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Lokales Dresden verfehlt Klimaschutzziel meilenweit
Dresden Lokales Dresden verfehlt Klimaschutzziel meilenweit
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15:46 10.10.2016
Die Realität hinkt der grünen Linie deutlich hinterher: Dresden produziert mehr Treibhausgas als angepeilt. Quelle: Eylert
Dresden

Die Bilanz ist ernüchternd. Dresden hat sein selbst gestecktes Klimaschutzziel um Längen verfehlt. Das ist das Ergebnis der Treibhausgasbilanz für das Jahr 2014, wie Umweltamtsleiter Christian Korndörfer erklärte. Seit 2003 stagniere der Kohlendioxyd-Ausstoß pro Einwohner und Jahr bei etwa zehn Tonnen. Dabei hatte sich die Stadt schon 1994 verpflichtet, diesen Wert alle zehn Jahre um fünf Prozent zu senken.

1989 lag der Kohlendioxyd-Ausstoß noch bei 16 Tonnen pro Einwohner. 2030 soll er bei sechs Tonnen liegen. Um das zu schaffen, müsste der Wert künftig jedes Jahr um drei bis vier Prozent sinken.“ Im 2013 beschlossenen Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept sei man noch von einer notwendigen Reduktion von zwei Prozent ausgegangen.

Obwohl die Einwohnerzahl seit Jahren wächst, sind die Privathaushalte nicht die Verursacher der hohen Werte, rechnete Korndörfer vor. Den entscheidenden Anteil an der miesen Bilanz hat nach den Zahlen der Stadt die Industrie. „Dresden wird von der Mikroelektronik dominiert, diese Betriebe benötigen viel Strom“, so der Umweltamtsleiter. Diesen würden sie an der Strombörse einkaufen. Da wegen der großpolitischen Wetterlage Kohlekraftwerke wieder lukrativ seien, sei auch der von der Dresdner Industrie verbrauchte Strom nicht sauber und verhagele so die Bilanz.

„Kohlendioxyd-Ausstoß kostet nichts mehr“, bedauert Korndörfer die Entwicklung, an der die Landeshauptstadt Dresden herzlich wenig ändern kann. Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnis 90/Die Grünen) sieht dennoch keinen Grund für Schwarzmalerei. „Wir müssen als Stadtverwaltung unsere Hausaufgaben erledigen, damit wir für den Tag gewappnet sind, an dem sich die Rahmenbedingungen ändern“, sagt sie.

In der Verwaltung hat Jähnigen die organisatorischen Weichen gestellt und das frühere Klimaschutzbüro mit ausdrücklicher Billigung von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) in einen Klimaschutzstab umgewandelt. „Damit ist das Thema jetzt der zentrale Schwerpunkt meiner Arbeit“, kündigte sie an. Stadtverwaltung und städtische Unternehmen könnten unter fachlicher Aufsicht des Stabes gemeinsam ihren Anteil zur Reduzierung der Treibhausgase leisten.

Ina Helzig ist als Leiterin des Klimaschutzstabes die oberste Klimaschutzmanagerin der Stadt, wie Jähnigen erklärte. „Wir haben die Handlungsfelder Wärme, Strom und Verkehr“, erklärte Helzig und bezeichnete es als „großen Wurf“, wenn die Fernwärmetrasse für Pieschen und die Leipziger Vorstadt umgesetzt werden würde. Der Fuhrpark der Stadt werde Schritt für Schritt elektrifiziert, kündigte sie an. Verrichten jetzt noch vier E-Pkws ihren Dienst für die Verwaltung, so sollen es bis Ende des nächsten Jahres zehn mehr sein. Auch die Heizungsoptimierung in städtischen Gebäuden werde sie vorantreiben, kündigte Helzig an.

Klimaschutz ist ein ressortübergreifendes Thema, erklärte Hochbauamtsleiter Marcus Felchner. 148 Schulen, 159 Kindertagesstätten, Bibliotheken, Kultureinrichtungen, Rathäuser, Sportstätten und zwei Kliniken zählen zu den städtischen Gebäuden, die Heizkosten lagen 2014 bei 15 Millionen Euro. Deshalb sollen die 200 größten städtischen Objekte an eine Fernüberwachung angeschlossen werden, mit der acht Prozent Energie eingespart werden könnten. „Wir beginnen im nächsten Jahr mit der Planung“, kündigte Felchner an.

Korndörfers Ausblick ist wenig optimistisch: „Ich habe keine Illusionen. Der Trend wird sich die nächsten Jahre nicht gravierend ändern.“ Aber die Stadt habe Handlungsmöglichkeiten, die sie nutzen könne und auch wolle.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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