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Lokales Dresden und die Welt im Jahr 1960
Dresden Lokales Dresden und die Welt im Jahr 1960
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07:43 25.08.2018
Vor der Kulisse der Yenidze wird im Dezember 1960 das Kunsteisstadion im Ostragehege eröffnet, bis 1970 Heimstätte des SC Einheit Dresden. Quelle: Archiv/Eisloewen
Dresden

Am 11. Februar stirbt im Alter von 78 Jahren der Romanist und Philosoph Victor Klemperer. Bekannt wurde er vor allem durch seine unter dem Titel „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten“ erschienenen Tagebücher, in denen der Chronist jüdischer Herkunft akribisch seine Alltagserfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus dokumentierte. 1945 entging er knapp der Deportation. Er sollte mit den zuletzt in Dresden verbliebenen jüdischen Einwohnern in ein KZ gebracht werden, aber dieser letzte Transport kam nicht mehr zustande. Seine Tagebücher sind ein erschütterndes Zeitdokument, das das Leben der jüdischen, aber auch der übrigen Dresdner Bevölkerung in dieser Zeit eindringlich schildert. Klemperers Grab befindet sich auf dem Friedhof in Dölzschen.

Die erst 17-jährige Dresdner Wasserspringerin Ingrid Krämer gewinnt bei den Olympischen Spielen in Rom für die Gesamtdeutsche Mannschaft die Goldmedaillen vom 3-Meter-Brett und vom 10-Meter-Turm. Nach ihrem Olympiaerfolg wird sie in der DDR und in der Bundesrepublik zur Sportlerin des Jahres gewählt. Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio gewinnt sie erneut eine Goldmedaille vom Brett und Silber vom Turm. In den Dresdner Neuesten Nachrichten wird Ingrid Krämer-Gulbin im Jahre 2000 zu einer der „100 Dresdner des 20. Jahrhunderts“ gewählt.

Am 27. November wird das Kraszewski-Museum in der Radeberger Vorstadt eröffnet, das dem polnischen Schriftsteller, Maler, Historiker und Komponisten Józef Ignacy Kraszewski gewidmet ist. In der Villa hatte er sechs Jahre seiner insgesamt 20-jährigen Dresdner Exilzeit gewohnt, traf dort auf ebenfalls emigrierte Zeitgenossen aus Polen und entwickelte eine lebhafte literarische, wissenschaftliche und politische Tätigkeit. In der Villa entstanden auch die als Sachsentrilogie bekannt gewordenen Romane „Gräfin Cosel“, „Brühl“ und „Aus dem Siebenjährigen Krieg“.

125 Jahre DNN

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Am 26. Dezember wird am Heinz-Steyer Stadion ein Freiluft-Kunsteisstadion eröffnet. Das Stadion fast rund 10 000 Zuschauer. Am 6. Januar 1961 wird dort das erste Länderspiel DDR gegen Norwegen ausgetragen. Ende der 60er Jahre wird gleich dahinter mit dem Bau einer neuen Eishalle begonnen.

Der Komponist Dmitri Schostakowitsch komponiert bei seinem Aufenthalt im Kurort Gohrisch in der Sächsischen Schweiz sein achtes Streichquartett c-Moll op. 110. Es gilt heute als eines seiner bedeutendsten Werke und ist nachweislich das einzige Werk, das Schostakowitsch außerhalb der Sowjetunion komponierte. Anlass für Schostakowitschs ersten Besuch in Gohrisch war ein Aufenthalt in Dresden, wo er gemeinsam mit dem Regisseur Lew Arnstam an dem Film „Fünf Tage – fünf Nächte“ arbeitet.

Deutschland, Europa und die Welt

1. Januar: Das Atomgesetz zur friedlichen Kernenergieverwendung tritt in der Bundesrepublik Deutschland in Kraft.

24. Januar bis 1. Februar: Algerienkrieg: Sogenannte „Barrikadenwoche“ in Algier. Überzeugt, von De Gaulle verraten worden zu sein und im festen Glauben an die Unterstützung des populären, von De Gaulle aus Algier abberufenen Generals Massu beginnen rechtsgerichtete Franzosen mit der Vorbereitung eines Aufstandes in Algier. Die französische Armee verhängt daraufhin über die Stadt den Belagerungszustand. In Frankreich kommt es zu zahlreichen Hausdurchsuchungen, darunter gegen Jean-Marie Le Pen.

25. Januar: Jacques Piccard erreicht mit seinem Tiefsee-U-Boot„Bathyscaph“ die Rekordtiefe von 10 916 Meter.

1. Februar: In Greensboro (North Carolina) veranstalten afroamerikanische Studenten das weltweit erste Sit-in. Mit dem Sitzstreik protestieren sie gegen das Reservieren eines Restaurants ausschließlich für Weiße.

