privaten Züchtern. Früher haben wir Tiere ganz oft gekauft.

Bis wann etwa?

Bis in die 1980er Jahre hinein. Viel zu spät hat man gemerkt, dass man besser keine in der Wildnis gefangenen Tiere kaufen, sondern mit den Tieren züchten sollte, die man hat.

Gibt es noch Unterlagen, wieviel Geld der Zoo damals für seine Tiere bezahlt hat?

Ja, gibt es. 1961 zum Beispiel hat der Zoo zwei Giraffen von einem Tierhändler abgekauft. Weibchen Jenny hat damals 7000 und Bulle Jupp 12 310 Ostmark gekostet. Vielleicht erinnert sich auch noch jemand an die beiden Schabrackentapire Indo und Nesia. Sie sind 1972 nach Dresden gelangt und haben zusammen 30 000 Mark gekostet. Und Spitzmaulnashorn Kigoma kam 15 000 Mark. Es wurde am Silvestertag 1956 in Ostafrika gefangen, wie hier vermerkt ist.

Was war das letzte prominente Tier, für das Geld geflossen ist?

Ich habe mal im Archiv nachgeschaut: Das dürften 1999 die beiden afrikanischen Elefanten Mogli und Sawu gewesen sein. Sie sind damals im Tuli-Reservat in Botswana gefangen worden. Wieviel sie gekostet haben, steht aber nicht dabei. Sieben Jahre zuvor waren auch Drumbo und Gustl als Wildfänge aus dem Krüger-Nationalpark in Südafrika nach Dresden gelangt – ein Geschenk der Dresdner Bank an den Zoo. Wir selbst haben dafür nichts bezahlt.

Werden heute überhaupt noch Tiere aus der freien Wildbahn gefangen, um sie im Zoo zu zeigen?

Doch doch – Amphibien, Reptilien, Insekten, Fische und Vögel. Da gibt es aber ganz strenge Vorschriften.

Woher bekommt Dresden heutzutage neue Tiere?

Vor allem von anderen Zoos auf der Welt. Für alle wichtigen und vor allem bedrohten Tierarten gibt es Zuchtbuchführer – einerseits für Zoos in Europa, andererseits für Tierparks weltweit. Sie listen sämtliche Exemplare aus den verschiedenen Zoos auf und koordinieren die Abgabe so, dass möglichst wenig Inzucht entsteht. Im Zuchtbuch sind u.a. der Geburtstag und -ort des Tieres verzeichnet, das Geschlecht, wer seine Eltern sind, wo es momentan lebt bzw. wann es gestorben ist. Alles auf Englisch natürlich.

China hat die beiden Großen Pandas den Berlinern nur geborgt. Sitzen auch in Dresden geliehene Tiere?

Ja. Das prominenteste Tier ist sicher Krokodil De Gaulle. Der vom Aussterben bedrohte Sunda-Gavial stammt aus dem Zoo Leipzig und ist bei uns eingestellt worden, so nennt man das. Damit behalten sich die Leipziger die Möglichkeit vor, das imposante Tier zurückzufordern. Davon gehen wir aber nicht aus, weil dort jetzt fünf Krokodil-Weibchen und ein Männchen leben. De Gaulle würde da nur Rabatz machen und stören. Eine andere Geschichte sind Tiere, die nur für die Zucht ausgeliehen werden.

Ein solcher Fall wäre Elefantenbulle Abu aus dem Zoo in Halle, der den drei Dresdner Elefantendamen doch noch zu Nachwuchs verhelfen soll, wenn das Afrikahaus fertig saniert ist, oder?

Das ist noch nicht in trockenen Tüchern. Fest steht aber: Sollte er kommen, dann leihweise. Auch hier fließt kein Geld. Nur für die Transportkosten müssen wir aufkommen – wie für alle Tiere, die wir haben wollen.

Von Katrin Richter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.