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Lokales Dresden sucht den internationalen Austausch in Sachen Denkmalpflege
Dresden Lokales Dresden sucht den internationalen Austausch in Sachen Denkmalpflege
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23:32 09.09.2015
Reinhard Sterra Quelle: Carola Fritzsche

DNN-Mitarbeiterin Jane Jannke sprach vorab mit Dr. Reinhard Sterra, Abteilungsleiter Denkmalpflege des AKD, über Besonderheiten, Pflege und Zukunft der Dresdner Denkmäler.

Frage: Herr Sterra, was ist, denkmalpflegerisch betrachtet, so besonders an Dresden?

Antwort: Wir haben eine sehr hohe Denkmaldichte. 13000 Kulturdenkmäler - zum Vergleich: in Stuttgart sind es nur 5000. Und es werden tendenziell noch mehr werden. Eine weitere Besonderheit sind die acht Denkmalschutzgebiete, etwa die Elbhänge. Hier muss sich jede Veränderung an der für das Gebiet typischen Optik ausrichten.

Welchen Stellenwert nehmen Denkmäler und ihre Pflege in einer gesegneten Stadt wie Dresden ein?

Traditionell hat in Dresden die Baukultur einen immensen Stellenwert. Es gibt da in der Bevölkerung einen hohen Identifizierungsgrad. Es wird aufmerksam registriert, wenn etwas verändert werden soll - und wenn nötig, wird reagiert: So etwas wie der Stuttgarter Hauptbahnhof wäre hier nie möglich gewesen. Schönheit ist aber nicht nur für die Einheimischen wichtig, sondern auch ein unheimliches Kapital. Es gibt ein Dresden-Bild, das nach außen transportiert wird. Das wiederum weckt hohe Erwartungen.

Tut Dresden denn genug für seinen guten Ruf? Wie geht es der Denkmalsubstanz im Vergleich zu vor 20 Jahren? Wenn man sich alte Fotos anschaut, dann sieht man die Kontraste. Für Leute, die hier groß geworden sind, ist es unfassbar, an welche Zustände man sich damals durchaus auch gewöhnt hatte. Wir sind heute bei einem Sanierungsgrad von etwa 85 Prozent. Darüber hinaus beschäftigen uns heute ganz neue Themen und Probleme.

Welche wären das?

Etwa das Thema Energie. Alte Gebäude beziehen ihre Atmosphäre durch ihr schmuckvolles Außenbild, da kann man mit Außendämmung fast gar nicht arbeiten. Die Forschungen zu neuen Methoden und Stoffen laufen bereits seit 20 Jahren und werden vermehrt umgesetzt. Ein Problem stellt in Dresden auch der große Leerstand bei Industriedenkmalen dar. Das ist per se eine schwierige Substanz, da braucht es die nötigen Finanzmittel und gute Konzepte. Leider haben wir da in den letzten Jahren bereits einiges verloren.

Die heute beginnende Tagung steht unter dem Motto "Zwischen Wunschtraum und Wirklichkeit?" Lassen sich Denkmalpflege und moderne Architektur immer miteinander vereinbaren?

Der Idealvorstellung des Denkmalpflegers stehen oft knallharte Realitäten aufseiten des Bauherren, sprich das Budget, gegenüber. Da muss man manchmal fünf gerade sein lassen, wenn man sieht, dass etwa Bausubstanz durch langen Leerstand sehr schlecht und die Sanierung entsprechend aufwendig geworden ist.

Ist Denkmalpflege angesichts klammer Kassen und Spardrang zum Luxusgut geworden?

Das ist eine schwierige Frage. Dem finanziellen Wert eines Objektes ist immer auch dessen kultureller Wert gegenüberzustellen. Genau darum wird es unter anderem auch auf der Tagung gehen, diese Parameter mehr in die Gesamtbilanz einfließen zu lassen, obwohl das hier in Dresden schon eher verstanden wird.

Zur Tagung kommen 170 Gäste aus Deutschland und Europa. Ein Blick über den berühmten Tellerrand?

In der Tat. Schon vor zwei Jahren haben wir als Stadt die Initiative ergriffen und gesagt: Wir wollen den Austausch mit anderen Fachleuten, von der Kommune bis zum Restaurator. Es geht um zukunftsfähige Themen und ein Voneinander-Lernen.

Welche Themen werden das sein?

Ein Thema wird die bessere Vermittlung des Denkmalschutzes an die Gesellschaft sein. Wir sind in den gesellschaftlichen Kontext eingebunden und müssen gemeinsam an Lösungen arbeiten. Den Prozess des Aushandelns zwischen den Interessen mit Architekten, aber auch Bürgern und Vereinen so weit zu kultivieren, dass man das Ergebnis als ein gemeinsames reflektiert - da haben wir einiges zu lernen.

Welche Rolle wird bürgerschaftliches Engagement künftig bei der Denkmalpflege spielen?

Das wird ein großer Faktor werden. Schon jetzt gibt es zahlreiche Initiativen, die Entwicklungen befördern, wo die Ämter nicht nachkommen. Etwas Besseres kann die Gesellschaft gar nicht tun. Zur Tagung wird dieses Thema insbesondere im Bereich Kommunikation eine Rolle spielen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.03.2013

Jane Jannke

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