18. bis 28. Februar: VIII. Olympische Winterspiele in Squaw Valley, USA

22. Februar: Bei einer Explosion im Zwickauer Steinkohlebergwerk Karl Marx wurden in 1100 Metern Tiefe 174 Bergleute verschüttet. Die Rettungsmaßnahmen gestalteten sich in dem weit verzweigten Schachtsystem äußerst schwierig. Da das Feuer nach sechs Tagen noch nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte, wird der Schachtabschnitt zugemauert. Insgesamt kamen bei dem schwersten Grubenunglück in der DDR 123 Kumpel ums Leben.

4. März: Im Hafen von Havanna ereignen sich auf dem Frachtschiff La Coubre, das Kuba belgische Waffen anliefert, zwei Detonationen. 101 Menschen sterben, etwa 200 Verletzte werden verletzt.

6. März: Im Kanton Genf (Schweiz) erhalten nach einer Volksabstimmung die Frauen das Stimmrecht.

17. März: Der Deutsche Bundestag beschließt, die staatliche Wolfsburger Volkswagen GmbH zu privatisieren. Das Unternehmen wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 60 Prozent der Anteile werden Privatpersonen als Volksaktien zum Kauf angeboten.

21. April: Brasília löst Rio de Janeiro als Hauptstadt von Brasilien ab. Der Architekt Oscar Niemeyer hatte die Verantwortung für das Projekt und entwarf die öffentlichen Gebäude der futuristischen Stadt.

1. Mai: Einweihung des DDR-Überseehafens Rostock

7. Mai: Der Oberste Sowjet wählt Leonid Breschnew zum neuen Vorsitzenden seines Präsidiums, nachdem Kliment Woroschilow zurückgetreten war.

11. Mai: Der israelische Geheimdienst Mossad ergreift Adolf Eichmann in Buenos Aires.

20. Mai: Der Film „La Dolce Vita“ (Das süße Leben) des italienischen Regisseurs Federico Fellini erhält bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme. Weltberühmt wird die Szene mit Anita Ekberg im Trevi-Brunnen.

16. Juni: In den USA kommt „Psycho“ von Alfred Hitchcock in die Kinos.

9. August: Das erste Jugendarbeitsschutzgesetz der BRD wird veröffentlicht. Unter anderem dürfen danach Jugendliche unter 16 Jahren maximal 40 Stunden pro Woche beschäftigt werden, Akkord- und Fließbandarbeit sind Jugendlichen unter 18 Jahren verwehrt.

17. August: Erster Auftritt der später berühmten Beatles im Musikclub „Indra“ an der Großen Freiheit im Hamburger Rotlichtviertel St. Pauli

13. August: Bernhard Eckstein wird Weltmeister im Straßenradsport der Amateure auf dem Sachsenring. Er profitiert dabei von der taktischen Konstellation und dem Verhalten seines Mannschaftskollegen Täve Schur.

18. August: Die Antibabypille kommt auf den amerikanischen Markt und erfreut sich schon schnell großer Beliebtheit.

25. August bis 11. September: XVII. Olympische Sommerspiele in Rom

5. September: Staatskrise in der Demokratischen Republik Kongo: Präsident Joseph Kasavubu und Premier Patrice Lumumba erklären sich gegenseitig für abgesetzt.

9. September: Bürger der Bundesrepublik dürfen ab sofort nicht mehr ohne besondere Aufenthaltsgenehmigung nach Ost-Berlin einreisen. Im Gegenzug erhalten Einwohner der DDR kein Visum mehr für Reisen außerhalb der Ostblock-Länder.

19. September: Chubby Checkers Song „The Twist“ steht an der Spitze der US-Charts. Der gleichnamige Tanz wird weltweit populär.

13. Oktober: Vor der UNO-Vollversammlung trommelt UdSSR-Chef Nikita Chruschtschow mehrmals mit seinem Schuh auf das Pult, um Ruhe im Plenarsaal zu bewirken.

8. November: Bei der US-Präsidentschaftswahl siegt der Demokrat John F. Kennedy in einer knappen Entscheidung über den republikanischen Vizepräsidenten Richard Nixon. Sein Amt tritt er im Januar 1961 an.

Geboren werden 1960 unter anderem die Formel-1-Weltmeister Ayrton Senna und Damon Hill, Fußballtrainer Joachim Löw, die Musiker Nena, Kim Wilde, Jennifer Rush, Vince Clarke, Bono und Holly Johnson, Radsportler Olaf Ludwig, die Fußballer Rudi Völler, Diego Maradona, Pierre Littbarski und Ralf Minge, der Künstler Neo Rauch, die Leichtathletin Merlene Ottey und die Schauspieler Antonio Banderas, Sean Penn und Hugh Grant.

Gestorben sind unter anderem der Schriftsteller und Schauspieler Curt Goetz, der Politiker Wilhelm Pieck, die Schauspieler Hans Albers und Clark Gable, der Komponist Paul Abraham und der Schriftsteller Albert Camus.

Von Monika Löffler

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